Die Ortenauer Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat sich dem Kappel-Grafenhausener Gemeinderat vorgestellt. Deren Engagement konzentriert sich in der Doppelgemeinde auf die Bereiche Jugendzentrum Grafenhausen sowie Schulsozialarbeit.
Petra Palatzky, AWO-Abteilungsleiterin für Kinder- und Jugendhilfe, hatte zur Vorstellung der Tätigkeitsbereiche der AWO die örtlich tätige Schulsozialarbeiterin Jacqueline Kollmer und überdies auch Daniel Gänshirt, Leiter des Kinder- und Jugendzentrums (Juze), mitgebracht.
So ist das Grafenhausener Juze aufgestellt: Der 28-jährige Gänshirt ist ausgebildeter Erzieher und leitet das Juze neben dem Grafenhausener Rathaus seit 2022. Zu diesem gehören eine Kreativwerkstatt, eine Theke mit Musikanlage, Chill-Lounge (Räkel-Sitzecke zum Entspannen), Küche und nicht zuletzt ein Billardtisch. Im Freien gibt’s noch einen abgeschlossenen Hinterhof mit kleinem Schopf. Zu den Prinzipien der Juze-Arbeit gehören Offenheit für alle Kulturen, Geschlechter und soziale Schichten sowie offene Inhalte und Arbeitsweisen bei den Angeboten. Letztere sind allesamt freiwillig, ohne jede Teilnahmezwänge. Die erstrebte Partizipation zielt auf Beteiligung, Mitwirkung und Mitbestimmung der Besucherschar. Thema ist dabei alles, was Kinder und Jugendliche mitbringen. Orientiert soll sich an deren Bedürfnis- und Lebenswelt nebst Alltag werden. Auch Bildungsangelegenheiten sollen über das Juze bereitgestellt werden, vorzugsweise in Vernetzung und Kooperation mit anderen Institutionen wie etwa Schulen oder Vereinen.
So gut ist das Juze besucht: Derzeit finden sich im offenen Treff und an Kindernachmittagen durchschnittlich rund 20 Gäste im Alter von sechs bis höchstens 20 Jahren ein. Je nach Anlass sind es auch schon mal bis zu 40 zumeist örtliche Schüler. Insgesamt pflegt Gänshirt derzeit Kontakt zu rund 80 Kindern und Jugendlichen der Gemeinde. Bei Letzteren setzt er verstärkt auf Events und Ausflüge. So gehören zu den neuen Highlights für die Älteren etwa ein Graffiti-Aktionstag, Darts-Turnier, Bowlingabend, Sommer- und Fasentparties. Mehrere Ausflüge führten etwa in die Baden-Badener Kinder-Musikwelt Toccarion, das Taubergießen oder zum Freiburger Planetarium.
Angebote für verschiedene Gruppen
Das sind die Angebote des Juze: Das Juze ist von Mittwoch bis Freitag fürs Kinderprogramm von 15 bis 18 Uhr geöffnet, dienstags verlängert bis 19.30 Uhr. Jungs treffen sich hingegen separat mittwochs um 18 bis 19.30 Uhr, Mädchen zur selben Zeit an Donnerstagen. Freitags ist von 18 bis 20 Uhr der allgemeine Jugendtreff angesetzt. Auf Rückfrage erklärte Gänshirt, dass zeitliche Ausweitungen bei seinem derzeitigen Stundenkontingent schwer zu realisieren seien. Deshalb seien derzeit nur wenige Änderungen möglich: „Aber alles, was gewünscht wird, wird auch umgesetzt, wenn es halt geht!“
Das ist das Ziel der Schulsozialarbeit: Die 36-jährige Schwanauerin Jacqueline Kollmer ist schon seit 2016 im Auftrag der AWO in der Gemeinde tätig. Sie ist in Grafenhausen mit etwa 23 und in Kappel mit vier Wochenstunden im Einsatz. Ihre grundlegende Aufgabe: Im Zusammenwirken mit der Schule eine ganzheitliche, lebensweltbezogene und lebenslagenorientierte Förderung und Hilfe für alle jungen Menschen zu gewährleisten. Damit sollen, so die Zielsetzung, bei Schülern soziale Benachteiligungen ausgeglichen und individuelle Problemlagen besser bewältigt werden.
Auch Selbstmord und selbstverletzendes Verhalten sind häufige Themen der Schulsozialarbeit
Das sind die häufigsten Beratungsthemen in der Schule: Kollmers Bericht ließ erahnen, wie verantwortungs- und anspruchsvoll die Betreuungsarbeit vor Ort ist. Bei der meist individuellen Gesprächsarbeit geht es etwa um selbstverletzendes Verhalten (Schneiden und Verbrennungen), Selbstmordgefährdung, Trennung der Eltern, Schulabwesenheit, Freundschaften allgemein, sexuelle Übergriffe (auch in der Schule), Mobbing, Vapen mit E-Zigaretten, starke Gefühle (häufig Wut, Trauer, Angst), Selbstfindung sowie den Umgang mit Medien (insbesondere Mobbing und Lügen in den sozialen Netzwerken). Die Arbeit geschieht grundsätzlich neutral, vertraulich, unterstützend und auf freiwilliger Basis – anders würde es nicht funktionieren.
Das leistet die Schulsozialarbeit: Ansprechpartner für Kollmer sind in erster Linie die Schüler. Neben Beratung und Einzelfallhilfe geht es auch um Projekte im Klassenverband. Per Erlebnispädagogik als Gruppenerfahrungen in der Natur wirkt Kollmer etwa gezielt zur Prävention in der Grundschule und auch den fünften und sechsten Klassen. In der Siebten soll nun gemeinsam mit Rust mit dem „Präventionstheater Püppchen“ auf Essstörungen eingegangen werden, bis zur Neunten dann auch auf Alkohol- und Cannabis-Gefahren. Dazu kommen Hilfestellungen in Notsituationen, Unterstützung in Mobbingfällen, Streitschlichtungen und gegebenenfalls die Vermittlung von hilfreichen Kontakten bei allen Problemlagen. Auch Eltern sind potenzielle Adressaten. So bietet Kollmer etwa Beratung und Hilfe bei Erziehungsproblemen samt Einzelfallhilfen plus speziell themenzentrierten Elternabenden. Lehrer holen sich ebenfalls Rat bei Kollmer, ob bei Schulschwänzen, Unterrichtsstörungen, aber auch erkannten Gefährdungslagen oder der nötigen Hilfestellungen in Krisensituationen. Auch die Schulleitung selbst gehört zum Aufgabenbereich der Sozialarbeit – per Beratung, Information und Abstimmung. Überdies nimmt Kollmer an Konferenzen und Teambesprechungen teil, arbeitet an der Schulentwicklung mit und ist Ansprechpartnerin auch für Schulbegleiter und Schülerbetreuung. Dazu bedient sie sich eines umfassenden Netzwerkes unter anderem mit Jugendamt, Gemeinde, Jugendzentrum, Beratungsstellen des Landratsamts, Polizei, Sozialamt und anderen Schulen. Bei diesen Tätigkeitsaufzählungen Kollmers konnten die Gemeinderäte erahnen, welch vielfältige Konflikt-Probleme sich mittlerweile im Schul-Alltagsbereich auch in Kappel-Grafenhausens dörflicher Welt auftun.
Lob vom Gemeinderat
Die Räte zeigten sich ob des Einblicks in die vielfältigen Aufgaben tief beeindruckt und hatten nur wenige Rückfragen. Gemeinderat Clemens Sedler(CDU) lobte speziell die mit Gänshirt nun erwünscht erzielte „personelle Konstanz“ beim Juze. Bürgermeister Philipp Klotz fasste seinen Eindruck in Sachen Schulsozialarbeit so zusammen: „Unsere Schulkinder sind sehr gut aufgehoben!“ Allerdings wies Kollmer bei Nachfrage darauf hin, dass die Schulzeiten einschließlich der dort zur Verfügung stehenden Betreuungs- und Beratungsstunden nur sehr beschränkt für Problemlösungen ausreichen. Darüber hinaus gäbe es ja auch noch den großen familiären und Freizeit-Bereich als Konfliktpotential, auf den sie wenig Zugriff habe.