Als zweite Band tritt "Stereo Dynamite" auf. Die Freiburger bringen am vergangenen Samstagabend kraftvolle und temporeiche Songs auf das Moosenmättle Open Air in Wolfach mit. Foto: Steitz

Acht Bands geben Vollgas. Besucher feiern bis tief in die Nacht. Lob für "magischen Ort".

Wolfach-Kirnbach/Halbmeil - Über 1000 Musikfreunde haben am 35. Moosenmättle Open Air die Samstagnacht zum Tag werden lassen. Sie tanzten, feierten und sangen mit, was das Zeug hielt. Auch die Auftretenden hatten dabei ihren Spaß.

Reiseeindrücke flimmern über die Leinwand. Die Zuschauermenge steht – es ist mittlerweile so gegen 22 Uhr – dicht aneinander gedrängt vor der Bühne und hört Morgan Finlays Dokumentation zu. Als sie zu Ende ist, steht der hockende Finlay auf und singt mit sonorer, rauchiger Stimme weiter, während er auf seiner Gitarre zu spielen beginnt. Die Stimmung auf dem Berg ist fantastisch, das Publikum verzückt.

Das Open Air auf dem Berg wurde vom FC Kirnbach im Jahre 1983 ins Leben gerufen. Die Mitglieder des Fußballclubs sind an dem Abend auch hinter der Bühne, an der Kasse und Theke aktiv und sorgen bei einer traumhaften Veranstaltungskulisse für den reibungslosen Ablauf des Musikfestivals.

Mitten in der Walachei haben sich so manche Musiker gedacht, als sie über Halbmeil und Kirnbach den Berg abenteuerlich angereist sind (siehe Info). "Erst bei den Höhen in Halbmeil haben wir gecheckt, was das hier ist", erzählt Hagen Pommer, der Bassist von "Lady Moustache", einer Band aus Frankfurt, die an dem Abend auftritt.

Gemeinsam mit seinen Bandkollegen Steffen Wolf (E-Gitarre), Günther Stefan (Gesang) und Johannes Holz (Schlagzeug) hat es sich Pommer auf den Strohballen – passend zum Moosenmättle-Flair – im Backstage-Bereich bequem gemacht. Aber genau diese Walachei, die der Veranstalter selbstironisch auch mit "Wo zum Kuckuck bin ich hier?" auf Bannern betitelt, scheint den vier Musikern, die im Gutacher "Gasthaus zum Hirschen" einquartiert sind, gut zu gefallen. Sie proben aber auch gewöhnlich neben Puten, Kaninchen und Hasen auf einem Bauernhof in der Wetterau.

Entstanden ist "Lady Moustache" (Damenbart), als der Sänger die Schwester des Schlagzeugers treffen wollte und versuchte durch eine Band mit ihr in Kontakt zu kommen.

"Schön, dass ihr alle da seid. Das ist ein sehr magischer Ort, den ihr hier habt", begrüßen sie ihr Publikum. Ihre Rock- und Elektropop-Melodien sind interessant mit Dissonanzen kombiniert. "Left Over Lovers" ist nach einem energiegeladenen Auftritt dann das Schlusslied. Die Szenerie ist dabei beeindruckend: Der irre Sound, die Lichtershow auf der Bühne, die Tannen daneben, das Publikum davor und der Himmel verabschiedet sich in rotgetränkten Schäfchenwolken und hellblauen Streifen. Bis der Vollmond aufzieht, dauert es nicht mehr lang.

Das Publikum lässt "Lady Moustache" natürlich nicht so einfach gehen. Um die Zugabe "Dark Disco", einem Song, der schon "zu viele Jahre auf dem Buckel" hat, kommen sie nicht herum. Die melancholischen Klänge gefallen dem Publikum und bereiten sie auf das Duo "David Celia & Marla" vor.

Diese beiden, ein Kanadier und eine Heidelbergerin, haben sich beim Touren getroffen. Sie stehen nicht nur beruflich zusammen auf der Bühne, sondern sind auch privat ein Paar, verrät David Celia. Mit der Gitarre, Mundharmonika sowie verschiedenen Rhythmusinstrumenten bewaffnet, bilden sie einen unprätentiösen Kontrast zum sonstigen Bühnengeschehen. Besonders Marlas Stimme bei "Infinitiy" hört sich wie ein ruhiger Pol an.

Das Publikum ist gut durchmischt: Es reicht von Festival-Veteranen bis hin zu jungen Partyanimals. Manche kommen mit Partner und kuscheln bei Finlays Songs; andere sind in der Gruppe unterwegs und rocken zu den Songs von Dominik Faitsch, My Sleeping Karma, Marius Tilly oder Desaster Area ab. Auch Tina (34) ist mit ihren Freundinnen dabei. Die Wolfacherin nimmt zum "gefühlten 20. Mal" teil und mag die Bands und besondere Atmosphäre.

Vollblutmusiker Finlay nutzt den ungewöhnlichen Ort voll aus. Er badet in der Menge, fängt hinten an, arbeitet sich begleitet vom Scheinwerferlicht vor, immer von der Kamera begleitet und auf der Bühnenleinwand projiziert. Manche tanzen mit ihm, andere rufen "cool", einer fragt seine Begleitung: "Warst du einem Star für 14 Euro schon mal so nah?" Die Stimmung ist schon längst auf dem Höhepunkt angelangt. Und Finlay gibt – wie auch die anderen Musiker – starke Impulse dafür.

INFO

Lage

Das Veranstaltungsareal auf dem Hochplateau ist am Grenzstein von Baden und Württemberg gelegen. Die Koordinaten des "Rocking Mountain" lauten: 48°15’45.60“ N sowie 8°17’08.70“ O.

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