„Vermieter“ Stefan Eckerlin (links) führt die beiden Interessenten Sabrina Kreller und Marcel Krasnjanskij durch die Wohnung in Villingen. Foto: Leroy Behrens

Immobilien in VS sind begehrt – vor allem frisch sanierte Wohnungen in zentraler Lage. Doch wie läuft eine Wohnungsbesichtigung eigentlich ab? Wer hat die besten Chancen auf den Zuschlag?

Unsere Redaktion war bei einer Besichtigung des Wohnungsunternehmens Vonovia in der Hebelstraße in Villingen dabei.

 

In Villingen-Schwenningen sind Mietwohnungen heiß begehrt – das zeigt sich auch an einem Beispiel aus der Hebelstraße in Villingen. Hier hat das Wohnungsunternehmen Vonovia, eigenen Angaben zufolge Deutschlands größter privater Vermieter, zur Besichtigung geladen. Angeboten wird eine frisch renovierte Dreizimmerwohnung im zweiten Obergeschoss eines Hauses aus dem Jahr 1938. Insgesamt vermietet Vonovia in diesem Gebäude sechs Wohnungen – in ganz Villingen sind es rund 460, wie Kai Seemann, Regionalleiter der Vonovia im Ressort Freiburg, erklärt.

Die rund 68 Quadratmeter große Wohnung verfügt über ein saniertes Bad und einen Keller, ein Balkon fehlt jedoch. Die Warmmiete beträgt etwa 940 Euro. „Normalerweise haben wir zwischen 40 und 50 Interessenten auf ein Inserat“, erklärt Stefan Eckerlin, der seit 2017 für Vonovia tätig ist. Diesmal seien es 32 gewesen. „Das könnte an den Ostertagen liegen“, vermutet er. Eingeladen zur Besichtigung werden in der Regel 25 Personen – „aktiv kommen dann meist acht bis zehn Stück.“

Die Auswahl beginnt schon bei der Bewerbung Zur Besichtigung erschienen sind schließlich drei von fünf angekündigten Interessenten. Eine Bewerberin hatte kurzfristig abgesagt – was laut Eckerlin nicht ungewöhnlich ist: „Oft melden sie sich auch überhaupt nicht.“ Dennoch legt man bei Vonovia Wert auf Fairness im Verfahren. „Grundsätzlich kann sich jeder bewerben. Wir wollen jedem eine Chance geben, auch Leuten in der Ausbildung“, sagt Kai Seemann. In Villingen bewerben sich demnach besonders viele junge Leute auf Wohnungen.

Kai Seemann (links) und Stefan Eckerlin bei der Besichtigung in Villingen. Foto: Leroy Behrens

Dabei geht es nicht ausschließlich um Gehaltsnachweise oder makellose Lebensläufe. „Ein Punkt ist auf jeden Fall, wie höflich eine Anfrage geschrieben ist“, erklärt Seemann. „Die Grundregeln der Kommunikation, wie ein ‚Hallo‘ am Anfang, sollten schon in der Bewerbung stehen.“ Eine Sprachbarriere sei dagegen kein Ausschlusskriterium: „Eine Bewerbung mit gebrochenem Deutsch ist völlig in Ordnung.“ Auch die Frage nach dem Einkommen werde zu Beginn noch nicht gestellt. „Es geht erstmal darum, sich kennenzulernen.“

Persönliche Eindrücke zählen Als erste Interessenten treffen Sabrina Kreller und Marcel Krasnjanskij ein. Die beiden suchen ihre erste gemeinsame Wohnung. „Ursprünglich wollten wir eigentlich in eine WG ziehen, haben uns nun aber doch dafür entschieden, eine eigene Wohnung zu mieten“, erzählt Krasnjanskij. Eckerlin führt das Paar durch die Wohnung und zeigt, wie man sich das zukünftige Zuhause vorstellen könnte: „Ohne Einrichtung sieht es oft noch mal ein wenig kleiner aus, deswegen muss man sich das bildlich vorstellen.“

Das Interesse der beiden ist groß. „Die Wohnung ist super und preislich echt im Rahmen. Wir werden das auf jeden Fall besprechen“, sagt Krasnjanskij. Auch der Eindruck, den sie hinterlassen, scheint positiv zu sein. „Sie haben auf jeden Fall einen top Eindruck hinterlassen. Sie waren offen, aufgeschlossen und sehr sympathisch“, lobt Kai Seemann. „Dass man sich bei der Besichtigung auf Augenhöhe begegnet, ist uns viel wert“, ergänzt Pressesprecher Olaf Frei.

Kurz nach dem Paar erscheinen zwei weitere Bewerber: eine junge Frau sowie Aljbona Pajaziti, die gemeinsam mit ihrem Sohn Anoar gekommen ist. „Mein Mann muss heute arbeiten, deshalb sind nur wir hier“, erklärt sie. Ihre bisherige Wohnung in der Wöschhalde sei nur eine Notlösung gewesen, als sie schwanger war. Nun wolle man näher an die Innenstadt ziehen. „Die Wohnung ist super und alles ist frisch renoviert“, sagt sie.

Entscheidung nach Bauchgefühl Für wen würde sich Eckerlin als Vermieter nun entscheiden? „Es waren alle drei Bewerber sehr interessiert. Am Ende muss ich dann nach meinem Bauchgefühl entscheiden“, erklärt er. Gerade der Hausfrieden spiele eine große Rolle: „Der ist oft entscheidend. Deshalb schauen wir schon darauf, wer ins Haus passen könnte.“

Eine sofortige Entscheidung gibt es nicht. Alle Bewerber haben ein Reservierungsprotokoll mitgenommen, das bis Ende der Woche per Mail zurückgeschickt werden soll. Danach folgen die formalen Schritte über die unternehmenseigene App: Gehaltsnachweise, ein Mietschuldennachweis sowie gegebenenfalls ein Wohnberechtigungsschein vom Jobcenter. Wer diese Unterlagen einreicht, bleibt im Rennen.

Die Wohnungsbesichtigung in der Hebelstraße zeigt, wie komplex und persönlich Wohnungsvergabe abläuft. Zwischen Bewerbungen, Sympathie, Hausgemeinschaft und Papierkram entscheidet sich für viele Menschen, wo und wie sie künftig leben. Und für Vermieter wie Stefan Eckerlin bedeutet das: genau hinsehen, zuhören – und manchmal einfach auf das eigene Gefühl vertrauen.