Die deutschen Handballerinnen halten bei der WM dem Druck stand, jetzt müssen sie den Rückenwind für die erste Medaille seit 2007 nutzen, kommentiert unser Autor Jürgen Frey.
Wie im Rausch waren diese deutschen Handballerinnen durch Vor- und Hauptrunde geflogen. Klar präsentierten sich die Gegner zum Teil erschreckend schwach, doch die Art und Weise wie die Spiele (im Schnitt mit knapp 13 Tore Unterschied) gewonnen wurden, verdient großen Respekt. Nicht auszudenken, wenn das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch ausgerechnet im ersten K.-o.-Spiel, das endlich auch live im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt wurde, sein berühmtes Zitterhändchen bekommen hätte, die Nerven wie schon so oft in den vergangenen Jahren bei einem Alles-oder-nichts-Spiel versagt hätten. Die erfrischenden Auftritte davor hätten keinen Menschen mehr interessiert. „Alles wie immer“, wäre das ernüchternde Fazit gewesen, die Verlängerung von Gaugischs bis April 2026 laufenden Vertrags praktisch undenkbar geworden.
Doch die DHB-Auswahl hielt dem Druck in diesem historischen Spiel in der „Kultstätte des deutschen Handball“ gegen Brasilien (30:23) beeindruckend stand und hat die Pflicht (die es wegen des Turnierbaums nun mal war) erfüllt. Erstmals seit der EM 2008 steht sie bei einem großen Turnier wieder in einem Halbfinale. Das ausgegebene Ziel ist erreicht, das Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann“ konnte bei dieser Heim-WM umgesetzt werden. Auch wenn die Finalrunde in Rotterdam über die Bühne geht, der Rückenwind aus den Spielen in Stuttgart und Dortmund kann viel bewirken und sollte genutzt werden. Zumindest im Halbfinale ist das gefestigte DHB-Team gegen Dänemark oder Frankreich nicht chancenlos. Bei einem Sieg wäre die erste Medaille seit der WM 2007 sicher. Und dann? Dann ist alles möglich.