Redaktionsvolontär Thomas Rahmann entdeckt auf der Tour „Spuren des Schäfers“ auch Ziegen. Foto: Rahmann

Die zweite Tour „Auf den Spuren des Schäfers“, die vom Bahnhof auf die westlich gelegenen Hochflächen über die Lützenschlucht führt, ist per App via Smartphone gleichzeitig auch als digitale Schnitzeljagd erlebbar. Schnitzeljäger erwarten dort Infos, Audiodateien und Quizfragen.

Die Tour „Auf den Spuren des Schäfers durch Wildberg“ besteht aus zwei Teilen. Teil eins führt über die Klosteranlage Maria Reuthin in die Hänge östlich von Wildberg, Teil zwei führt vom Bahnhof westlich über die Hochflächen zum Schafhof des aktuellen Wildberger Stadtschäfers Karl-Martin Bauer und von dort durch die Lützenschlucht. Eine Besonderheit: Die zweite Tour ist auch digital erlebbar.

 

Hierzu lade ich die sogenannte Actionbound App auf mein Smartphone herunter, klicke auf „Bound finden“ und anschließend auf „Suchen“ und gebe das Kennwort „schaf1723“ ein.

Mit der Tour könne ich „den Schäferlauf erleben, auch wenn das Fest gerade nicht stattfindet“, lese ich in der App. Wie die Teilnehmenden am Schäferlauf müsse ich für sogenannte „Schäferpunkte“ in der App arbeiten.

Sparschwein mit „Schäferpunkten“

Startpunkt der Tour ist das Bahnhofsgebäude, dem ich mich nähere. Die App zeigt mir an, wie viele Meter ich noch vom jeweils kommenden Ziel entfernt bin. Schließlich bin ich angekommen – was die App durch GPS-Signale ebenfalls erkennt. Auf dem Bildschirm erscheint ein Sparschwein, in das Gewinn-Punkte fallen. Meine ersten Schäferpunkte zu bekommen, ist also nicht schwer. An anderen Stationen muss ich allerdings Fragen beantworten oder Raten, um Punkte zu bekommen.

Gegen Ende der Tour soll ich einen Weg entlang 300 Schritte gehen, dann zurückschauen, und die Distanz schätzen. Denn 300 Schritte müssen die Jungen und Mädchen beim Schäferlauf barfuß über die Festwiese rennen.

Meine Erwachsenen-Schritte sind selbstverständlich zu groß, weshalb ich nach bereits 200 Schritten die Wegbiegung erreiche, nach der ich nicht mehr bis zum Anfang des Wegs zurückblicken könnte. Ich schätze also 300 Kinderschritte auf 125 Meter. Falsch, es sind 148 Meter. Keine Punkte.

In der App begegnen mir an einigen Stationen Audiodateien, auf denen ich Sequenzen eines Interviews mit Stadtschäfer Bauer höre. Seine Schäferei gibt es seit acht Generationen. Ich höre, für ihn sei es „keine Frage, dass ich das weiter mache“ gewesen. Für das Leistungshüten wähle er 300 seiner 850 Mutterschafe auf sehr pragmatische Weise aus: „Die ersten 300, die kommen, gehen meistens mit.“

Ich stehe an seinem Hof vor dem grünen Schäferwagen und höre eine Audiodatei, in der Bauer über seinen altdeutschen Hütehund spricht, der mit ihm jeden Tag draußen sei. Die Aufgabe des Hunds sei darauf zu achten, dass die Schafe im Revier bleiben und nichts anderes fressen.

Mit der Zeit sehen die Hunde selbst, wo die Furchen zwischen Äckern und Weiden verlaufen. Beim Schäferlauf werde bewertet, wie der Hund die Furche als Grenze einhält, die Schafe in Ruhe fressen lässt, Befehle annimmt und ein herfahrendes Auto umgeht. Nach jeder Audiosequenz gibt es eine Frage zum Gehörten – und bei richtiger Antwort Punkte.

Reizvoller Feldweg und üppige Obstbäume

Dadurch, dass die Tour vom Bahnhof aus über das Bahnhofsträßle direkt aufwärts geht, bieten sich mir einige sehr schöne Ausblicke auf Wildberg. Auf der Hochebene angekommen bietet mir die Streuobstallee, die an den Kantweg anschließt, sowohl einen reizvollen Feldweg zwischen üppig behangenen Obstbäumen als auch einen Ausblick auf die Hänge gegenüber, auf denen Stadtschäfer Bauer im Sommer seine Schafe weiden lässt. Die Wege sind teilweise recht steil, oft bietet die App aber auch an, eine Station zu überspringen und einen flacheren Aufstieg zu wählen.

Eine Option, die ebenfalls zur Wahl steht, ist entweder eine Schleife über den Hof des Stadtschäfers zu drehen oder direkt durch die Lützenschlucht zu wandern. Direkt mit der Schäferei hat die Lützenschlucht nichts zu tun, doch diene sie laut App als Beispiel für das teilweise beschwerliche Gelände des Schwarzwalds, das die Schäfer aus anderen Regionen überwinden mussten, um zum Schäferlauf nach Wildberg zu kommen.

Außerdem bietet die Schlucht natürlich noch einen zusätzlichen Reiz der Tour: Das Plätschern des Lützentalbachs durch üppiges Grün, vorbei an eindrucksvollen Buntsandsteinformationen und unter einigen Brückchen hindurch ist beruhigend und aufregend zugleich.

Wer die Augen offen hält, kann am Rand des Weges auch größere und kleinere Tiere entdecken. Neben umzäunten Hühnern, Ziegen und Schafen begegnet mir auch eine Spitzmaus am Nagoldufer und eine Ameisenstraße, die einen Baumstamm auf der Hochebene hinaufführt.

Schnitzeljagd ist attraktiv für Kinder

Gerade mit Kindern dürfte die Tour durch die zusätzliche digitale Schnitzeljagd attraktiv sein. Die Infoteile sind kurz, lokal direkt auf die jeweilige Station bezogen und eben teilweise als Audiodatei hörbar. Das Punktesammeln ist ein Ansporn – und unabhängig von der erreichten Punktezahl können sich Wanderer nach der Tour bei der Tourist-Information am Rathaus von Wildberg ein kleines Geschenk abholen.

Nützliches zur Tour

Länge:5,7 Kilometer

Entstehung: 2019 durch die Stadt Wildberg in Kooperation mit dem Webentwickler ScottyScout entstanden.

Parken: Beim Bahnhof

Eignung für Rollstühle und Kinderwagen: Nein

Ausrüstung: Festes Schuhwerk oder Wanderschuhe. Vorsicht, bei Nässe kann insbesondere der Abstieg bei der Lützenschlucht rutschig sein.

Sportliche Herausforderung: Die steilen Auf- und Abstiege, beispielsweise durch die Lützenschlucht, bieten eine gewisse Herausforderung.

Gesamtanstieg: 138 Meter

Einkehrmöglichkeit: Restaurant Talblick, Rockcafe Cliff, Sportgaststätte Rubera, The Pizza-King, Gasthof Krone