Eine Wildtierkamera hat bei Rangendingen ein Tier fotografiert. Ein Experte für Wölfe widerspricht Aussagen über das Tier, auch in Bezug auf Angriffe auf Haustiere.
Eine Wildtierkamera hat in einem Waldstück bei Rangendingen ein Tier aufgezeichnet. Die Frage ist: War es wirklich ein Wolf? Begutachtet wurde die Aufnahme von der „Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg“ (FVA) mit Sitz in Freiburg.
Nicht gesicherte Sichtung
Auf Nachfrage unserer Redaktion heißt es im Hinblick auf die Aufnahme aus Rangendingen: „Die Bildqualität lässt eine sichere Aussage in Bezug auf die abgelichtete Tierart nicht zu. Die Aufnahme wurde daher als unbestätigter Hinweis (C3) bewertet.“ Bei nicht ausreichender Bildqualität bestehe demnach Verwechslungsgefahr mit wolfsähnlichen Haushunderassen.
Gesichert ist hingegen die Sichtung eines Wolfs auf der Gemarkung Burladingen vom November 2022 (Sichtung der Kategorie C1) – weitere eindeutig gesicherte Wolfssichtungen liegen für den Zollernalbkreis hingegen nicht vor.
Auf unsere Berichterstattung hat über die angebliche Sichtung eines Wolfes hat sich Peter Herold zu Wort gemeldet. Herold ist studierter Biologe, Weidetierhalter und engagiert im Umwelt- und Naturschutzverband „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ (GzSW). Der Großerlacher (Rems-Murr-Kreis) engagiert sich seit Jahren für ein konfliktfreies Zusammenleben mit dem Beutegreifer.
Wölfe und Hunde
Aufgekommen war während der Gemeinderatssitzung vom 21. Mai, dass der Wolf den Hund als Feind sehe. Die sei laut Herold keine ausgemachte Sache. Der Wolf-Experte sagt: „Der Wolf kann im Hund alles Mögliche sehen: vom Konkurrenten um Ressourcen bis zum möglichen Paarungspartner.“ Die bei der Gemeinderatssitzung vom 21. Mai geäußerte Aussage, Wölfe sehen Hunde als natürliche Feinde, sei „schlicht Unsinn“. Herold weiter: „Die Gefahr, dass Jagdhunde bei einer Drückjagd im Wolfsrevier getötet werden, ist sehr gering und eine absolute Ausnahme – sonst hätte es hier schon Vorfälle in nennenswerter Zahl gegeben, was definitiv nicht der Fall ist.“
Andererseits wird zum Beispiel in der Ausgabe 6/24 der Jägerzeitung in einem Artikel ausführlich beschrieben, wie sich Hundehalter bei einer Begegnung mit dem Wolf verhalten sollten. Anlass für den Bericht: „Vermehrte Wolfsangriffe auf Hunde“ in Brandenburg – weil dort die Population der Wölfe drastisch höher ist als im Südwesten, sind solche Begegnungen mit dem Wolf in unserer Region aber quasi nicht möglich, zumal nicht einmal sicher ist, ob es sich bei der Aufnahme von Rangendingen wirklich um einen Wolf handelt.
Wölfe und Beute
Wie Herold weiter berichtet, würden zahlreiche Studien belegen, dass Wölfe die Jagdstrecke – also die Anzahl des von Jägern erlegten Wilds – nicht reduzierten. Das Jagdverhalten der Wölfe sei vielmehr eine Ergänzung: Sie reißen nämlich Tiere, die Jäger nicht erlegen wollen, zum Beispiel Kitze und Frischlinge sowie alte und kranke Tiere. Und ja, natürlich erlege der Wolf solche Tiere, denn sie sind seine Nahrungsgrundlage.
Nun könnten nicht nur Wild-, sondern auch Nutztiere von einem potenziell in Rangendingen vorkommenden Wolf gerissen werden. Herold dazu: „Ja, aber das wird nur dann passieren, wenn die Nutztiere nicht ausreichend geschützt werden.“ Dies sei bei den meisten gerissenen Nutztieren aber der Fall. Herold weist in diesem Zusammenhang auf die gesetzliche Pflicht der Weidetierhalter hin, für den Schutz ihrer Tiere zu sorgen. Das FVA biete hierzu kostenfreie Beratungen an. Herold erklärt: „Die Erfahrung zeigt, dass bei ordentlichem Herdenschutz die Gefahr eines Risses um sehr nahe an 100 Prozent sinkt.“
Weitere Infos zum Thema: www.gzsdw.de, www.fva-bw.de
Fotofalle
Herkunft
Aussagen zur Herkunft und dem Verbleib von Wölfen können in der Regel nur auf Grundlage genetischer Proben, wie z.B. Kot oder Speichel getroffen werden. Da es sich bei der Meldung um ein Fotofallenbild handelt, ist keine Aussage zur Herkunft oder dem Verbleib des Tieres möglich. Wölfe können sowohl aus anderen Teilen Deutschlands als auch aus den Nachbarländern zuwandern. Für weiterführende Informationen empfehlen wir die Seite der DBBW.