Der Wolf GW2672m darf derzeit per Ausnahmegenehmigung abgeschossen werden. Tierschützer organisieren Spaziergänge und „Vollmondwachen“, um den Abschuss zu verhindern.
Wenn im Schein des Mondes Schritte über die Wege rund um die Hornisgrinde ziehen, dann geht es um ihn: den Wolf GW2672m. Viele nennen ihn liebevoll „Grindi“.
Der sogenannte Hornisgrinde-Wolf ist im Nationalpark Schwarzwald unterwegs – und damit ist auch der Kreis Freudenstadt unmittelbar betroffen.
Vollmondwache für „Grindi“ Seit das baden-württembergische Umweltministerium den Abschuss genehmigt hat und die Gerichte die Klagen abgelehnt haben, sind Unterstützer des Wolfes nahezu rund um die Uhr im Gebiet unterwegs. Spaziergänge am Abend, in der Nacht und in den frühen Morgenstunden sollen Präsenz zeigen. „Vollmondwache für Grindi“ heißt es beispielsweise in sozialen Medien.
„Helles Mondlicht bedeutet gute Sicht“
Tierschützerin Sonja Scheurer aus Horb schreibt: „Seit der Abschussgenehmigung sind wir Tag und Nacht draußen, um Grindi zu schützen. Viele Stunden, viele Schritte, viele wachsame Augen – getragen von Zusammenhalt und Hoffnung.“ Mit Blick auf die bevorstehenden hellen Nächte ergänzt sie: „Jetzt stehen die Vollmondnächte bevor. Helles Mondlicht bedeutet gute Sicht – nicht nur für uns. Gerade deshalb brauchen wir Euch in diesen Nächten besonders.“ Ihr Appell: „Wir rufen alle auf, die Zeit, Kraft und den Wunsch haben zu helfen: Kommt mit uns – abends, nachts und in den frühen Morgenstunden.“
Warum die Tierschützer sich gegen den Abschuss stellen Auch die bekannte Horber Tierschützerin Jaqueline Dießner ist dabei. Sie geht offen mit ihrem Engagement um. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert sie ihre Sicht auf die Lage: „Der Wolf lebt jetzt ein paar Jahre da, ja, er hat sich Menschen angenähert, aber es ist auch Paarungszeit.“ Den Abschussplan halte sie für „übertrieben“.
Immer wieder werde argumentiert, der Wolf verliere die Scheu vor dem Menschen. Doch, so Dießner: „In die Städte kommen bereits zahlreiche Wildtiere, die die Scheu mehr und mehr verlieren.“
Grundsätzlich sieht sie die Entwicklung im größeren Zusammenhang: „Wir dringen als Menschen immer weiter in ihre Welt ein, nicht umgekehrt.“ Ihrer Wahrnehmung nach sei ein Großteil der Bevölkerung – gerade auch in unmittelbarer Umgebung – gegen den Abschuss. „Viele aus der Bevölkerung unterstützen uns bei unseren Spaziergängen“, sagt sie.
So sehen die Aktionen der Tierschützer aus Zugleich betont Dießner, dass man sich an Regeln halte: „Wir bleiben auf unseren Wegen, unterhalten uns zwar, aber nicht laut, wir laufen da nicht lärmend.“ Man bewege sich auch auf Strecken, „wo Vereine schon Fackelwanderungen angeboten haben, das stört die Wildtiere nicht“. Ziel sei es lediglich, „dass der Wolf ein bisschen weg bleibt von den Wegen, im besten Fall ganz aus dem Gebiet rausgeht, wo gerade die Jäger aktiv sind“.
Tierschützer: „Wir sind auf offiziellen Wegen unterwegs“
Die Aktionen dienten auch der Beobachtung und Dokumentation: „Wir haben Kameras hängen, wir bewegen uns in einem sehr großen Gebiet. Alles auf offiziellen Wegen, wir beschädigen keine Kameras, wir machen keine Diskussionen oder stellen keine Jäger oder sonstige Mitarbeiter, die tätig sind. Wir sind einfach nur da.“ Nebenbei sammle man Müll ein, „den wir leider zuhauf finden“.
Für Samstag, 28. Februar, ist zudem von 15 bis 17 Uhr eine Mahnwache auf dem Parkplatz Hundseck an der Schwarzwaldhochstraße bei Bühl angekündigt, wie Dießner berichtet.
Haben die Tierschützer keine Angst, dass ihnen was bei ihren Spaziergängen passieren könnte? Dießner antwortet: „Wir geben uns eigentlich gut zu erkennen, laufen in Warnwesten und mit Lichtern. Bisher war keiner aggressiv, allerdings wissen wir, dass sie uns auch im Blick haben. Aber nein, Angst nicht wirklich.“
Ministerin kritisiert Aktivitäten Kritik an Aktivitäten zum Schutz des Wolfes kam zuletzt schon von Umweltministerin Thekla Walker. Es sei bereits schwierig für das offiziell entsandte Team von Jägern, wenn viele Menschen im Nationalpark unterwegs seien. „Es wurden Fackelläufe durchgeführt, es gibt die Mahnwachen, es gibt viel Bewegung im Park“, sagte Walker. „Das sei nicht hilfreich.“
Deutlich wurde sie auch mit Blick auf einzelne Hundebesitzer: „Was ich aber nicht sehr lustig finde ist, wenn ich von Hundebesitzern höre, die es ganz toll finden, wenn ihre Hunde Kontakt mit dem Wolf haben. Das finde ich verantwortungslos.“ Wer nicht wolle, dass ein Wolf abgeschossen werden müsse, weil er Menschen zu nahe komme, dürfe sich nicht beschweren, sondern müsse selbst bestimmte Verhaltensregeln befolgen.
Dießner stellt klar: „Wir lassen unsere Hunde daheim“ Dießner betont jedoch für ihre Gruppe: „Bei allem laufen wir natürlich ohne unsere Hunde. Und es wird darum gebeten auch auf der Mahnwache keine mitzubringen und möglichst auf Pelzklamotten zu verzichten.“
Der Abschuss ist bis zum 10. März – dem Ende der Ranzzeit – genehmigt. Das Ziel der Tierschützer: Bis dahin wollen sie den Wolf – ihren „Grindi“ – weit weg von den Jägern halten.