Blick über den Rhein: Toni Vetrano will an der WRO-Spitze die Zusammenarbeit mit der Nachbarregion stärken. (Archivfoto) Foto: Achnitz

Designierter Chef Toni Vetrano stellt Ideen vor. Firmen kommen gut durch die Krise.

Kehl - Alle zwei Jahre wechselt die Spitze der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO). Zum 1. Juli übernimmt der Kehler OB Toni Vetrano. Zum Amtsantritt kündingt er an, die rheinübergreifende Kooperation und den Fachkräftemangel in den Fokus zu nehmen.

Dabei steht jetzt schon fest, dass Vetrano eine kürzere Amtszeit als sein Vorgänger, Acherns OB Klaus Muttach, haben wird. Ende April gibt er sein Bürgermeisteramt ab und scheidet damit auch aus den Gremien der WRO. "Dennoch hab ich den Ehrgeiz, ein paar Impulse zu geben", erklärt er bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Kehl. Sein Stellvertreter wird Lahrs OB Markus Ibert.

Eine seiner beiden "Leitplanken" für Vetranos Amtszeit sieht er in der Erweiterung des gemeinsamen Lebensraums Richtung Westen. Hier bringe er große Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Straßburg mit, betont er. So pendelten etwa 12 000 Menschen täglich nach Kehl, rund ein Drittel davon von der französischen Rheinseite. "Das zeigt welche Dynamik wir innerhalb des gemeinsamen Lebensraums haben", so Vetrano.

Es gebe bereits viele gute Verknüpfungen, "es gibt aber auch Themen, bei denen wir uns stärker einbringen können". Die Möglichkeiten des Achener Vertrags wolle er auch auf die Wirtschaft ausdehnen. Konkrete Projekte will Vetrano noch nicht nennen, um nicht vorzugreifen – stellt aber in Aussicht, dass das bald nachgeholt werde.

Sein zweites Thema sei die "soziale Balance", erklärt der Kehler Oberbürgermeister. "Wir bräuchten einen Zuzug von 2000 Menschen pro Jahr, damit die Bevölkerung nicht schrumpft." Darunter bräuchte es auch viele Fachkräfte – doch nicht nur Manager und Führungskräfte oder Experten aus der Industrie, sondern auch Pflegekräfte oder Erzieher. "Für diese Menschen haben wir ein wenig die Entwicklung des Wohnraums aus den Augen verloren", konstatiert Vetrano. Bezahlbaren Wohnraum sei zwar nicht Aufgabe der WRO, aber durchaus die der Meinungsführer der großen Firmen im Kreis für das Thema zu trommeln. Eine Musterlösung für den "Fachkräftemangel in den sozialen Bereichen" habe er dabei nicht. Es handele sich jedoch um eine "Herausforderung der sich die Wirtschaftsregion stellen muss".

Dank und Lob gab es für OB Klaus Muttach, dessen Stellvertreter Vetrano in den vergangenen zwei Jahren war. Er springe quasi auf einen fahrenden Zug auf einem guten Gleis auf, so der Kehler OB.

Keine Selbstverständlichkeit, fiel doch die Corona-Pandemie genau in Muttachs Amtszeit. "Die Blaupause für Corona hat keiner in der Tasche gehabt", konstatiert dieser rückblickend. Trotzdem sei alles nicht so schlimm gekommen, wie zunächst befürchtet. "So wie ich das wahrnehme, kommen viele Firmen relativ gut durch die Krise durch", berichtet Muttach. Die Kurzarbeit habe segensreich gewirkt, auch dass sehr viele Betriebe durchgehend arbeiten durften.

Insolvenzen habe es coronabedingt unter den 180 Mitgliedsunternehmen nicht gegeben, berichtet WRO-Geschäftsführer Dominik Fehringer. Die Vielfältigkeit unter den Mitgliedern sei dabei sehr groß, dementsprechend auch die Auswirkungen der Krise: Die Hotellerie oder auch der Europa-Park hätten durchaus sehr gelitten. Die "systemrelevante Industrie" sei gleichzeitig extrem nachgefragt worden.

Noch unter Führung Klaus Muttachs hat die Gesellschafterversammlung – also die Vertreter von 50 Ortenauer Kommunen – im Vorfeld des Pressegesprächs am Mittwoch beschlossen, das Profil der WRO zu "schärfen". So sollen die Marken "Black Forest Health" und "E-Commerce Ortenau" an neue Träger übergeben werden, erläuterte Muttach am Mittwoch. Die WRO wolle sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, darunter auch das Thema Existenzgründungen. "Wir wollen das Gründergeschehen stark begleiten", betonte Muttach, konkret durch das Gründernetzwerk Start-up-Connect als Teil der WRO. Die Förderung von Gründungen soll dabei auf ein oder zwei Standorte im Kreis konzentriert werden, wo genau sei noch nicht entschieden. Mit der IHK sei man wegen eines Fonds für Start-ups im Gespräch.