Seit April lockt der Wochenmarkt wieder mittwochs auf Münster- und Muslenplatz. Unsere Redaktion hat in beiden Stadtbezirken eine erste Bilanz eingeholt. Dabei sind sich zumindest in Schwenningen viele Händler in einer Sache einig.
In Schwenningen schaut Marktmeister Arno Laubis auf dem Muslenplatz gerade nach dem Rechten. Mittwochs hat er beim Wochenmarkt nie soviel zu tun wie an einem Samstag. Denn: Während samstags 28 Stände zwischen Muslenplatz und dem Platz vor dem City-Rondell mit frischem Gemüse, Käse oder Oliven einladen, sind es unter der Woche derzeit nur sieben bis neun Stände, die sich auf den Muslenplatz verteilen, berichtet Laubis im Gespräch mit unserer Redaktion.
Stammplatz mit Bedingung
„Ich bin immer auf der Suche nach neuen Händlern, die wiederum ein neues Publikum mitbringen“, sagt der Marktmeister mit Blick auf die maue Teilnahme am Mittwoch. Grundsätzlich habe Schwenningen einen schwereres Los als Villingen – und einen schlechteren Ruf, findet er. Und das, obwohl fast nur Erzeuger aus der Region vor Ort seien. Das Platzierungsprinzip ist im Übrigen nichts Neues: Wer sowohl samstags als auch mittwochs am Markt teilnimmt, hat seinen zentralen Platz am Muslenplatz sicher. Alle anderen Stände würden drum herum angeordnet, erklärt Laubis.
Seit Anfang an auf dem Muslenplatz mit dabei ist Direkterzeuger Christian Ohnmacht aus Dauchingen, dessen Vater schon vor rund 50 Jahren auf dem Marktplatz Kartoffeln, Äpfel und Kohl verkauft hat. „Der Mittwoch ist nun mal das Stiefkind“, antwortet Ohnmacht sofort auf die Frage nach der bisherigen Bilanz. Doch mittwochs nicht teilzunehmen, komme für ihn auch nicht infrage. Grundsätzlich stellt der Händler einen Wandel in den Verbraucher- und Einkaufsgewohnheiten fest. Wer wirklich Marktprodukte wolle, der habe eigentlich auch unter der Woche die Gelegenheit dazu, denn der Markt öffne bereits um 6.30 Uhr.
Eigentlich „nicht rentabel“
Seit rund zweieinhalb Jahren ist Walter Haberstroh aus Dunningen mit seinen Käsespezialitäten vor Ort. „Rentabel ist der Mittwochsmarkt nicht“, findet er. Er ist unter der Woche eigentlich nur dort, um einen fixen Platz zu haben. Gleichzeitig äußert er einen Vorschlag Richtung Stadt: „Es wäre besser, wenn der Markt am Mittwoch vor der Winterpause nur bis November und nicht bis Ende Dezember stattfindet.“
Ähnlich klingt es auch bei Wilhelm Maier vom Schillerhof in Schwenningen an: „Zum Daheimbleiben verkaufen wir mittwochs doch zu viel.“ Die Monate November und Dezember verliefen sehr „zäh“ – „warum könnte der Markt am Mittwoch nicht schon Ende Oktober in die Winterpause gehen?“
Allerlei Obst und Gemüse, Eier, Fleisch, Wurst und Käse gibt es auch auf dem Markt auf dem Münsterplatz in Villingen zu kaufen. Auch hier zeigt sich, dass der Mittwoch weniger gefragt ist, jedoch deutlich stärker als in Schwenningen: Laut Laubis sind in Villingen samstags 30 Marktstände vertreten, am Mittwoch seien es zwischen 20 und 25.
Große Stammkundschaft
Seit neun Jahren hat die Metzgerei Martin aus Donaueschingen ihren Stand auf dem Villinger Wochenmarkt sicher. Isabelle Schulz steht hinter der Theke und bedient ihre Kunden – am Mittwoch sind es überwiegend Stammkunden. Das Marktgeschäft laufe an diesem Wochentag „mal gut und mal schlecht“, sagt Schulz, der Samstag sei hingegen deutlich stärker. Eine große Rolle spiele dabei auch das Wetter, erklärt sie. Ist es eher regnerisch und trüb – wie auch an diesem Mittwochvormittag – dann finden weniger Kunden den Weg auf den Münsterplatz.
Wenn sich der Mittwoch nicht lohnen würde, dann würde er auch nicht vor Ort sein, sagt Robert Huber vom Geflügelhof Huber aus Mönchweiler. Seit 50 Jahren ist er mit seinem Hof auf dem Villinger Wochenmarkt und auch in Schwenningen vertreten. Trotzdem sei der Unterschied zum Samstag gravierend. „Der Mittwoch ist eben ein ganz normaler Arbeitstag“, erklärt er. An diesem Tag hätten vor allem Berufstätige kaum Zeit, am Vormittag auf dem Markt einzukaufen. Was dem Geflügelhof jedoch zugutekommt, ist die große Stammkundschaft. Für Huber ist der Villinger Wochenmarkt in jedem Fall wichtig. Daneben sei er auch noch auf Märkten in Donaueschingen, Königsfeld und Mühlhausen vertreten, der Markt in Villingen sei jedoch „einer der Besten“.
Standort spielt große Rolle
Einen der weitesten Anfahrtswege hat Arneggers Spargelhof aus Ravensburg. Trotzdem zieht es ihn auch mittwochs auf den Wochenmarkt nach Villingen. Ob es sich mittwochs lohnt, komme immer ganz darauf an, was man verkauft, sagt eine Verkäuferin am Marktstand. Obst und Gemüse, das der Hof verkauft, werde in der Regel gut nachgefragt. Für Blumenhändler, so vermutet sie, sei es schwieriger, da sie auch von der Witterung abhängig seien.
Wichtig ist für die Marktbetreiber auch, dass der Standort ihres Marktstands immer gleich bleibt, verrät eine Verkäuferin vom Untermühlbachhof in St. Georgen. So finden die Stammkunden auch auf dem Mittwochsmarkt den Weg an ihren Lieblingsstand.
Öffnungszeiten
Die Wochenmärkte finden immer mittwochs und samstags auf dem Villinger Münsterplatz und dem Schwenninger Muslenplatz von 6.30 bis 12.45 Uhr statt. In der Winterzeit beginnt der Wochenmarkt eine Stunde später. Der Mittwochsmarkt geht von Januar bis März in die Winterpause.