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Wolfach Alter Brauch wird 1929 wiederbelebt

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Auch in der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Weihnachtskrippe von St. Jakob, die jedes Jahr in der Wolfacher Stadtkirche aufgebaut wird, sind die Heiligen Drei Könige ein fester Bestandteil.Foto: Schrader Foto: Schwarzwälder Bote

Das traditionelle Sternsingen in Wolfach in der ersten Januarwoche kann in diesem Jahr coronabedingt nicht wie gewohnt stattfinden. Dabei lässt es sich erstmals vor 343 Jahren urkundlich nachweisen.

Wolfach. In seiner "Chronik der Stadt Wolfach" zitiert Franz Disch eine Quelle aus dem Jahre 1678, nach der "an dem heiligen 3 Königen-Tag" die "Schueler-Bueben mit dem Sternen gesungen" haben. Bereits im Jahre 1604 lässt sich hier auch das "Neujahrsingen" belegen. Damals wurden am "neuen Jahrs Abendt" (Silvester) den Schülern, so "umb ain guet Jar gesungen", von der Stadt ein Schilling gegeben, das entsprach zwölf Pfennigen oder drei Kreuzern.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts geriet die Sternsinger-Tradition in Vergessenheit. Im eiskalten Winter 1929 bestellte der aus dem Ruhrgebiet stammende Vikar Josef Ruch kurz vor dem Jahreswechsel die Ministranten Walter Dirnberger, Franz Brahm, Wilhelm Vivell, Gerhard Decker, Hansjörg Haas, Bruno Grieshaber, Kurt Handloser, Otto Bührer, Erich Steinhauser und Wilhelm Moser zu einer außerordentlichen Sitzung ein. Er schlug den Buben vor, das Sternsingen wieder neu zu beleben.

Mit Begeisterung machten sich die Jungen ans Werk, um gemeinsam mit ihren Eltern die notwendigen Bekleidungen und Requisiten herzustellen, insbesondere die Königskronen und den durch eine Kerze beleuchteten Stern.

Friseurmeister Anton Burger versah den König Balthasar gemäß seiner Rolle mit einem "schwarzen Gesicht". Mesner Adalbert Oswald sorgte als "spiritus rector", notfalls auch mit Ohrfeigen, dafür, dass das Singen und Spendensammeln ordnungsgemäß ablief.

Gefährliche Situation in den 1970er-Jahren

In den 1970er-Jahren kam es in einem kalten Winter, in dem die Kinzig auf ihrer ganzen Breite zugefroren war, zu einer gefährlichen Situation. Um ihren langen Weg durch Eis und Schnee etwas abzukürzen, beschlossen die Sternsinger kurzerhand, beim Herlinsbach direkt über den Fluss zu gehen, doch auf halber Strecke war plötzlich vom Sternträger, der mutig vorausgegangen war, nur noch der Stern zu sehen, denn das Eis war unter ihm eingebrochen.

Seit 2018 ziehen die Sternsinger nicht mehr von Haus zu Haus, sondern kommen nur nach vorheriger Anmeldung vorbei, um ihre Lieder zu singen, Spenden zu sammeln und die Kreidezeichen über der Haustür anzubringen.

Die Heiligen Drei Könige erreichten im 14. Jahrhundert große Beliebtheit durch die Dreikönigslegende von Johannes von Hildesheim, dem Prior des Klosters Marienau bei Hameln. Nach Ansicht des Volkskundlers Hermann Bausinger entstand das Sternsingen unter dem Einfluss von Dreikönigsspielen, die an Schulen aufgeführt wurden, aus dem wesentlich älteren Brauch des Neujahrsingens. Eine der ersten Erwähnungen findet sich 1462 in Colmar (Elsass). Dort war im 16. Jahrhundert Conrad von Wolfach, dessen Vorfahren aus der Stadt an Wolf und Kinzig stammten, Mitglied der von dem Schriftsteller Jörg Wickram gegründeten "Singergesellschaft", die 1546 die berühmte "Colmarer Liederhandschrift" erwarb. Es handelt sich dabei um die umfangreichste Sammlung von Meisterliedern des 14. und 15. Jahrhunderts.

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