Im Juni gab es im Schwarzwald-Baar-Kreis Hitzewarnungen – davon ist jetzt keine Rede mehr. Nach dem vielen Regen: Wann kommt der Sommer zurück?
Der Start in die Sommerferien fiel in der Region buchstäblich ins Wasser. Statt Sonnenschutz und Badespaß unter freiem Himmel wie während der Hitzeperiode im Juni mutierten im Juli Jacke und Regenschirm zur täglichen Grundausstattung beim Verlassen der Wohnung. Wann wird es wieder sommerlich schön?
Oliver Klein, Meteorologe beim Wetterstudio Bad Dürrheim, stellt eine Wetteränderung ab Mitte der kommenden Woche in Aussicht. Die relativ niedrigen Temperaturen und der viele Regen in den vergangenen Woche resultiere aus „einer festgefahrenen Wetterlage“. Das Tief Karl-Heinz sitzt über Südskandinavien zwischen zwei Hochs. Das habe in Finnland beispielsweise für ungewöhnliche 30 Grad Celsius gesorgt. Bei uns hingegen führt das stagnierende Tief seit einiger Zeit zu mäßig warmem und nassem Wetter.
Jetzt ist endlich Besserung zu erwarten. Denn Mitte der nächsten Woche erreicht laut Oliver Kleine der Ableger eines Azorenhochs auch unsere Region. Das führe zu einer nachhaltigen Erwärmung mit Temperaturen um die 30 Grad Celsius. Wie nachhaltig sich dieses Hoch gestalte sei noch nicht ganz klar. „Es könnte sein, dass wir eine Hitzewelle bekommen, das deutet das Wettermodell an.“
Kommt eine neue Hitzewelle?
Der viele Regen habe im Bodenseebereich für leichtes Hochwasser gesorgt. „Der Pegelstand ist um rund 45 Zentimeter gestiegen.“ Auch der Rhein weise einen erhöhten Pegelstand auf. „Für die Bodenfeuchtigkeit und das Grundwasser war der viele Regen gut, auch für die Wälder sei die bisherige Wetterlage ideal.“ Von Waldbrandgefahr wie noch im Juni keine Rede mehr.
Wie sieht es mit der Ernte aus? Durchwachsen, so könnte man den Bericht des Landwirtschaftsamtes Donaueschingen zusammenfassen. „Die Niederschläge waren in den Monaten Februar bis Juni sehr gering und die Wasservorräte aus den Wintermonaten begrenzt. Die Ackerkulturen bildeten ein gutes Wurzelwerk aus und so eine Zeit lang die restlichen Wasservorräte erschließen“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Bei frühen Kulturen wie Wintergerste habe dies für sehr gute Erträge ausgereicht.
Warten auf gutes Erntewetter
Bei späteren Kulturen wie zum Beispiel beim Winterweizen oder Winterraps führten die heißen Temperaturen und die zunehmende Trockenheit Ende Juni zu einer stark beschleunigten Abreife, was voraussichtlich zu Ertragseinbußen führen werde.
Positiv war der sehr geringe Druck durch Pilzkrankheiten. Dadurch ließ sich der Pflanzenschutzeinsatz auf ein absolutes Minimum reduzieren. Die einsetzenden Niederschläge im Juli kamen vor allem den Grünlandbeständen sowie dem Silomais zugute. Drusch-Früchte wie Weizen, Gerste, Hafer profitierten oft wenig, weil der Reifeprozess bereits zu weit fortgeschritten war.
Die Getreidebestände seien jetzt größtenteils erntereif. „Wir warten auf gutes Erntewetter.“ Bei der Heuernte seien die Erträge bisher durchschnittlich ausgefallen. „Das Wachstum ist nach dem zweiten Schnitt durch die Trockenheit stark gebremst worden, wird aber nach der Regenphase wieder an Fahrt aufnehmen, so dass man auf einen guten dritten Schnitt hoffen kann.“
Leicht erhöhte Pegelstände
Die Pegelstände in den Flüssen liegen laut Landratsamt aufgrund der Niederschläge aktuell (Stand: 29. Juli) über dem mittleren jährlichen Niedrigwasserstand. Sobald die Niederschläge aufhören, sei zu beobachten, dass die Pegel rasch wieder absinken, so dass sich erneut eine Niedrigwassersituation einstellen kann.
Hochwasser sei aktuell nicht zu erwarten. Allerdings bleiben lokale Überschwemmungen möglich, „die durch örtlich stark begrenzte Starkregenereignisse oder Gewitter verursacht werden können“.