Ein Musteranschreiben eines Vermieters zur Mitteilung einer Mietpreiserhöhung. Diese haben, wenn man nach einer Studie des Institutes der deutschen Wirtschaft geht, einige deutsche Mieter bekommen. Foto: Jens Fröhlich

Die Mietpreise sind bundesweit stark gestiegen. Hohe Zinsen sorgen dafür, dass die Nachfrage nach Mietwohnungen steigt. Der knappe Wohnraum erhöht den Druck zusätzlich. Wie entwickeln sich die Mietpreise in Donaueschingen?

Bundesweit steigen die Mieten deutlich. Das hat eine Studie des Institutes der deutschen Wirtschaft für 2023 dokumentiert. Als Grund für den Anstieg werden hohe Zinsen genannt. Der Traum vom Eigentum wird für viele Menschen schwer erreichbar, wodurch die Nachfrage nach Mietwohnungen steigt. Knapper Wohnraum und weniger Neubauten erhöhen den Druck zusätzlich. Doch wie sieht es in Donaueschingen aus?

 

Das Rathaus sieht für Donaueschingen eine andere Entwicklung. Eine Mietpreisexplosion wie in den großen Städten habe die Verwaltung bislang noch nicht beobachten können, so Sprecherin Beatrix Grüninger. „Der Grundstücksmarktbericht wird 2025 fortgeschrieben, im Zwei-Jahres-Rhythmus“, ergänzt sie. Nach aktuell vorliegenden Daten sei keine extreme Abweichung erkennbar. Der Marktbericht umfasse aber nur wenige Mietangaben für Neuvermietungen, schränkt sie ein.

Rechtsanwalt bestätigt Anstieg der Mieten

Volker Sülzle ist Rechtsanwalt und Vorsitzender des Vereins Haus und Grund Donaueschingen, eine Interessenvertretung der privaten Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer. Er kann einen Anstieg der Mieten bestätigen. Er sei allerdings weniger stark als in den Metropolen. Vielmehr wertet er das aktuelle Mietniveau als gerechtfertigt. Den Anstieg der Mietpreise beschreibt er als Anpassung an ein normales Marktniveau. Über Jahre hinweg seien die Mieten im ländlichen Raum im Verhältnis zu den Baukosten relativ günstig gewesen, weshalb Immobilien für viele Investoren kaum rentabel waren. Neben dieser Anpassung zählt er gestiegene Baukosten, hohen Zinsen, Inflation und die hohe Grunderwerbssteuer als weitere Gründe auf, die für steigende Mieten sorgen.

Seine Sichtweise zu den Mietpreisen begründet er damit, dass der Anteil, den Menschen für Wohnen ausgeben müssen, stetig gesunken sei. Parallel dazu seien Wohnungen größer geworden und der Standard gestiegen. Für ihn ist klar, der Wohnungsbau sollte für Investoren und Bauherren wieder rentabler werden. „Die Einhaltung von Baustandards kostet Geld“, sagt er und denkt dabei an Schlagworte wie Barrierefreiheit, Fahrradstellplätze, Dämmung und Heizung. Einsparpotenzial sieht Sülzle zum Beispiel im Verkauf von Grundstücken und als Beispiel das Konversionsareal, das von einer städtischen Gesellschaft vermarktet wird. Das alles koste Geld. Und das wirke sich am Ende auch auf die Mietpreise aus.

Unsicherheit bei Förderung

Anders sieht das die Stadtverwaltung. „Das Thema bezahlbarer Wohnraum wird seitens der Stadt und der KEG ernst genommen und berücksichtigt“, so Grüninger. Mit KEG ist die Konversions-​​​ und Entwicklungsgesellschaft gemeint, die sich um die Entwicklung des Konversionsareals kümmert. Grundstücke würden nicht einfach meistbietend verkauft, sondern im Rahmen von Konzeptvergaben vermarktet. Neben dem Preis, der Gestaltung, dem Nutzungskonzept und den energetischen Standards, werde dabei auch die Frage der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum bewertet. „Diese Matrix folgt in der Gewichtung einem Beschluss des Gemeinderats und hat sich im Rahmen des Konversionsprozesses bislang gut bewährt“, so Grüninger. In verschiedenen Arealen soll so geförderter Wohnraum entstehen. Sorge bereite allerdings die aktuelle Lage der Wohnraumförderung. Leere Fördertöpfe würden bei Bauträgern für Unsicherheit sorgen, da gestiegene Zinsen und Baukosten abgefedert werden müssten. „Es wäre zu wünschen, dass Sicherheit bezüglich der Wohnraumförderung besteht, damit geplante Projekte auch verwirklicht werden.“

Der Anstieg

Mietpreise
Die Mietpreise der von der Stadt Donaueschingen vermieteten Wohnungen werden gemäß gesetzlicher Vorgaben alle drei Jahre um zehn Prozent erhöht. Der durchschnittliche Mietpreis liegt bei etwa sechs Euro pro Quadratmeter, kalt. In Berlin gingen die Preise laut der Erhebung des Institutes der deutschen Wirtschaft binnen eines Jahres ab Ende 2022 um 9,2 Prozent nach oben. Für Stuttgart wurde ein Wert von 5,1 Prozent berechnet. Für ländliche Gebiete geht die Studie von einem Anstieg von 5,2 Prozent aus.