So sieht es in der unmittelbaren Umgebung aus: Wohnmobilstellplätze an der Schiltacher Lehwiese. Foto: Wegner

Einst ging es mit VW-Bus und Zelt zum Campen, heute sind hochmoderne Wohnmobile mit Dusche und WC im Einsatz – was gehörige Auswirkungen auf Wohnmobilstellplätze hat. Die Gemeinderäte liefen Sturm gegen die Sichtweise der Verwaltung.

Schramberg-Sulgen - Vertreter der Freien Liste und der CDU konnten sich nicht mit der Sichtweise der Verwaltung anfreunden: Diese sah die Schaffung von drei Stellplätzen bei der Tennishalle Sulgen vor. Ursprünglich waren acht Plätze vorgesehen gewesen, informierte Fachbereichsleiterin Petra Schmidtmann-Deniz im Ausschuss für Umwelt und Technik. Allerdings hätte man dann die Campingplatz-Verordnung aus dem 1980er-Jahren einhalten müssen und Waschplätze, Dusche und Sanitäreinrichtungen bauen müssen. Zudem sei die Zufahrt über den Danziger Weg lediglich fünf Meter breit, gefordert seien aber 5,50 Meter. Langfristig – in acht bis zehn Jahren – sollten attraktivere Stellplätze im Bereich Wittumpark/Schießacker hinzu kommen.

Beispiel am Hornberger Viadukt

Ralf Rückert (Freie Liste) stellte sich hier als Camper mit jahrzehntelanger Erfahrung auf die Hinterbeine und verwies auf die jüngste Berichterstattung unserer Zeitung. "Die meisten Stellplätze in ganz Deutschland entsprechen nicht mehr der Verordnung", sagte er bei der Vorstellung einer eigens erstellten Präsentation. 70 bis 80 Prozent seien das, ergänzte Volker Liebermann (ÖDP). Rückert verwies auf das Beispiel am Hornberger Viadukt, wo es lediglich eine Energiesäule für den Stromanschluss des Wohnmobils sowie eine Entsorgungsmöglichkeit gebe. Das reiche vollkommen aus, da die Wohnmobile heute über Dusche und WC verfügten. Auch die Straßenbreite reiche aus, da breite Fahrzeuge den Danziger Weg nutzten, um an eine dortige Firma zu gelangen. "Wir brauchen 5,50 Meter für Feuerwehr und Rettungsdienste", entgegnete Bauamtsleiterin Linda Niebel.

Wie Privatpersonen beim Hausbau

Die Verwaltung hingegen trommelte auf die Einhaltung der Verordnung: "Diese ist nicht optional", betonte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. Sie müsste daher widersprechen, falls der Gemeinderat einen solchen Beschluss fasste, da dieser gesetzeswidrig sei. "Wir müssen uns als Stadt daran halten wie auch Privatpersonen beim Hausbau sich an Verordnungen halten müssen", so die OBin.

Klagen wegen Lärmbelästigung?

"Wir müssen attraktiver werden", hielt Rückert entgegen. Jürgen Kaupp (CDU) meinte: "Ich will sehen, wer dagegen klagt." "Wir haben einen Eid geleistet, dass wir uns an geltendes Recht halten", meinte hingegen Fachbereichsleiter Matthias Rehfuß. Es sei wichtig, dass das Ganze rechtssicher sei, mahnte Stadtplaner Bent Liebrich. Sonst könnten Anwohner wegen Lärmbelästigung klagen und die Anlage müsse im schlimmsten Falle rückgebaut werden.

Man müsse sich an die Landespolitik wenden, damit diese überholte Verordnung geändert werde, meinte Eisenlohr. Aber: "Solange die Verordnung da ist, müssen wir sie einhalten."

Acht Kurzreiseplätze beantragt

Ralf Rückert durchschlug letztlich den Knoten mit einem Antrag, der vom Gremium befürwortet wurde. Dieser sieht vor, auf einer öffentlich gewidmeten Verkehrsfläche im Bereich Wittum/Tennisplätze acht Kurzreiseplätze zu schaffen. Die Nutzung ist auf eine bis zwei Nächte begrenzt. Es soll dort eine Station für Strom sowie Ver- und Entsorgung geben. Der Bau von Dusche und WC wäre hier nicht vorgesehen. Die Stadtverwaltung prüft nun, ob das an dem Standort möglich ist. "Es könnte schnell möglich sein", gab Matthias Rehfuß eine erste Einschätzung ab.