Wie zufrieden sind Mieter und Eigentümer in Baden-Württemberg? Eine Studie der Uni Hohenheim liefert Ergebnisse – unter anderem spielen Scheidungsgedanken eine Rolle.
Wie entwickelt sich der Wohnungsmarkt aktuell? Was wünschen sich zukünftige Eigentümer und Eigentümerinnen? Und welche politischen Weichen müssen gestellt werden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Wohneigentumskongresses „Faktencheck Wohneigentum“. Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Hohenheim, hat eine Studie zu diesen Fragen erstellt.
Herr Brettschneider, Sie haben eigens für den Kongress eine Studie darüber erstellt, welche Erwartungen Menschen an Wohnraum, Infrastruktur und Lebensqualität haben und welche Rahmenbedingungen für die Eigentumsbildung im Wohnsektor entscheidend sind. Was sind die zentralen Studienergebnisse?
Ich unterteile es mal in drei größere Blöcke. Zum einen haben wir nach der Zufriedenheit mit der Wohnsituation gefragt und geschaut, womit Menschen zufrieden oder unzufrieden sind. Der zweite Block zielte auf den Zusammenhang von Wohneigentum und Glück ab. Letztendlich sind Wohneigentümer glücklicher als Mieter. Und das dritte sind die Forderungen an die Politik.
Dann beginnen wir doch bei der Zufriedenheit . . .
Derzeit sind 61 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg mit ihrer aktuellen Wohnsituation zufrieden. Das ist genau das gleiche Niveau wie 2014. 18 Prozent sind aktuell sehr unzufrieden. Männern sind geringfügig zufriedener als Frauen, aber das ist kein großer Unterschied. Einen deutlichen Unterschied gibt es aber zwischen Mietern und Wohneigentümern. Eigentümer sind mit der aktuellen Wohnsituation deutlich zufriedener als Mieter. Und das ist dann unabhängig vom Geschlecht, unabhängig auch vom Wohnort. Wir haben gefragt, wo sie wohnen: In der Innenstadt, am Stadtrand, in einem Vorort oder im ländlichen Raum, und in allen vier Kategorien sind die Eigentümer zufriedener als die Mieter.
Was für Aspekte haben Sie abgefragt?
Die Größe der Wohnung, den Preis, die Ausstattung, das Verhältnis zu den Nachbarn, die Parkplatzsituation und den energetischen Zustand. Auffällig war, dass die größte Unzufriedenheit der Mieter die energetischen Zustände betrifft. Das ist neu im Vergleich zu den Befragungen aus den Jahren zuvor. Da spiegelt sich die enorme Preissteigerung bei Heizungskosten wider – und dass man als Mieter darauf kaum Einfluss hat. Es ist die Sache des Vermieters, wie der energetische Zustand der Wohnung oder des Gebäudes ist.
Was ist auf Platz zwei bei der Unzufriedenheit?
Da kam bei den Mietern die Parkplatzsituation. Und dann der Preis und die Ausstattung. Das Verhältnis zu den Nachbarn ist hingegen okay.
Und was macht diese Unzufriedenheit mit den Mietern?
Die schlägt sich auch in dem Wunsch nieder, selbst Wohneigentum zu erwerben. Von den Mietern in Baden-Württemberg haben 63 Prozent schon mal mit dem Gedanken gespielt, Wohneigentum zu kaufen. In der Regel halten die finanziellen Belastungen und die hohen Steuern die Menschen davon ab, diesen Wunsch zu realisieren. Die finanziellen Belastungen werden deutlich häufiger genannt – nämlich von 79 Prozent der Mieter – als noch im Jahr 2022. Finanzen sind tatsächlich ein Problem.
Was spricht denn für den Kauf?
Für den Kauf von Wohneigentum spricht für die Mieter einiges. Aus ihrer Sicht die Altersvorsorge der wichtigste Aspekt. Auch: lieber in die eigene Tasche zahlen als Miete zahlen. Das sagen jeweils 55 Prozent der Befragten. Zudem kann man Wohneigentum nach den eigenen Wünschen gestalten, das ist ebenfalls für 55 Prozent ein Grund für Wohneigentum. Zudem sehen 36 Prozent die Immobilie als Kapitalanlage, 29 Prozent gibt die Immobilie ein Gefühl von Geborgenheit, 19 Prozent sehen darin eine Absicherung für die eigenen Kinder.
Und was sagen die Menschen, die bereits Wohneigentum besitzen?
Da fand ich einen Aspekt ganz spannend: Wenn man diese fragt, dann kommt bei den negativen Aspekten des Kaufs von Wohneigentum schon an vierter Stelle das Risiko im Fall einer Trennung vom Partner. Und was viele auch noch erwähnen, sind die Kosten für anfallende Reparaturen.
Was hat Sie denn von diesen Ergebnissen besonders überrascht? Was hat sich völlig verändert zu den Studien davor?
Ehrlich gesagt, am meisten überrascht hat mich die Stabilität seit 2014. Dass die Einstellungen insgesamt – trotz all der Veränderungen, die wir in der Zwischenzeit hatten –, so stabil sind, das finde ich bemerkenswert. Und zweitens diese viel stärkere Bedeutung des finanziellen Aspekts. Der fällt deutlich auf. Wirklich überraschend ist er allerdings nicht, weil es naheliegend ist bei den Preissteigungen, die es im Baubereich gibt, oder bei den steigenden Wohnnebenkosten. Überrascht haben mich die Bewertungen der politischen Vorschläge. Da hätte ich größere Unterschiede zwischen Mietern und Wohneigentümern erwartet.
Wie meinen Sie das konkret?
Ich dachte, dass Mieter und Immobilieneigentümer völlig andere Ideen haben würden, wie man das Wohnen aus deren Sicht besser machen könnte. Aber das ist gar nicht so. In den meisten Punkten stimmen Mieter und Wohneigentümer sehr, sehr stark überein. Es gibt nur ganz wenige Punkte, wo es große Unterschiede gibt. Und die sind wiederum plausibel. Eine Deckelung bei Mieterhöhungen, also eine Mietpreisbremse, die wollen die Mieter sehr viel eher als die Wohneigentümer. Ebenso verhält es sich mit der Idee, den Kündigungsschutz für Mieter weiter auszubauen.
Und andersrum?
Wohneigentümer wollen natürlich eher als Mieter Erleichterungen für Vermieter, wenn sie energetisch sanieren – und dann die Kosten auf Mietern umlegen wollen. Das ist es dann aber auch schon.
Worin sind sich Mieter und Wohneigentümer einig?
Beide Gruppen sind für die Vereinfachungen von Bauvorschriften. Und für bessere digitale Prozesse, zum Beispiel bei Grundbucheinträgen und bei der Immobilienverwaltung. Beide sind auch für Zuschüsse und Steuererleichterungen bei der energetischen Sanierung, da unterscheiden sich Mieter und Wohneigentümer gar nicht voneinander. Sie stimmen diesen Vorschlägen mit über 80 Prozent zu. Und diese sehr große Übereinstimmung zwischen Mietern und Wohneigentümern, die fand ich ganz spannend.
Welche Schlüsse müsste man Ihrer Meinung nach aus diesen Ergebnissen ziehen? Was sehen Sie da als die Dreh- und Angelpunkte für die Zukunft?
Wenn man feststellt, dass die Wohneigentümer im Durchschnitt zufriedener sind als die Mieterinnen und Mieter, und wenn das auch gesellschaftliche Auswirkungen hat, dann ist das Ermöglichen von Wohneigentum auch eine staatliche Aufgabe. Etwa, indem der Gesetzgeber Hürden abbaut.
Was sollte dieser machen?
Helfen würden Zuschüsse etwa bei der energetischen Sanierung oder steuerliche Erleichterungen, wenn eine Familie zum ersten Mal Grund und Boden erwirbt, um ein eigenes Haus zu bauen. Das ist die eine Seite. Und das andere, was die Gesellschaft umtreibt, sind die vielen Bauvorschriften und die mangelnde Digitalisierung. Die Bauverwaltungen müssten etwa komplett digital sein. Das ist gar keine Frage. Das sind die beiden Dreh- und Angelpunkte, weil sie Auswirkungen haben – einerseits auf die Kosten und andererseits auf die Dauer der Realisierung einer Baumaßnahme.
Info
Zur Person
Frank Brettschneider (Jahrgang 1965) ist seit April 2006 Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Kommunikation bei Bau- und Infrastrukturprojekten, die Verständlichkeitsforschung, die Politische Kommunikation (insbesondere Wahlforschung) und das Kommunikationsmanagement.
Die Studie
Eigens für den Kongress hat Frank Brettschneider eine Studie darüber erstellt, welche Erwartungen Menschen an Wohnraum, Infrastruktur und Lebensqualität haben und welche Rahmenbedingungen für die Eigentumsbildung im Wohnsektor entscheidend sind. Es ist bereits die vierte Studie von einer ganzen Reihe von Studien. 2014 war die erste Umfrage, 2016 eine weitere. Dann folgte 2022 noch eine, am Ende von Corona, um die Wohnsituation zu beleuchten. Der aktuelle Fragebogen baut zum Teil auf den Fragebögen aus der Vergangenheit auf. Ein paar Punkte sind neu, beispielsweise die Bewertung von Forderungen im politischen Raum – etwa wie man Wohnbau beleben könnte. Es gibt einen geschlossenen Fragebogen, der an der Uni entwickelt wurde, die Umfrage selbst wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt. Das waren 1019 Personen ab 18 Jahren in Baden-Württemberg, befragt wurden sie im März und April dieses Jahres. Bei der Auswertung schaut die Uni vor allem danach, was die Meinungen in der Bevölkerung insgesamt in Baden-Württemberg sind – aber auch, ob es Unterschiede zwischen Mieterinnen und Mietern einerseits und Wohneigentümern andererseits gibt.
Die Veranstaltung
Der Wohneigentumskongress 2025 „Faktencheck Wohneigentum“ der Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Bausparkassen, des BFW Landesverband Baden-Württemberg und der Arbeitsgemeinschaft Haus & Grund Baden-Württemberg findet am 27. Mai um 17 Uhr in der LBS Landesbausparkasse Süd, Jägerstraße 36 in Stuttgart statt. Eine Anmeldung kann an folgende Adresse gerichtet werden: info@arge-online.de.