Die Wohnungen der Stadtbau in der Marxstraße werden saniert und bekommen Balkone. Foto: Otto

Die Bebauung auf der Spitalhöhe in Rottweil schreitet rasant voran. Doch während Einfamilienhaus um Einfamilienhaus ensteht, wird das Grundstück Basler Straße 6 vorerst weiter leer bleiben. Das große Wohnbauprojekt des Eigenbetriebs Stadtbau verzögert sich. Dennoch sind einige andere Projekte geplant.

Rottweil - Wohnraum ist in Rottweil weiter Mangelware – erst recht, wenn es um bezahlbaren Wohnraum mit einkommensschwache Menschen geht.

Der Eigenbetrieb Stadtbau will mit einem Großprojekt im Neubaugebiet Spitalhöhe, auf dem Grundstück südlich des neuen Kindergartens, 24 bis 30 neue Sozialwohnungen mit Mietpreisbindung schaffen. Ursprünglich war die Fertigstellung Mitte oder Ende 2022 anvisiert, doch bislang ist noch nichts passiert.

Laut Erik Fiss, der als neuer Chef des Eigenbetriebs Stadtbau im Ausschuss erstmals den Wirtschaftsplan vorstellte, laufe derzeit die Machbarkeitsstudie. Aufgrund des noch einmal geänderten Grundstückszuschnitts seien umfangreiche Voruntersuchungen mit einem externen Architekturbüro nötig gewesen. Die europaweite Ausschreibung der eigentlich Planungsleistungen habe deshalb und auch aus Kapazitätsgründen nicht mehr 2021 erfolgen können und soll nun im Frühjahr 2022 über die Bühne gehen.

Aktuell hohe Baupreise

Es dauert also, bis es mit dem eigentlichen Bau losgeht – was Ingeborg Gekle-Maier von den Grünen kritisierte. Immerhin habe man sich die zeitnahe Schaffung bezahlbaren Wohnraums zum Ziel gesetzt – und das Projekt der Stadtbau trage als eines von drei Projekten auf der Spitalhöhe zu einem Drittel dazu bei. Sie schlug als Alternative vor, dass die Stadtbau leerstehende Wohnungen an- und weitervermieten solle. Diese Lösung stieß jedoch auf wenig Begeisterung. Oberbürgermeister Ralf Broß erinnerte außerdem daran, dass bei der Verschiebung des Neubauprojekts auch die aktuell hohen Baupreise eine Rolle spielen. Fiss’ Vorgänger Peter Hauser hatte für das Mammutprojekt bereits mit spitzem Stift kalkuliert und vor der Preissteigerung gewarnt. Man habe die Gründe nicht zu verantworten, wies Broß Gekle-Maiers Kritik zurück.

Der Gesamtinvestitionsbedarf für den Bau beläuft sich laut Wirtschaftsplan vorläufig auf sechs Millionen. Die Finanzierung hatte hohe Wellen geschlagen, weil 2020 zunächst daran gedacht worden war, dafür Wohnungen aus dem Bestand im Birkenweg zu verkaufen, um die Eigenkapitalquote für das Landeswohnungsbauprogramm Baden-Württemberg zu erreichen.

Später wurde dann aber beschlossen, die Mietpreis- und Belegungsbindung freiwillig einzugehen, um das erforderliche Baugrundstück zu vergünstigten Konditionen zu erhalten. Zudem wird ein Förderdarlehen der KfW und ein Darlehen vom freien Kreditmarkt genutzt. Für Peter Schellenberg (Freie Wähler) ist der Blick auf die Baupreise unbedingt notwendig. Man müsse bei diesem Projekt genau draufschauen, was die Wirtschaftlichkeit angehe.

94 Familien auf der Warteliste

Der Mietwohnungsmarkt in Rottweil hat sich laut Fiss kaum verändert. Die Zahl der vorgemerkten Mietinteressenten liegt bei 94 Familien. Die Anstrengungen zur Unterhaltung, Instandhaltung und Modernisierung des Wohnungsbestandes müssen auch in der Zukunft aufrechterhalten werden. Nur so ließen sich Leerstände dauerhaft vermeiden. Die Ansprüche an die Qualität des Wohnraums steigen laufend weiter, erklärte Fiss. Unter anderem wurden in der Burkardstraße 7 zehn Wohnungen mit neuen Balkonen ausgestattet.

Stand heute seien 172 der 278 Wohneinheiten (62 Prozent) vollständig energetisch modernisiert oder als Neubauten auf dem entsprechenden Energiestandard. Bei weiteren 30 geplanten Modernisierungen seien auch

Photovoltaik- und Solaranlagen fest eingeplant. Angesichts der Fördermöglichkeiten und Einspeisevergütung stelle sich die Wirtschaftlichkeit jedoch derzeit schwierig dar.

Ein Fokus bei den Sanierungen liegt hier im kommenden Jahr auf dem aus drei Sechsfamilienhäusern bestehende Baukörper in der Marxstraße 25 – 29. Die Wohnungen sollen nicht nur enegetisch auf den neusten Stand gebracht werden, sondern auch Balkone bekommen. Die Wohnungen in der Hochwaldstraße 1 bis 3 sollen 2023 folgen.

Mieterstrom nicht ganz einfach

Frank Sucker von den Grünen begrüßte dies und wünscht sich, dass auch Mieter mehr direkt von den Solaranlagen auf den Dächer profitieren sollten. Mieterstrom sei allerdings ein „Riesenaufriss“, so Erik Fiss zu den komplexen Thema. Und auch Bürgermeister Christian Ruf erklärte: „Wir sind kein Energieversorger.“

Verzögerungen kündigte Fiss dagegen auch im Birkenweg an. Weil man nicht so viele Baustellen auf einmal bearbeiten könne, werde der Ersatzneubau auf 2025 verschoben.

Lob gab es von Monika Hugger von der CDU für die nun vorgelegte Übersichtsliste über alle anstehenden und abgearbeiteten Sanierungen. Ganz so optimistisch wie Fiss, was das bereits Abgearbeitete angeht, zeigte sie sich jedoch nicht.

Insgesamt stimmte der Ausschuss dem Wirtschaftsplan einstimmig zu. Die Beratung im Gemeinderat folgt.