Die Fachstelle Wohnungssicherung kann in vielen Fällen Haushalte vor Wohnungsverlust bewahren. Angesichts des angespannten Wohnungsmarkts stößt sie aber an Grenzen.
61 Haushalte hat die Fachstelle Wohnungssicherung Weil am Rhein im Jahr 2025 erreicht, die unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht waren. 79 Prozent der Fälle konnten bis zum Jahresende erfolgreich abgeschlossen werden, in 58 Prozent der Fälle die Wohnung erhalten bleiben.
Manuela Störk, Leiterin der Polizeiabteilung im Rechts- und Ordnungsamt, trug den Bericht von Stefan Heinz und Gael Haab von der Fachstelle Wohnungssicherung unter dem Dach der AGJ-Wohnungslosenhilfe Lörrach, im Sport-, Kultur- und Verwaltungsausschuss vor.
Mietschulden und bereits eingereichte sowie drohende Räumungsklagen sind der Hauptgrund für Betroffene, sich an die Fachstelle Wohnungssicherung zu wenden. Hinzu kommen oft weitere Probleme wie Überschuldung, psychische oder körperliche Krankheiten, Sucht und Behinderung.
Bei den Vermietern handelt es sich in den meisten Fällen um Privatleute. Diese warteten oft viel länger mit rechtlichen Schritten als Vermieter der öffentlichen Wohnungswirtschaft, haben Heinz und Haab festgestellt. Sie würden sich oft auch auf außergerichtliche Lösungen einlassen, um das Mietverhältnis zu erhalten.
Auffallend ist der hohe Anteil von Menschen, die trotz Erwerbs- oder Berufstätigkeit von drohenden Verlust der Wohnung betroffen sind. Ihr Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. 24,2 Prozent aller Betroffenen sind ausschließlich berufstätig, weitere 6,5 Prozent sind sogenannte Aufstocker. Sie beziehen ein Einkommen plus Bürgergeld.
Trotz Arbeit können Menschen ihre Miete nicht zahlen
Hinzu kommen 24,2 Prozent reine Bürgergeldbezieher, weitere öffentliche Unterstützungen wie etwa Kindergeld kommen bei 21 Prozent der Betroffenen hinzu.
Vier Haushalte verfügten über keinerlei geregeltes Einkommen. Hier sei es eine zentrale Aufgabe der Fachstelle, entsprechende Sozialleistungen zu beantragen, heißt es in dem Jahresbericht.
Neben Paaren und Alleinstehenden mit Kindern (56 Prozent) sind auch ältere Menschen besonders von Wohnungsverlust bedroht. So macht der Anteil der über 60-Jährigen 20 Prozent der Betroffenen aus.
Menschen mit Migrationshintergrund besonders betroffen
Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund liegt bei rund zwei Dritteln der Betroffenen. Mit 68,9 Prozent liegt deren Anteil an den von Wohnungsverlust Bedrohten weit über deren Anteil an der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg (30,9 Prozent).
Sprachprobleme und Schamgefühle als Hürde
Zur Begründung verweisen Stefan Heinz und Gael Haab darauf, dass es Migranten offensichtlich schwerfalle, öffentliche Leistungen zu beantragen. Sprachprobleme und Schamgefühle spielen dabei laut des Berichts eine Rolle. Für viele stellen komplizierte rechtliche Zusammenhänge und behördliche Abläufe einer Überforderung dar.
Da sie sich als Bürgergeld-Empfänger häufig diskriminiert fühlen, würden sie oft auf die Beantragung öffentlicher Gelder verzichten und in prekären Verhältnissen arbeiten.
Der weitaus größte Teil der Betroffenen findet mittlerweile den Weg zur Fachstelle über kooperierende Institutionen, stellen die Verantwortlichen fest, und bringen dies mit dem hohen Grad an Vernetzung in Zusammenhang, welche die Fachstelle in den Jahren seit ihrer Einrichtung im Jahr 2014 erreicht hat. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei hier ein Zuwachs zu beobachten, so der Bericht.
Oft erfolgen Zuweisungen vom Amtsgericht
Den zweitgrößten Anteil machen stabil die Zuweisungen vom Amtsgericht Lörrach aus. Das bedeutet, dass die Fachstelle bei eingereichten Räumungsklagen wegen Mietschulden eine Information vom Amtsgericht erhält.
„Die Vernetzung im Sozialwesen hat sich seit 2014 sehr gut etabliert und der Bekanntheitsgrad der Fachstelle wurde weiter gesteigert“, heißt es dazu in dem Bericht.
In Anbetracht der Knappheit bezahlbaren Wohnraums in Weil am Rhein verwundere die weiterhin konstante Nachfrage wenig, nannte Störk abschließend noch einmal eine der wesentlichen Schlussfolgerungen des Jahresberichts.
251 Haushalte vor Wohnungsverlust bewahrt
Insgesamt habe die Fachstelle seit 2014 bei 251 Haushalten in Weil am Rhein zur Verhinderung von Wohnungsverlusten beitragen können, halten die Verantwortlichen in ihrem Fazit fest.
Die Kooperation mit der ambulanten Fachberatung der AGJ in den Räumlichkeiten der „Wärmestube“ in der Colmarer Straße 3 im Weiler Stadtteil Friedlingen habe sich bewährt.