In sogenannten Freien Wirtschaftszonen zahlen Unternehmen in Litauen eine Zeit lang überhaupt keine Steuern. Russlands Angriff auf die Ukraine hat zwar manche Investoren verunsichert, aber keine massiven Kapitalabflüsse ausgelöst.
Langsam steuert Tomas Buzas den Hybrid-SUV durch das Industriegebiet. Der Manager ist in der Freien Wirtschaftszone Kaunas für das Marketing zuständig. Auf dem weitläufigen Gelände in der Nähe der zweitgrößten litauischen Stadt sind etliche neue Werkshallen zu sehen. Dazwischen verlaufen neue Straßen, auf vielen Parzellen wird gebaut. Wie es aussieht, erfreut sich der Standort großer Beliebtheit bei Investoren.
Deutsche Firmen sind gefragt
Eine wichtige Zielgruppe sind dabei deutsche Unternehmen. Schließlich ist die Bundesrepublik wichtigster Handelspartner des größten der drei baltischen Staaten. Das erklärt, warum Litauen in Deutschland mittlerweile drei Wirtschaftsattachés beschäftigt, die als Ansprechpartner für hiesige Unternehmen fungieren. Direkt neben dem Werk des deutschen Autozulieferers Continental steht eine Halle des Konkurrenten Hella. Auch ein großer Möbelproduzent, der unter anderem Ikea beliefert, produziert in der Freien Wirtschaftszone Kaunas.
Während Buzas von den vielen erfolgreichen Ansiedlungen erzählt, ist es nicht leicht, eine Zwischenfrage zu stellen. Schielen Investoren nicht in erster Linie auf die Steuervergünstigungen in Klaipeda und den sechs anderen Freien Wirtschaftszonen? Dort fallen zehn Jahre lang keine Gewinnsteuern an – und in den sechs Jahren danach nur die Hälfte des normalen Satzes von 15 Prozent, der im EU-Vergleich ebenfalls sehr niedrig liegt. Buzsas meint jedoch, dass die Steuervorteile nicht der entscheidende Faktor seien: „Für die meisten Investoren sind vor allem die gute Infrastruktur, die kurzen Wege und die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal ausschlaggebend.“ Wirtschaftsministerin Ausrine Armonaite betont, die Niedrigsteuern stünden in Einklang mit EU-Regeln. Auch Deutschland gewähre Investoren teilweise hohe Subventionen, sagt sie mit Blick auf die Milliardenbeihilfen für die Intel-Chipfabrik in Magdeburg.
Nato als Sicherheitsgarantie
Seit Russlands Angriff auf die Ukraine sorgten sich manche Investoren um ihre Geschäfte in Litauen, räumt die Ministerin ein. Aber keiner habe das Land, dass sich 1990 als erste Ex- Sowjetrepublik unabhängig erklärt hatte, deshalb verlassen. Nach Angaben der Litauischen Zentralbank sind die gesamten ausländischen Direktinvestitionen 2022 um 9,7 Prozent auf 29,7 Milliarden Euro gestiegen. „Dank der Nato können sich Unternehmen hier sicher fühlen“, sagt Armonaite. Früher als Deutschland hat sich Litauen auch von Gas aus Russland unabhängig gemacht. Im Hafen von Klaipeda liegt seit 2014 die „Independence – ein schwimmendes Flüssiggasterminal. Ironie des Schicksals: Das Schiff ist in den russischen Nationalfarben rot, weiß und blau lackiert. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung habe ergeben, dass es sich so am unauffälligsten in die Umgebung einfüge, heißt es bei der Hafengesellschaft.