Hartmut Walter und Jessica Reich von der Stadt Sulz verabschieden den Obst- und Gemüseverkäufer Eckard Künstle. Foto: Ulrich

Auf dem Sulzer Wochenmarkt gibt es eine Veränderung: Nach fast 40 Jahren beendet Eckart Künstle seinen Obst- und Gemüseverkauf– wird es hierfür einen Nachfolger geben?

Wind, Regen oder Schnee – für Eckard Künstle spielte das Wetter nie eine Rolle. Woche für Woche fuhr der Obst- und Gemüsebauer aus dem badischen Schwanau über das Kinzigtal nach Sulz, um seine Kunden auf dem Wochenmarkt mit frischen Produkten zu versorgen.

 

Rund 60 000 Kilometer legte er pro Jahr zurück. Sein Markenzeichen: Künstle trug stets Mütze. Doch damit ist jetzt Schluss.„Es war eine spontane Entscheidung“, erzählt Künstle, der sich auf dem Marktplatz von Sulz verabschiedet. „Der Spaß an der Arbeit ist mit den Jahren verloren gegangen.“ Mit seinem Rückzug endet nicht nur seine Zeit auf dem Wochenmarkt – auch seinen eigenen Obstanbau gibt der 54-Jährige vollständig auf.

Es war ein Schock

Nicht nur die Kunden, sondern auch Händler und Großhändler zeigten sich überrascht und schockiert. „Sogar meine Frau, die samstags immer mitgeholfen hat, konnte es zunächst kaum glauben“, berichtet Künstle schmunzelnd. „Erst als ich zwei Wochen lang nichts mehr bestellt habe, hat sie gemerkt, dass es ernst ist.“ Künstle führte den Betrieb seit seiner Ausbildung zum Obstbaukaufmann. Schon als Kind begleitete er seinen Vater Eugen Künstle, der 1986 erstmals auf dem Sulzer Markt stand.

Handverlesene Ware

Der Ursprung des Marktgeschäfts reicht bis ins Jahr 1956 zurück. Seinerzeit begann sein Vater in Horb und Schramberg damit. Eckard Künstle krempelte einiges um: „Ich habe die Äpfel rausgeschmissen und mehr auf Beeren gesetzt.“

Neben eigenem Obst wie Birnen, Zwetschgen, Erdbeeren und Kirschen bot er auch regionales Gemüse an – teils von Produzenten aus der Umgebung, teils aus Stuttgart oder sogar Frankreich. Die Qualität seiner Waren lag ihm am Herzen. „Ich habe immer selbst kontrolliert und ausgesucht, was ich verkaufe“, erklärt Künstle. Doch mit der Leidenschaft schwand die Kraft: „Ich hatte kein Wochenende mehr, kaum Schlaf. Oft habe ich nur drei Stunden geschlafen, bin nachts schon losgefahren und habe dann im Lkw geschlafen.“ Dazu kamen die immer schwierigere Personalsuche und die langen Wege. „An einem Sonntagmorgen habe ich entschieden, ich will das nicht mehr.“

Künstle wird in Erinnerung bleiben

Auch die Stadt verabschiedete den langjährigen Marktverkäufer. Hartmut Walter von der Stadtverwaltung betont: „Wir lassen Herrn Künstle nicht sang- und klanglos gehen. Er war einer der dienstältesten Verkäufer, die Zusammenarbeit war immer hervorragend.“ Auch er erinnert sich: „Es war jedes Mal beeindruckend, ihn morgens schon da stehen zu sehen, egal bei welchem Wetter.“

Für Künstle selbst beginnt nun ein neuer Abschnitt: „Ich mache jetzt erst mal ein halbes Jahr nichts“, sagt er lachend. Jobangebote liegen aber schon vor. „Aber jetzt muss ich erst mal lernen, Freizeit zu haben.“ Zusammen mit seiner Frau möchte er mehr Fahrradfahren, wandern und reisen. Ein Ziel steht schon fest: Südafrika.

Nachfolger steht fest

Die Frage nach einem Nachfolger ist bereits geklärt: Ab dem 22. Mai wird Marcel Kimmich als neuer Obst- und Gemüsehändler den Wochenmarkt bereichern, gibt Jessica Reich von der Stadt Sulz bekannt. Damit wächst die Zahl der regelmäßigen Marktstände auf sechs. Alle zwei Wochen ergänzt ein Gewürzstand das Angebot, und einmal im Monat kommt der Apfelsaftstand der Streuobstfreunde hinzu.