In das gemeindeeigene Gebäude Hausackerstraße 6 sollen nach kurzem Umbau Geflüchtete einziehen, wenn die Gemeinde nicht noch kurzfristig zu anderweitigem Wohnraum kommt. Ansonsten müssen vier Vereine ihr Inventar an anderer Stelle lagern. Foto: Herzog

Das gefällt nicht allen Räten: Die Vereine in der Hausackerstraße 6 in Rötenberg müssen (wohl) ausziehen und Platz machen für Flüchtlinge. Bei der Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen bekommt die Gemeinde Druck vom Landratsamt.

Wie Bürgermeister Michael Lehrer im Gemeinderat berichtete, habe die Kommune mehrmals aufgerufen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis sei allerdings bescheiden gewesen. Nur eine Wohnung zur Aufnahme von vier Personen sei der Gemeinde angeboten worden. „Wir sind gemäß dem Verteilerschlüssel mit 17 Personen im Soll, haben aber nicht ausreichend Wohnraum dafür“, schilderte der Bürgermeister.

Vorgesehen sei, das gemeindeeigene Gebäude Hausackerstraße 6 Rötenberg, das für vier Vereine als Lagerraum diene und der Musikverein als Proberaum nutze, entsprechend umzubauen. Die Räumlichkeiten böten danach Platz für die Aufnahme von 24 Personen.

Gesangverein tut sich schwer

Mit den betroffenen Vereinen seien Gespräche geführt worden. Der Umzug sei für sie mit großem Aufwand verbunden. Der Gesangverein tue sich schwer, er erhalte Ersatz im Physikraum der Grundschule. „Ich sehe keine andere Lösung. Alternativen wären die Schule oder ein Containerdorf. Aber da müssten wir deutlich mehr investieren. Mit dem Landratsamt besteht Einigkeit, dass wir keine Sammelunterkunft planen, weil es hierfür höhere Anforderungen gibt“, gab Lehrer zu bedenken.

Nach Auskunft von Hauptamtsleiterin Fabienne Legler muss die Gemeinde 17 ukrainische Flüchtlinge sowie neun Asyl- und Schutzsuchende aufnehmen. Das Gebäude habe den Vorteil, über abgetrennte Räume zu verfügen. Es müsse nur eine Dusche im Keller eingebaut werden, die später die Feuerwehr nutzen könne. Für circa 15 000 Euro könne das Gebäude bezugsfertig hergerichtet werden, sagte sie.

Von Container-Dorf abgeraten

Stefan Wiedmann sah in dem Vorhaben eine aufkommende Problematik. Die Leute seien ihm willkommen, er erinnere aber an die erbrachten Eigenleistungen der Vereine, um Inventar lagern zu können. „Wenn sie jetzt rausfliegen, wird das auf unbestimmte Zeit sein. Für den Gesangsverein könnte das das Ende bedeuten. Die Flüchtlingssituation werden wir noch in 20 Jahren haben. Wenn ich mir vorstelle, dass da 24 Personen rein sollen, kann das zu Konflikten führen“, befürchtete Wiedmann und forderte: „Die Verwaltung muss Personen, die leerstehende Wohnungen haben, konkret darauf ansprechen. Vielleicht schaffen wir es, auf diesem Weg, Flüchtlinge in Würde aufzunehmen und Vereinen ihr Zuhause zu belassen. Auch die Pfarrer könnten in den Gottesdiensten über die Nächstenliebe predigen“, fiel Wiedmann dazu ein.

Auch Uwe Scheerer fiel es schwer, wenn die Vereine ihr Domizil räumen müssten. Marcus Storz riet von einem Container-Dorf ab und empfahl, Immobilien zu erwerben. Jedes Ratsmitglied sollte sich im Bekanntenkreis nach Wohnraum umsehen, bevor die Umsiedlung der Vereine erfolge.

Derzeit 50 Ukrainer und 22 andere Flüchtlinge

Manfred Moosmann sagte, die Situation sei für beide Seiten äußerst schwierig. Mit 15 000 Euro Investition komme die Gemeinde mit einem blauen Auge davon. Kritisch werde es, wenn darüber hinaus weitere Personen untergebracht werden müssen. Er wollte von der Verwaltung wissen, welchen zeitlichen Druck die Kommune habe. „Wenn ich dem Landratsamt mitteile, bis in drei Monaten haben wir Wohnraum, wäre das okay“, lautete die Antwort des Bürgermeisters, der wenig Hoffnung sah, alsbald noch anderweitig an Wohnraum zu kommen.

Auf Anfrage von Jochen Schmidt berichtete Legler über 50 Ukrainer und 22 andere Flüchtlinge, die derzeit in in Aichhalden und Rötenberg untergebracht sind.