Wer durch diesen Eingang die Linkenboldshöhle betritt, den erwarten bizarre Felsformationen. Foto: Ulrike Zimmermann

Sie gewährt einen Blick tief unter die Erde: Zweimal im Jahr ist die Linkenboldshöhle bei Onstmettingen für die breite Öffentlichkeit zugänglich: an Christi Himmelfahrt und am Tag des offenen Denkmals. Am 8. September ist es wieder soweit.

Führungen bietet der Schwäbische Albverein, Ortsgruppe Onstmettingen, am Sonntag, 8. September, von 9 bis 17 Uhr in der Linkenboldshöhle an – und dann bekommen die Besucher Bizarres zu sehen.

 

Mehr als 2700 Höhlen gibt es in Baden-Württemberg. Auf der Schwäbischen Alb sind die meisten durch Verkarstung des Kalkgesteins entstanden – auch die Linkenboldshöhle auf Onstmettinger Gemarkung. Im Volksmund wird sie auch Linkenboldslöchle genannt.

Wann die Linkenboldshöhle entdeckt wurde, steht nirgends geschrieben. Die ältesten Berichte stammen aus dem 18. Jahrhundert, denn erst im Zeitalter der Aufklärung wollten die Menschen systematisch ihre Umwelt erforschen. Aber bis zur Erschließung der Höhle war die Besichtigung ein abenteuerliches Unternehmen und erforderte sportlichen Einsatz. Vermutlich stieg man durch das natürliche Schachtloch, die Eingangsspalte, mit Leitern acht Meter tief in die dunkle Unterwelt oder seilte sich ab.

Der Kobold führt ein wildes und mutiges Heer an

Zur Linkenboldshöhle gibt es Sagen und Mythen. Weit verbreitet war die Vorstellung vom Linkenbold. Der sei ein Kobold, der im Linkenboldslöchle lebe und ein wildes und mutiges Heer anführe. Keine Sage zur Linkenboldshöhle wurde so bekannt wie die von Carl Metzger (1892 bis 1953) zu einem historisch romantischen Heimatspiel aus dem 15. Jahrhundert verarbeitete Geschichte „Der Linkenbolder“. Der Uraufführung am 23. Februar 1929 von Mitgliedern des Turnvereins Onstmettingen folgten sieben weitere Aufführungen in Onstmettingen, Tailfingen und Ebingen. Das historische Schauspiel war ein voller Erfolg und ließ die Vereinskasse klingen.

Der Linkenbold versteckt sich in dieser Felsformation. Foto: Zimmermann

Im 19. Jahrhundert kam die Idee auf, die Höhle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, aber die bürgerliche Gemeinde zögerte. Da ergriff der damalige Pfarrer Jauß die Initiative und gründete mit dem Bürgermeister und einigen Onstmettinger Bürgern die erste Aktiengesellschaft am Ort. Die Linkenboldsgesellschaft schloss einen Vertrag mit der Gemeinde. Sie sollte die Höhle erschließen und für die Dauer von 50 Jahren nutzen dürfen. In erster Linie ging es darum, das nötige Geld für das Bauvorhaben zusammenzubringen. Durch den Durchbruch eines Tunnels sollte ein ebener Weg in die Höhle geschaffen werden.

Die Arbeiten waren aufwendig und nicht ungefährlich. Alles musste mit Muskelkraft der Menschen, Pferde und Ochsen bewerkstelligt werden. Als der Eingangsstollen fertig war, wurde er mit einer schweren eisernen Tür verschlossen. Am 24. und 25. Juni 1876 fand ein großes Eröffnungsfest statt.

200 Kerzen und ein großer Kronleuchter bringen Schäden ans Licht

Elektrisches Licht gab es noch nicht in der Höhle, aber ein großer Kronleuchter mit zwölf Paraffinkerzen hing vor dem Linkenbolder, und die Wände waren mit 200 Kerzen beleuchtet. In der ersten Zeit nach der Erschließung waren die Höhlenfeste ein Anziehungspunkt für die Bevölkerung, aber im Laufe der Zeit ließ das Interesse nach. Die einst erhofften großen Gewinne blieben aus.

Hochzeitstorte wird diese Felsformation genannt. Foto: Zimmermann

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ging die Höhle zwangsweise in den Besitz der Gemeinde über. Es gab niemanden, der sich um die Höhle kümmerte. Irgendwann wurde die eiserne Tür aufgebrochen und die Höhle verwahrloste.

1974 bot sich den Vertretern der Albvereins-Ortsgruppe Onstmettingen ein trostloses Bild mit wilden Feuerstellen, Schlamm, Unrat und Abfällen aller Art. Schlimmer aber waren die irreversiblen Schäden an den Wänden: Abgeschlagene Tropfsteine zeugten von brachialer Zerstörungswut, ebenso schwarz verrußte Sinterwände und zahlreiche Kletterspuren.

Die Albvereins-Ortsgruppe beschließt: Jetzt ist Schluss mit der Verwüstung

Einige Mitglieder der Albvereinsgruppe beschlossen, die Höhle vor weiterer Verwüstung zu schützen, und gingen ans Werk. Die Stadt Albstadt stellte das nötige Material und Fahrzeuge zur Verfügung. Am 6. und 7. September wurde das erste Höhlenfest nach der Wiedereröffnung gefeiert. Mit einer behelfsmäßigen Beleuchtung und einem geliehenen Stromaggregat der Feuerwehr strahlte die Höhle im hellen Licht und begeisterte die rund 2000 Besucher.

Eng: der alte Einstiegsschacht Foto: Zimmermann

Daraufhin wurde beschlossen, die Höhle wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und eine fest installierte Beleuchtung eingebaut. Aber die Tür blieb verschlossen, vor allem aus Naturschutzgründen. Die Linkenboldshöhle ist ein Fledermausquartier im Winter. Durch den alten Einstiegsschacht und die speziell angefertigte Stahltüre ist der Ein- und Ausflug der Tiere jederzeit gewährleistet.

Mitglieder der Albvereinsgruppe bieten für Interessierte Führungen auch außerhalb der offiziellen zwei Öffnungstage an – außer von Ende Oktober bis Mitte April –, um den Winterschlaf der Fledermäuse nicht zu stören.

Am Sonntag wird am Höhleneingang bewirtet.