Wohnungsbauplan in Stuttgart: „Der Traum der meisten Familienmenschen heißt eigenes Häuschen und die Kinder möglichst in Freilandhaltung aufzuziehen, nicht in Wohnkäfigen.“ Foto: dpa

CDU, Freie Wähler und FDP in der Regionalversammlung fragen sich, ob die eigene Politik für künftige Wohnbauflächen noch zeitgemäß ist. Alle drei Fraktionen haben entsprechende Prüfaufträge eingebracht.

Stuttgart - CDU, Freie Wähler und FDP in der Regionalversammlung fragen sich, ob die eigene Politik für künftige Wohnbauflächen noch zeitgemäß ist. Alle drei Fraktionen haben in den aktuellen Haushaltsberatungen entsprechende Prüfaufträge eingebracht – in unterschiedlicher Tonlage.

Vor knapp zehn Jahren gab es heiße Diskussionen darüber, wann der sogenannte demografische Wandel in der Region Stuttgart eintritt, wann die Sterbefälle die Geburtenrate übertreffen und die Zuwanderung dies nicht mehr ausgleicht. Sprich: Ab wann die Bevölkerung in der Region Stuttgart schrumpft. In den Prognosen für den aktuellen Regionalplan hieß es, dass dies ab 2009 der Fall sein müsste. Im gleichen Jahr wurde das Planwerk verabschiedet, das unter ­anderem regelt, in welchen Städten und ­Gemeinden noch Wohnbau im großen Stil stattfinden darf. Kommunen, die nicht an ­S-Bahn-Linien liegen, dürfen seitdem nur noch so viele Bauplätze anbieten, wie der eigene Nachwuchs braucht. Aus vielen Rathäusern landauf, landab hieß es, der Regionalverband schnüre vor allem kleineren Kommunen die Luft ab.

Tatsächlich war das Einzige, das die Bevölkerungszahl mittlerweile geschrumpft hat, der Zensus von 2011. Die Volkszählung auf Basis von Stichproben ergab, dass auch in der Region Stuttgart weniger Menschen leben als gedacht. Waren es im Vorjahr angeblich noch 2 679 000 Menschen, die in und um Stuttgart wohnten, so waren es nun plötzlich 52 000 Bürger weniger. Davor und danach jedoch bot sich trotz der Prognosen von einst das gewohnte Bild: Die Bevölkerungszahl explodierte zwar nicht, aber sie stieg doch leicht und stetig an. Von 2 627 000 Menschen Ende 2011 auf 2 647 000 Ende 2012 und 2 668 000 Einwohner am Ende des vergangenen Jahres. Der Grund ist die anhaltende Zuwanderung.

Obwohl der Verband in seinem Regionalplan Puffer für einige Zehntausend Wohnungen einbaute, soll dieser Teil des Regionalplans nächstes Jahr auf den Prüfstand. Die CDU als größte Fraktion und Unterstützerin der Politik einer zurückhaltenden Ausweisung von Wohnbauflächen schreibt in ihrem Haushaltsantrag von einer „erfreulich positiven Bevölkerungsentwicklung“ und wünscht eine Analyse darüber, was das für den Wohnungsmarkt bedeutet. Die Kritiker von einst, die den Kurs für zu rigide hielten, sind offensiver. So vermutete der Fraktionschef der Freien Wähler und OB von Waiblingen, Andreas Hesky, kürzlich in seiner Haushaltsrede, dass „die Leitplanken eine Sackgasse begleiten, die in eine Fehlentwicklung führt". In einem solchen Fall müsse gegengesteuert werden.

FDP-Sprecher Armin Serwani ging noch weiter mit seinem Vergleich aus der Landwirtschaft: „Der Traum der meisten Familienmenschen heißt eigenes Häuschen und die Kinder möglichst in Freilandhaltung aufzuziehen, nicht in Wohnkäfigen.“ Die Region fordere einfach zu viele Bewohner pro Hektar Neubaugebiet.