Auf dem Schwenninger Wochenmarkt geht es den beiden Schantle um die Wurst. Foto: Kratt

Ein Narrensprung am Samstag und ein Großer Umzug am Sonntag waren von der Narrenzunft bewusst nicht geplant.Trotzdem herrschte am Wochenende fröhliches Narrentreiben, bei dem die eine oder andere kurzfristig anberaumte Aktion einmal mehr den Ideenreichtum der Narren bewies.

VS-Schwenningen - Schon am Samstagvormittag wimmelt es hier und da auf dem Schwenninger Wochenmarkt von Fasnetsfiguren, die mit den Besuchern und Marktbeschickern ihren Schabernack trieben, strählten, was das Zeug hielt und an die Kinder fleißig Guzle verteilten.

Tännlelupfer ziehen durch die Stadt

Während sich ab 12 Uhr auf dem Hockenplatz, dem eigentlichen Startplatz des Narrensprungs, allmählich immer mehr Narren versammeln, findet sich nicht weit entfernt in der "Garage" eine zünftige Männerschar der Tännlelupfer ein, um sich für einen Zug durch die Innenstadt fertigzumachen. Einen richtigen Narrenbaum werde es in diesem Jahr zwar keinen geben, berichtet Obertännlelupfer Uwe Mühlbacher, dennoch wolle man mit einem Wagen mit "Steh-Auf-Baum", den man kurzfristig an jedem Ort platzieren kann, durch die Stadt ziehen.

Elferwible vor dem Rathaus wird zur "Zupferkönigin 2022"

gekröntDerweil hat sich die Frauenriege, die "Tännlezupferinnen", die mittlerweile einen eigenen Vereinsdress in pink haben, auf dem Marktplatz für eine ganz außergewöhnliche Aktion formiert: Da die ursprünglichen Pläne, den einstigen Weihnachtsbaum vor dem City-Rondell fasnachtlich zu schmücken, nicht realisier bar waren, sei man auf die Idee gekommen, das Elferwible vor dem Rathaus zur "Zupferkönigin 2022" zu küren, erklärt Beate Mühlbacher. Und so bekommt das Wible nicht nur einen Blumenkranz als Kopfschmuck, sondern wird auch mit einer einem Schärpe mit der Aufschrift "An de Fasnet isch se ›in‹, s’ Elfe Wieb, iisere ›Zupferkönigin‹".

Vom Hockenplatz bis zum Muslenplatz

Immer mehr Narren der Schwenninger Zünfte stehen rund eine Stunde später am Hockenplatz bereit, ehe der Schwenninger Narrenmarsch erklingt und die Truppe Richtung Muslenplatz zieht. Während der Hansel elegant den Narrenmarsch springt, necken Schantle, Butterfasshexe oder Ziegel-Buben, in gewohnter Manier Jung und Alt und kommen anschließend auf dem Muslenplatz zusammen.

Flashmob der Stadtmusik Schwenningen

Der Muslenplatz ist am Sonntagmittag auch Schauplatz für eine weitere spontane Aktion: Von allen Seiten und Richtungen kommen plötzlich die Musiker der Stadtmusik Schwenningen und spielen als Flashmob den Narrenmarsch. Und nicht nur der Musikverein ist es, der Stimmung macht: Mehr und mehr Musiker und Gruppen stimmen in die Fasnetsmusik mit ein.

Und tatsächlich treffen die Narren dann wenig später am Gasthaus Felsen ein – dem eigentlichen Treffpunkt für den Großen Umzug am Sonntag. Von hier aus geht es für die Schwenninger Zünfte – natürlich immer in kleinerer Besetzung als sonst und bis auf eine Ausnahme ohne jeglichen Wagen angeführt – auf einer verkürzten Strecke die Bildackerstraße hinunter Richtung Muslenplatz. Dort haben sich inzwischen mehrere hundert neugierige Zuschauer versammelt, um mit den Hästrägern zusammen ein Stückchen Fasnet zu genießen. "Es war wichtig, dass zumindest ein bisschen etwas los ist", "Ich habe Tränen in den Augen gehabt" oder "Auf diesen Augenblick habe ich seit zwei Jahren gewartet", heißt es sowohl von Narren- als auch von Zuschauerseite.

Kommentar: Die Fasnet lebt

Von Mareike Kratt

"Die Fasnet ist manchmal eine ernste Angelegenheit" – in diesem Jahr gewinnt dieser Satz an neuer Bedeutung. Offizielle große Veranstaltungen hat die Narrenzunft abgesagt, und das schon vor der schlimmen Nachricht um den Krieg in der Ukraine. Dennoch haben die Schwenninger Narren an den vier Hohen Tagen gefeiert – allerdings in gemäßigtem Rahmen. Denn mehr denn je durften sie in diesem Jahr für sich entscheiden, ob und welcher Form ihnen zu feiern zumute ist. Dabei wurde zweierlei ganz deutlich: Viele Menschen, die vor Ort waren, brauchten die Fasnet, um sich auf Brauchtum und Gemeinschaft zurückzubesinnen. Zudem haben viele Menschen durch ihre Ideen und kurzfristig auf die Beine gestellten Aktionen bewiesen, welche neuen und originellen Möglichkeiten es gibt, um die Fasnet auch in schwierigen Zeiten am Leben zu erhalten.