Ein Laser schneidet Teile aus einer Platte. Diese Technologie wird auch im Kreis Rottweil hergestellt. Doch wie steht es um die wirtschaftliche Lage im Kreis? (Symbolbild) Foto: rul8let - stock.adobe.com

Die Wirtschaft steht derzeit vor vielen Herausforderungen – Fachkräftemangel ist nur eine davon. Das fordern die Unternehmen aus dem Kreis Rottweil von der Politik.

Insolvenzen, Kurzarbeit und hohe Zölle belasten die Wirtschaft seit längerer Zeit. Auf der anderen Seite fehlt es auch an Fachkräften und Nachwuchs. Könnte eine neue Landesregierung Hoffnung bringen? Unsere Redaktion erkundete sich bei den Unternehmen im Kreis Rottweil nach der aktuellen Lage und den Herausforderungen. Das fordern sie von der Politik.

 

MS-Schramberg Als äußerst wettbewerbsintensiv und volatil beschreibt Volker Patz, Geschäftsführer von MS-Schramberg, die aktuelle Wirtschaftslage auch im Hinblick auf die asiatischen Wettbewerber. Die Planbarkeit sei nur sehr eingeschränkt möglich und das meist nur über kurze Zeiträume. „Wir kämpfen mit hohen Arbeits- und Energiekosten, ohne dass sich ein Lichtstreif am Horizont sichtbar zeigt“, sagt der Geschäftsführer.

Unsicherheit durch steigende Insolvenzen

Außerdem steige die Unsicherheit bezüglich Zahlungsausfällen von Kunden und der steigenden Insolvenzgefahr von Lieferanten und Kunden. Die Margen, also die Differenz zwischen Verkaufserlös und Kosten, seien auf Dauer nicht zufriedenstellend. Wichtig sei es derzeit, die Fähigkeit zu behalten, schnell auf Marktschwankungen reagieren zu können, ist Patz sich sicher.

Auch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump beschäftigt das Unternehmen. Durch chinesische Exportkontrollen für Seltene Erden, die unter anderem aus Trumps Zollpolitik resultierten, würde die Unsicherheit in Lieferketten wachsen. Längere und teilweise unklare Lieferzeiten und Lieferverzug an Kunden bilden dabei Sorgenfalten. Außerdem wirke sich das Handeln des US-Präsidenten in höherem Aufwand für die Verzollung von Exportwaren und der Verteuerung der Produkte im Dollarraum aus.

Junghans Ähnliche Bedenken und Herausforderungen schildert auch das Unternehmen Junghans aus Schramberg. „Insgesamt herausfordernd“ findet auch Hannes Steim, geschäftsführender Gesellschafter bei Junghans, die Weltwirtschaftslage: „Durch die Vielzahl an weltpolitischen Konflikten herrscht eine große Verunsicherung bei den Konsumenten.“ Viele Menschen seien bei Ausgaben eher zurückhaltend und würden meist eher abwarten. Die Lage am Arbeitsmarkt würde die Situation zusätzlich verschärfen. Auch die Zollpolitik der USA beeinflusse die Arbeit. Erst vor einem Jahr hat das Unternehmen eine Vertriebsniederlassung in den USA gegründet, berichtet Steim.

Wettbewerbsdruck aus China steigt

Trumpf Laser SE „Die Talsohle scheint erreicht, und unser Auftragseingang ist stabil. Leider jedoch weiterhin auf zu niedrigem Niveau“, sagt Björn Dymke, Geschäftsführender Direktor der „Trumpf Laser SE“ in Schramberg. Wie auch bei MS-Schramberg spürt das Unternehmen den Wettbewerbsdruck aus China, welcher stark zugenommen habe.

Die Zollpolitik von Donald Trump führe zu Unsicherheiten und Zurückhaltung im Investitionsverhalten der Kunden, so Dymke. Außerdem gebe es einen bürokratischen Mehraufwand. Dabei seien die bürokratischen Hürden in Deutschland ohnehin hoch, wie das Unternehmen berichtet. Die hohen Lohnnebenkosten und „immer noch nicht wettbewerbsfähige Energiepreise“ seien ebenfalls herausfordernd.

Sailer & Sailer ImmobilienBürokratie ist auch im Immobilien-Sektor – besonders im Bereich Betrieb und Verwaltung, also Vermietung und Verpachtung, der Bestandsimmobilien und beim Neubau – ein großes Thema, berichtet Geschäftsführer Norman Sailer von Sailer & Sailer Immobilienmanagement. „Die Immobilienbesitzer und Bauherren werden seit einigen Jahren mit immer mehr teuren Anforderungen, Regulierungen und Auflagen torpediert. Aufgrund der üblichen niedrigen Renditen, welche bei Vermietungen erzielt werden, sind diese Kostensteigerungen sehr problematisch.“

Teurere Anforderungen und Auflagen

Die erzielbare Miete sei aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation und der Leistungsfähigkeit der Mieter begrenzt und reguliere zusätzlich immer stärker den Wohnraum, sagt Sailer. Derzeit seien keine neuen Bauprojekte in Planung, da die Nachfragesituation momentan nicht groß genug sei.

Forderungen an Politik Doch was muss sich nun aus Sicht der Unternehmen tun? Und was fordern sie von der neuen Landesregierung? Volker Patz von MS-Schramberg wünscht sich, dass die Landespolitik erfolgreich bei der Ansiedlung von neuen, zukunftsträchtigen Technologien unterstützt, die aus den Hochschulen heraus entstehen und auch die Unterstützung des Mittelstands zur Innovation leisten könnten.

Umsetzungsprobleme in Beseitigung von Problemen

Wichtig sei vor allem eine Bildungspolitik mit „einem gesunden Leistungsgedanken und modernen Bildungseinrichtungen auf Höhe der Zeit“, so der Geschäftsführer. „Wir haben in Deutschland kein Erkenntnisproblem der Problempunkte, sondern ein Umsetzungsproblem in deren Beseitigung. Wir sind Verwalter geworden an Stelle von Gestaltern.“

Gemeinsam statt gegeneinander

Bildung ist auch für die Firma Trumpf wichtig. Sie fordert neben dem Bürokratieabbau die Förderung von MINT-Bereichen und Wissensvermittlung rund um Künstliche Intelligenz und Robotik. „Eine gute Infrastruktur ist darüber hinaus gerade im ländlichen Bereich essenziell, um Fachkräfte zu halten und auch anzuziehen. Eine flächendeckende Kinderbetreuung ist dabei ein wichtiges Fundament für berufstätige Eltern“, so Björn Dymke.

Hannes Steim von der Firma Junghans hat ebenfalls klare Worte: „Meine Forderung ist, dass die Parteien endlich gemeinsam an konstruktiven Lösungen auf Landes- und Bundesebene arbeiten und nicht weiter auf Kosten von Wirtschaft und der Bevölkerung gegeneinander agieren.“

Reformen „ohne Angst vor Wählerstimmen“

Norman Sailer von Sailer & Sailer fordert „ernsthaftes“ Sparen von der Politik, einen „echten“ Bürokratieabbau und die Überprüfung und Vereinfachung von Baustandards, die sich auf die wichtigsten Maßnahmen wie etwa dem Energiebereich begrenzten. Außerdem spricht er sich für die Einstellung von Subventionen, insbesondere im Energiebereich, aus, da diese die Produkte nur verteuern würden. Notwendige Reformen müssten durchgeführt und nicht aus „Angst vor Wählerstimmen“ vertagt werden, wie etwa bei der Rente, Sozialversicherung und der Flüchtlingsproblematik.