Seit einigen Wochen wird das ehemalige Kronen-Hotel in Bad Liebenzell entkernt. Dort entstehen barrierefreie Wohnungen für Senioren. Foto: Verena Parage

Im ehemaligen Kronen-Hotel in Bad Liebenzell sollten vergleichsweise günstige neue Wohnungen entstehen. Doch daraus wird jetzt doch nichts. Etwas Neues entsteht aber trotzdem.

Die Freude in der Bad Liebenzeller Gemeinderatssitzung im Mai des vergangenen Jahres war groß. Die Premium Grundbesitzgesellschaft hatte das ehemalige Kronen-Hotel gekauft.

 

Vorhaben In der Sitzung seinerzeit stellten der zuständige Planer Markus Nau und Investor Frank Muders das Vorhaben vor. Auf den vier Stockwerken sind 29 barrierefreie Zwei- bis Drei-Zimmerwohnungen geplant. Das Angebot sollte sich an diejenigen richten, die nicht so viel Geld haben. Das sei aber nur mit staatlicher Förderung möglich.

Keine Förderung „Wir werden unser Vorhaben in Bad Liebenzell barrierefreien und geförderten Wohnraum zu schaffen leider nicht realisieren können“, teilte nun Muders auf Nachfrage unserer Redaktion mit. „Wir bedauern diese Entwicklung in höchstem Maße, zumal wir seit Mitte Dezember 2023 die Baugenehmigung für die geplanten 29 Wohneinheiten vorliegen haben“, fügte er hinzu.

Vergleichsmiete Und woran lag es? Ein Knackpunkt ist nach Muders Auskunft die durchschnittliche Vergleichsmiete für Neubauten. Zunächst habe die Stadt diese mit 14,50 Euro pro Quadratmeter angegeben. Abzüglich der staatlichen Förderung liege man bei 9,70 Euro. In diesem Fall sei sozialer Wohnungsbau möglich. „Das neue Gutachten der Stadt geht von 10,22 Euro pro Quadratmeter als ortsübliche Vergleichsmiete aus. Hieraus resultieren nach den gültigen Förderrichtlinien nur noch 6,85 Euro je Quadratmeter. Mit 6,85 Euro je Quadratmeter Miete können wir die hohen Baukosten nicht refinanzieren“, sagte Muders am Telefon.

Vermietung geplant

Wohnungen für Senioren Die 29 barrierefreien Wohnungen würden trotzdem realisiert, davon 19 Zwei-Zimmer- und zehn Drei-Zimmer-Wohnungen. Geplant seien 29 Stellplätze. In Seniorenhaushalten reiche ein Stellplatz pro Wohneinheit, zumal das Gebäude zentral liege und der Bahnhof in der Nähe sei. Die Wohnungen sollen vermietet werden, so Muders.

Entkernung Derzeit laufen über die Wintermonate die Arbeiten für die Entkernung des Gebäudes. Damit kommt der Bauherr der Kurstadt entgegen, bevor die Saison im Tourismus wieder beginnt, sagte Muders.

Stellungnahme des Bürgermeisters Bürgermeister Roberto Chiari teilte dazu auf Nachfrage mit, dass die Festlegung der Vergleichsmiete für Neubauten in Bad Liebenzell ein dynamischer Prozess gewesen sei. „Von Beginn an haben wir intensiv sowohl interne Diskussionen geführt als auch den Dialog mit dem Investor gesucht, um alle Aspekte und Bedenken detailliert zu erörtern“, teilte Chiari mit. „Dabei haben wir stets die Transparenz und die Interessen der Stadt Bad Liebenzell im Vordergrund gehalten“, fügte er hinzu. „Im Zuge dieser Diskussionen und nach sorgfältiger Prüfung, auch in Rücksprache mit dem Fördergeber sowie der Auswertung eines speziell eingeholten Gutachtens wurde deutlich, dass eine Anpassung der ursprünglich genannten Vergleichsmiete erforderlich ist. Dies führte zur reduzierten Festsetzung der Vergleichsmiete“, räumte Chiari ein. Ausdrücklich betonte der Bürgermeister, dass diese Entscheidung auf der Basis aktueller, relevanter Daten und im besten Interesse aller Beteiligten getroffen worden sei.

„Ein wesentlicher Punkt, der unsere Entscheidung beeinflusst hat, ist das Fehlen eines aussagekräftigen Mietspiegels für Bad Liebenzell“, gibt Chiari zu bedenken: „Dieser ist essenziell, um fundierte und gerechte Kalkulationen für derartige Vorhaben zu ermöglichen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die Erstellung eines Mietspiegels in Auftrag zu geben.“ Ein solcher Mietspiegel werde es der Stadt künftig ermöglichen, auf vergleichbare Situationen auf einer soliden und transparenten Grundlage zu reagieren und die Planungssicherheit für alle Beteiligten zu erhöhen, so Chiari.

Die Stadt sei sich der Wichtigkeit und Dringlichkeit bewusst, geförderten, sozialen Wohnraum zu schaffen, um den Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung gerecht zu werden, versicherte der Bürgermeister. Investor Frank Muders habe im Gemeinderat mehrere Optionen präsentiert, ergänzte Chiari. Er räumte ein, dass die Stadt den sozialen Wohnungsbau bevorzugt hätte. Im Bau von frei finanzierten, barrierefreien Wohnungen sehe die Stadt dennoch eine sinnvolle und zukunftsorientierte Alternative, die einen wichtigen Beitrag zur Wohn- und Lebensqualität in Bad Liebenzell leisten könne.