Andreas Schneucker (links) und Andreas Heiler leiten die Baugenossenschaft Lörrach. Foto: Thomas Loisl Mink

Mit einem Überschuss von mehr als einer Million Euro im Jahr 2025 hat die Baugenossenschaft Lörrach sehr gut gewirtschaftet – und sie hat große Pläne.

2,4 Millionen Euro hat die Baugenossenschaft Lörrach 2025 in ihre Gebäude und den Wohnungsbestand investiert. Seit Oktober wird das Gebäude Raiffeisenstraße 32 – 36 umfassend modernisiert, diesen Sommer sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Die Außenwände werden gedämmt, Fenster erneuert, Balkone werden vergrößert und neue gebaut wo noch keine waren. Die Baugenossenschaft Lörrach investiert an dieser Stelle 2,6 Millionen Euro, wovon 823.000 Euro im Jahr 2025 anfielen. Auf das Dach kommt eine Photovoltaik-Anlage, nicht nur weil das vorgeschrieben ist, sondern auch weil man selbst es will, stellt der geschäftsführende Vorstand Andreas Heiler fest.

 

Genossenschaft verbessert ihre CO2-Bilanz

Auch auf den Dächern der Hartmattenstraße 79 bis 111 wurden mit der Lörracher Firma Dachenergie Photovoltaik-Module mit insgesamt 500 kWp Leistung installiert. Mieter haben die Möglichkeit, Strom vom eigenen Dachdirekt zu nutzen. Die Genossenschaft trägt damit zur Verbesserung ihrer CO2-Bilanz bei und leistet einen positiven Beitrag gegen den Klimawandel. 55 Wohnungen wurden bei Mieterwechseln saniert, davon 14 umfangreich modernisiert.

Modernisierung und Neubau

Die Baugenossenschaft Lörrach ist 119 Jahre alt und die älteste im Landkreis Lörrach. Daher hat sie mehrere denkmalgeschützte Gebäude aus ihrer Anfangszeit im Bestand. „Damit möchten wir respektvoll umgehen, denn das ist die Keimzelle unserer Genossenschaft“, sagt Andreas Heiler.

Gleichwohl wird nicht jedes Gebäude erhalten werden können. So wird unmittelbar neben dem Gebäude, das zurzeit modernisiert wird, nämlich in der Raiffeisenstraße 38 – 42 in den nächsten Jahren ein Neubau entstehen, der das jetzige Gebäude ersetzt. Die Mieter wurden informiert, ihnen werden innerhalb der Genossenschaft andere Wohnungen angeboten. So sind bereits 15 der insgesamt 30 Wohnungen geräumt. Wann der Rückbau und Neubau beginnt, ist jedoch noch offen, konkrete Planungen gibt es bisher noch nicht, sagt Andreas Heiler.

Bestand der Baugenossen

Es gab im vergangenen Jahr 55 Mieterwechsel, was einer Fluktuation von 5,72 Prozent entspricht. Die Baugenossenschaft Lörrach hat 950 Wohnungen, 24 Studenten-Appartements, 443 Garagen, elf Gewerbeeinheiten und 400 Pkw-Stellplätze. Die durchschnittliche Kaltmiete beträgt 8,33 Euro pro Quadratmeter und ist durch Neuvermietungen leicht angestiegen.

Andreas Schneucker: „Das ist ein Top-Ergebnis“

Die Bilanzsumme beträgt 50,9 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote 50,03 Prozent. Durch kontinuierliche Tilgungen und Sondertilgungen sind die Zinsen für Darlehen um fast 110.000 Euro gesunken. Der Jahresüberschuss beträgt 1,05 Millionen Euro. „Das ist ein Top-Ergebnis“, lobt der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Schneucker die Bilanz.

Heiler ist am 1. Mai 2025 als hauptamtlicher Vorstand eingetreten und hat zunächst die Geschäfte gemeinsam mit Andreas Seiter geführt, der zum Jahresende in den Ruhestand gegangen ist. Frank Roser ist als nebenamtlicher Vorstand ausgeschieden. Daher führen jetzt Heiler als hauptamtlicher und Markus Lacher als nebenamtlicher Vorstand die Geschäfte der Baugenossenschaft Lörrach. Man hat sich entschieden, mit zwei Vorständen weiterzumachen zu und schauen, wie das funktioniert, sagt Schneucker. Heiler, der zuvor bei der Städtischen Wohnbau Weil am Rhein war, hat dort gute Erfahrungen mit zwei Vorständen gemacht.

Vermietungsprozess vollständig digitalisiert

Im Sommer 2025 wurde der Vermietungsprozess vollständig digitalisiert. Interessenten können sich nun über die Webseite für eine Wohnung anmelden und dort ihr Gesuch, sollte sich ihre Lebenssituation ändern, anpassen. Nach sechs Monaten werden die Interessenten angeschrieben und aufgefordert, mitzuteilen, ob der Bedarf noch besteht. So wird vermieden, dass Interessenten in der Liste stehen, die längst keine mehr sind, erklärt Heiler. Aktuell sind 760 Interessenten auf der Suche nach einer Wohnung. Auch ist es inzwischen nicht mehr nötig, bereits Mitglied zu werden wenn man eine Wohnung sucht. Erst wenn man Mieter bei der Baugenossenschaft Lörrach wird, muss man dort auch Mitglied werden.

Derzeit hat die Genossenschaft 2606 Mitglieder. Für sie gibt es jetzt auch wieder an jedem Werktag von 10 bis 12 Uhr offene Sprechstunden. Am 18. Mai sind die Mitglieder zu Versammlung und Essen eingeladen. „Wir möchten den Mitgliedern, die ihre Miete bezahlen, etwas zurückgeben“, sagt Andreas Schneucker. Dazu wurden alle Mitglieder angeschrieben. Waren es früher etwa 120 Teilnehmer, nach Corona nur noch 60, liegen jetzt 262 Anmeldungen vor. Deshalb musste man in die Gemeindehalle Binzen ausweichen und richtet dazu sogar einen Busverkehr ein.