Der erste Wochenmarkt auf dem Muslenplatz in Schwenningen fand im Frühjahr 1996 statt (Archivfoto). Foto: Jochen Schwillo

Der Wochenmarkt auf dem Muslenplatz feiert sein 30-jähriges Bestehen – und blickt auf eine bewegte Geschichte voller Standortwechsel, Diskussionen und mutiger Entscheidungen zurück.

1996 wurde er von der Sturmbühlstraße in die Innenstadt verlegt – ein Schritt, der damals keineswegs selbstverständlich war.

 

Bereits im Mai 1995 hatte der wiederbelebte Jahrmarkt auf dem Muslenplatz seine neue Heimat gefunden, nachdem dieser zuvor ab 1991 auf dem ehemaligen Rössleparkplatz abgehalten worden war.

Mit dem Jahrmarkt und der Einweihung des Muslenbrunnens fand die langjährige Muslensanierung ihren Abschluss. In diesem Zusammenhang rückte auch die Zukunft des Wochenmarkts erneut in den Fokus – eine Diskussion, die bereits in den 1980er‑Jahren intensiv geführt worden war.

Händler skeptisch

Als der Wochenmarkt 1996 tatsächlich auf den Muslenplatz umziehen sollte, reagierten viele Markthändler zunächst skeptisch. Sie zweifelten daran, dass der neue Standort von der Bevölkerung angenommen würde. In den Gesprächen dominierten praktische Fragen: Wie lassen sich Auf- und Abbauzeiten organisieren? Geht Stammkundschaft verloren? Gibt es genügend Parkplätze?

Doch die Bedenken zerstreuten sich schnell. Der Wochenmarkt wurde von Beschickern wie Kundschaft gut angenommen und entwickelte sich rasch zu einem lebendigen Mittelpunkt des Muslenplatzes.

Erster Wochenmarkt

Dass Schwenningen überhaupt einen Wochenmarkt erhielt, geht 144 Jahre zurück auf eine Initiative des Apothekers Julius Gaupp. Der Betreiber der Stadtapotheke setzte sich mit einer Petition für die Einrichtung eines Marktes ein. Der Gemeinderat stimmte zu, die Kreisregierung genehmigte das Vorhaben, und die Gemeinde Schwenningen veröffentlichte eine Wochenmarktordnung, die es jedem erlaubte, Viktualien feilzubieten.

Am Montag, 24. Mai 1882, wurde schließlich der erste Schwenninger Wochenmarkt abgehalten, von morgens 7 Uhr an unter den Bäumen des Marktplatzes, wie das Schultheißenamt zwei Tage zuvor bekannt gemacht hatte. Besonders die Hausfrauen wurden aufgefordert, ihren Bedarf an Gemüse und Viktualien auf dem Markt zu decken.

Verkehr verdrängt Markt

82 Jahre lang, bis 1964, blieb der Markt auf dem Marktplatz. Doch dieser hatte sich zunehmend zu einer Verkehrsdrehscheibe ersten Ranges entwickelt. Die wöchentliche Umleitung des Verkehrs ließ sich kaum noch bewältigen, da das Straßennetz nur wenige Ausweichmöglichkeiten bot.

Mit dem Verkehr wuchs auch der Ärger über die Überlastung der engen Straßen an Markttagen. Die Standortfrage wurde daher früh in den zuständigen Gremien diskutiert. Der Bau einer Markthalle am Alten Angel kam ebenso ins Gespräch wie das Gelände beim alten Bauhof an der Sängerstraße. Sogar die Marktstraße wurde zeitweise erwogen, jedoch rasch verworfen, weil die Anfahrt als schwierig galt.

Auf den Sturmbühl

Dass der Wochenmarkt schließlich überraschend schnell den Platz vor dem Rathaus räumen und „vorübergehend“ auf den Sturmbühl umziehen musste, lag jedoch nicht an diesen Debatten, sondern an anstehenden Tiefbauarbeiten im Marktplatzbereich.

Mit dem neuen Standort auf dem Sturmbühl waren die Marktbeschicker anfangs nicht zufrieden: Die Straße sei zu schmal, Parkplätze fehlten. Dennoch sprach sich der Verkehrsbeirat bereits 1963 gegen eine Rückverlegung auf den Marktplatz aus – die Bedürfnisse des Verkehrs überwogen inzwischen jene des Wochenmarktes.

Zudem lag der Sturmbühl in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes, bot gute Anfahrtsmöglichkeiten und eine um rund 1000 Quadratmeter größere Fläche. Für den Umzug musste die Sturmbühlstraße zunächst verbreitert und neu ausgebaut werden.

Drei Jahrzehnte lang blieb der Sturmbühl die Heimat des Wochenmarktes. Doch mit seinem Ausbau zu einer der wichtigsten Schwenninger Verkehrsachsen wurde der Platz für den Markt schließlich zu knapp – und so folgte im Frühjahr 1996 der Umzug auf den Muslenplatz, der bis heute seine Heimat geblieben ist.