Der Bad Bellinger Gemeinderat hat das neue gesamtörtliche Entwicklungskonzept (GEK) verabschiedet. Beim Thema Wohnen wird mit einem Bedarf von 400 zusätzlichen Einheiten gerechnet.
Das neue GEK „Bad Bellingen 2040“ löst die inzwischen überholte Version aus dem Jahr 2017 ab.
Das strategische Planungsinstrument gibt die räumliche und thematische Entwicklung für die nächsten zehn bis 15 Jahre vor, hieß es in der Sitzung. Formuliert wurden neue Leitziele und Maßnahmen, die für eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde sorgen sollen.
Zentrale Punkte betreffen die Zukunft der Therme und des Kurgebiets sowie die Wohnraumversorgung.
Richtschnur bis 2040
Das GEK soll als Richtschnur bis 2040 dienen und nicht zuletzt auch als Grundlage, um weiterhin Fördermittel im Rahmen der Städtebauförderung generieren zu können. Hier geht es auch um ein mögliches neues Sanierungsgebiet.
Von Wohnen bis Mobilität
Im Zuge der Fortschreibung des gesamtörtlichen Entwicklungskonzepts wurden sämtliche Bereiche des kommunalen Lebens beleuchtet (Wohnen, Gewerbe, Infrastruktur und Mobilität). Die Ergebnisse dieser Analyse stellte Götz Hahn von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung dem Gremium vor.
Bürgerbefragung: Resonanz war enttäuschend
Miteingeflossen sind hier auch die Rückmeldungen von Bürgern. Dazu fand Anfang des Jahres eine Umfrage statt. Die Resonanz war für den Gemeinderat indes enttäuschend. „Extrem schade“ fand es etwa Marco Maier (SPD), dass nur 205 Bürger die Möglichkeit genutzt haben, sich an der Befragung zu beteiligen und damit bei der Entwicklung der Gemeinde mitzuwirken.
Immer weniger Leute bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren
Götz Hahn bewertete eine Beteiligungsquote von rund vier Prozent allerdings als zufriedenstellend – der Wert liege im Schnitt. Er verwies zudem auf den Trend, dass immer weniger Leute bereit seien, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das spiegle sich auch hier wider. Das Ergebnis sei zwar nicht repräsentativ, gebe aber dennoch klare Hinweise. „Als wichtiges Thema wurde die Sanierung der Therme genannt“, gab Hahn einen Einblick.
Therme als ein Ankerpunkt
Die Therme sei „ein großer Ankerpunkt für die Touristik“, hielt Hahn in diesem Zusammenhang fest. Gleichzeitig verwies er auf den „massiven baulichen Handlungsdruck“.
Der Tourismus sei nach wie vor ein bedeutender Standortfaktor, trotz Strukturwandels. Erfreulich sei, dass die Übernachtungszahlen seit 2020 wieder stetig steigen. Die Entwicklung des Kurparks, die Neuordnung von Verkehrs- und Stellplatzflächen, die Verlagerung des Wohnmobilstellplatzes sowie die Stärkung der Verbindung zwischen Kurpark und Ortskern werden im Konzept als zentrale Aufgaben angeführt.
Mangelnde Sauberkeit
Mehrfach angesprochen wurde bei der Bürgerbefragung auch das Thema mangelnde Sauberkeit im Hauptort. Außerdem sahen die Bürger Verbesserungsbedarf bei den Angeboten für Jugendliche. Des Weiteren wurden sichere Schulwege gefordert sowie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum – dies wurde am häufigsten genannt.
Rasantes Wachstum in den vergangenen Jahren
„Bad Bellingen ist in den vergangenen Jahren sehr rasant gewachsen“, ging Hahn auf das Thema Bevölkerungswachstum und Wohnen ein. In den vergangen zehn Jahren sei die Zahl der Einwohner um mehr als ein Drittel angestiegen. Und auch künftig sei von einem Zuwachs auszugehen, allerdings in moderaterer Form.
Bis zu 6000 Einwohner
Gerechnet wird bis 2040 mit einem Bevölkerungswachstum auf bis zu 6000 Einwohner. Um den damit einhergehenden Bedarf zu decken, seien etwa 400 zusätzliche Wohneinheiten erforderlich, fasste Hahn die Erkenntnisse aus der Analyse zusammen. Allein über Innenentwicklung und Nachverdichtung sei dieses Ziel nicht zu erreichen.
Neubaugebiete seien unabdingbar, verwies er unter anderem auf die Gebiete „Rheinstraße Nord“ im Kernort sowie „Hinter der Kirche“ in Hertingen. Weitere Möglichkeiten ergeben sich laut Konzept im Bereich der Gewanne „Breite“ in Bad Bellingen, „Steini“ und „Altenweg/Kechbrunnen“ in Bamlach und dem Sportplatz Rheinweiler. „Die Überlegungen zur Entwicklung dieser Flächen stehen jedoch noch am Anfang“, hieß es.
Infrastruktur muss mitwachsen
Mit dem weiteren Bevölkerungswachstum geht auch ein entsprechender Druck auf die soziale Infrastruktur einher. So sieht das GEK etwa Handlungsbedarf bei der Kinderbetreuung und im Schulbereich.
Hier gibt es entsprechende Planungen für einen Naturkindergarten im Neubaugebiet an der Rheinstraße. Thema ist auch eine erneute Erweiterung oder Verlegung der Grundschule in Rheinweiler. Handlungsbedarf gibt es auch beim Gewerbe. So gibt es Überlegungen, ein Gewerbegebiet in Hertingen zu entwickeln. Ein möglicher Standort wäre an der B 3.
Natur und Klima
Ein Fokus liegt auf den Themen Natur, Landschaft und Klima. Angesichts zunehmender Hitzebelastung und Starkregenereignisse geht es hier um Maßnahmen wie Entsiegelung, Erhalt von Kaltluftschneisen und Renaturierung von Gewässern sowie eine interkommunale Wärmeplanung.
Ausbau von Mobilitätsangeboten
Ein weiterer Aspekt ist die Mobilität – dazu gehören etwa der Ausbau von Ladeinfrastruktur sowie Carsharing-Angebote. Als zentrale Aufgaben werden zudem Verbesserungen der Verbindungen zwischen den Ortsteilen und Barrierefreiheit genannt. Der Gemeinderat stimmte dem vorgestellten gesamtörtlichen Entwicklungskonzept als so genanntem Selbstbindungsplan bei einer Gegenstimme zu. Das Konzept habe keine unmittelbare Rechtsbindung, hieß es in der Sitzung.