Annette Manske-Striffler (links) und Silke Klimek freuen sich über die gute Resonanz – unter anderem wurden bereits ein Rezeptbuch aus den 50er-Jahren und alte Springerleformen abgegeben. Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder Bote

Brauchtum: Wolfacher durchforsten für Schaufensterausstellung ihre Keller / Einblicke ins Archiv

Die Schaufensterausstellung zum Wolfacher Kuchenmarkt erhält viel Zuspruch. Kommenden Samstag ist der letzte Abgabetermin für Leih-Objekte und Geschichten rund um die Traditionsveranstaltung.

Wolfach. "Wir haben schon viele historische Fotos, alte Springerleformen und mehr katalogisieren können", freuen sich Silke Klimek und Annette Manske-Striffler. Die beiden gehören zu der Projektgruppe "Kuchenmarkt", die im Rahmen des Forum Zukunft in einer Gemeinschaftsaktion mit der Stadt und dem Gewerbeverein die Ausstellung ausrichten.

Ursprünglich war eine andere Kampagne zum zweiten Einsatz geplant

Die Absage des Kuchenmarkts hat die Wolfacher hart getroffen (wir berichteten). "Unserem Gefühl nach sind die Leute froh, dass überhaupt etwas stattfindet", fasst Klimek die Stimmung der bisherigen Gespräche zusammen. Es sei schon so viel an Aktionen der Pandemie zum Opfer gefallen. Auch die Projektgruppe hatte sich bei ihrem zweiten Einsatz in Sachen Kuchenmarkt eine andere Kampagne vorgestellt.

Mit umso mehr Eifer wird für die kommende Ausstellung recherchiert, werden Kontakte um fünf Ecken herum geknüpft und die Werbetrommel gerührt. "Die persönliche Ansprache ist wichtig und wir merken, dass es in den Menschen arbeitet und sie auf dem Speicher nach geeigneten Objekten schauen", stellt Manske-Striffler fest.

Angeschrieben wurden auch schon verschiedene Bäcker, ob sie Spitzwecken für die Schaufensterdekoration zur Verfügung stellen würden. Einer habe noch am gleichen Abend geantwortet und nach der erforderlichen Größe der Kuchen gefragt, die dem Markt seinen Namen gaben.

Ob die Spitzwecken auch für den Verzehr gebacken werden, ist ungewiss. Klimek und Manske-Striffler hoffen wie viele Wolfacher darauf, dass die Bäcker am geplanten Markttag das leckere Gebäck anbieten werden.

In guter Erinnerung ist der legendäre über vier Meter lange Spitzwecken, den die Flößer unter Anleitung von Alt-Törlebeck Albert Wöhrle im Wiedeofen zum 200-jährigen Jubiläum des Kuchenmarktes im Schlosshof gebacken haben. "Im Stadtarchiv haben wir schon einiges gefunden zu dem Jubiläum am 21. Dezember 1989", erklärt Klimek. In dem Zusammenhang lobte sie die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die den Einblick in das Archiv gewährte. Es habe auch einen Riesenspaß gemacht, darin Anekdoten aus früheren Zeiten zu lesen. Unter anderem erinnert sich Klimek an die Beschwerde eines Wolfachers, der den "saumäßigen Lärm" der Marktschreier morgens um 7 Uhr beklagte.

Pandemie ist eine echte Zäsur in der langen Geschichte des Markts

Ob der Kuchenmarkt jemals zuvor ausgefallen ist, ist nicht bekannt. Vermutlich war dies außer in den Kriegsjahren nicht der Fall und die Pandemie ist eine echte Zäsur in der langen Geschichte des Marktes. Froh ist die Gruppe auch für die Unterstützung des Vereins Kultur im Schloss, der die Räumlichkeiten für die Sammlung der Exponate zur Verfügung stellt. Auch das Museums-Team ist für die Ausstellung fündig geworden mit einer Waage, auf der Teiglinge abgewogen wurden. Kurz vor Schluss der Annahme bringt Renate Sattler vom Gasthaus Hecht noch eine prächtige Nikolaus-Statue vorbei. Er stand lange Jahre am Stammtisch in der Nische in der Nähe des Kachelofens hinter einer Gittertür. "Jedes Jahr am 6. Dezember wurde das Türchen geöffnet", ließ Sattler wissen. Die Statue wird gleich katalogisiert und sorgsam bei den rund 30 Kartons verwahrt, die bisher zusammenkamen.

Schon vor dem letzten Abgabetermin am Samstag werden Ausstellungsstücke ausgeliefert, denn manche Geschäfte engagieren einen Dekorateur, der die Exponate entsprechend zeitig braucht. Außerdem wird die Projektgruppe coronabedingt in mehreren Schichten arbeiten müssen und so die Auslieferung peu á peu erfolgen. Für die Ausstellung gesucht werden noch Kerzenhalter und handgezogene Kerzen für einen Christbaum, die auch gerne vor Ort abgeholt werden. Gesucht werden auch Zeitzeugen, die erzählen, wie das "früher" war.

Ansprechpartnerinnen sind Annette Manske-Striffler, Telefon 0170/ 9 65 81 31 oder per E-Mail an geschaeftsstelle@gewerbeverein-wolfach.de, sowie Silke Klimek, Telefon 07834/ 4 76 22 oder per E-Mail an klimeksilke@gmail.com. Letzter Termin für die Abgabe ist am kommenden Samstag, 14. November, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr im Schlossmuseum. Die Ausstellung findet von Samstag, 28. November, bis Sonntag, 27. Dezember, in den Schaufenstern in der Wolfacher Innenstadt statt.

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