Jochen Hug (links) und Martin Strittmatter vom Evangelischen Altenwerk Lörrach stellten die Pläne für die Senioren-Wohngemeinschaften in der „Neuen Mitte Nordstadt“ vor. Foto: Alexandra Günzschel

Das Evangelische Altenwerk Lörrach bietet ab November eine weitere Betreuungsform als Alternative zum Pflegeheim an.

Die WGs bieten Platz für jeweils zwölf Personen, die dort in familiärer Atmosphäre betreut wohnen können. In dieser für das Evangelische Altenwerk noch neuen Wohnform sollen neben einer professionellen Versorgung auch Aspekte der Gemeinschaft und Selbstbestimmung eine größere Rolle spielen.

 

Hierfür stehen den Bewohnern großzügige Gemeinschaftsbereiche inklusive einer Wohnküche zur Verfügung. Ein nach außen hin abgeschlossener Garten mit Terrasse kann von den Mietern beider Wohngemeinschaften genutzt werden. Aber auch ein Rückzug ins Private ist jederzeit möglich. Bezogen werden in den Senioren-WGs eigene Zimmer mit Duschbad, die individuell eingerichtet werden können.

Insgesamt 24 Pflegeplätze werden geschaffen

„Im Landkreis Lörrach fehlen etwa 300 Pflegeplätze“, erklären die Geschäftsführer des Evangelischen Altenwerks, Martin Strittmatter und Jochen Hug, im Gespräch. Diese 24 nicht vollstationär angelegten Pflegeplätze könnten dabei helfen, die Situation ein wenig zu entschärfen.

Guten Mutes sind sie auch im Hinblick auf das benötigte Personal. „Wir haben mit der Akquise angefangen und es haben sich sofort 17 Interessentinnen gemeldet“, erklären die beiden auf Nachfrage. Strittmatter glaubt, dass gerade diese Arbeitsplätze für viele attraktiv sein könnten. Zum einen, weil die Arbeitskräfte sich hier am Aufbau von etwas Neuem beteiligen können, zum anderen, weil die Wohngemeinschaften eine umfassende, weniger spezialisierte Betreuung versprechen. Eine erfahrene Leiterin wurde bereits gefunden. Von Anfang an sei sie in die Planung involviert gewesen. Geboten wird den späteren Mietern ein Zuhause in einem barrierefreien Neubau. Jede WG verfügt über insgesamt 500 Quadratmeter mit Rückzugsmöglichkeiten in Form von Sitzgruppen auch im gemeinschaftlichen Bereich. Die Bewohner sind ausdrücklich dazu eingeladen, sich am gemeinschaftlichen Leben aktiv zu beteiligen.

Was den Mietern geboten werden soll

Beim Speiseplan könnten sie genauso mitreden wie bei der Festlegung des Waschtags, verdeutlicht Strittmatter das Konzept. Auch eine Beteiligung an den Hausarbeiten sei auf Wunsch möglich. Die Kosten sollen sich dabei etwas unterhalb einer vollstationären Pflege bewegen.

Hug sieht in dem WG-Konzept nicht zuletzt auch ein geeignetes Mittel gegen Einsamkeit, die gerade bei älteren Menschen weit verbreitet sei. Sicher nicht für alle, aber doch für einige Betreuungsbedürftige, könne eine Wohngemeinschaft eine gute Alternative zu einem Pflegeheim sein. Unter diesem Aspekt, so erklären die Geschäftsführer, würden die späteren Bewohner auch ausgesucht. Denn mit allen Bewerbern sollen vorab Gespräche geführt werden. Wer das Konzept einer Gemeinschaft ablehnt, passt wohl eher nicht in eine WG.

Ausziehen muss übrigens niemand, bei dem sich der Gesundheitszustand über die Jahre verschlechtert. Die Bewohner sollen bleiben dürfen, auch bis zum Tod. Angehörige, die sich in der Gemeinschaft auf die eine oder andere Weise ehrenamtlich engagieren wollen, sind willkommen. Doch auch wer dieses Glück nicht hat, wird in den WGs bestens versorgt, versichern Strittmatter und Hug.

„Neue Mitte Nordstadt“ als idealer Standort

Den Standort „Neue Mitte Nordstadt“ halten sie für ideal. Denn in dem Gesamtkomplex sind ebenfalls Gemeinschaftsräume geplant, dazu ein Café und in unmittelbarer Nähe eine Arztpraxis und ein Supermarkt. Die beiden Geschäftsführer vom Altenwerk heben in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit der Wohnbau Lörrach hervor, auf die die Idee mit den Senioren-WGs zurückgeht. Nach einem Betreiber mussten sie nicht lange suchen. Gerne ließ sich das Evangelische Altenwerk auf dieses Vorhaben ein. Strittmatter sieht darin einen sinnvollen Schritt hin zu einer Differenzierung der Möglichkeiten in der Altenbetreuung.

Für Interessierte wird im Margaretenheim, Basler Straße 139, eine Informationsveranstaltung angeboten: am Mittwoch, 22. Juli, 17 Uhr. Ab November sollen die Senioren-Wohngemeinschaften dann nach und nach mit Leben gefüllt werden.