Gut 150 Vertreter der Nagolder Wirtschaft trafen sich beim größten gewerblichen Arbeitgeber der Stadt zum 31. Wirtschaftsgespräch. Dabei wurde deutlich, dass die Stadt in manchen Belangen an ihre Grenzen stößt.
Von oben, von innen, von außen – der Komplex von Wagon Automotive auf dem Nagolder Wolfsberg ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend. Das dürften sich die mehr als 150 Gäste des 31. Nagolder Wirtschaftsgesprächs auch gedacht haben, als sie den Komplex am Donnerstagabend betraten.
Beeindruckend war dabei nicht nur die schiere Größe des Unternehmens, auch die Technik, die in diesem Komplex zum Einsatz kommt, hinterließ Eindruck. Umso mehr als das Treffen der Wirtschaftsgrößen der Stadt in den riesigen Hallen bei laufender Produktion über die Bühne ging.
Dass das Prestige der Veranstaltung immer noch hoch ist, das zeigte der Besuch und Auftritt von Orlando Caldari, Chefs der italienischen Tiberina-Gruppe, zu der Wagon Automotive gehört. Caldari, der eigens aus Umbrien angereist war, betonte wie groß seine Freude sei, wieder in Nagold zu sein. Das Unternehmen „Wagon Automotive“ bezeichnete Caldari in seinem Statement als „Star“ der Unternehmensgruppe, die einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro macht und 23 Werke auf der ganzen Welt betreibt.
Unternehmen sind gut unterwegs
Für Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann ist dieses Wirtschaftsgespräch nicht nur dafür da, um den Kontakt zur heimischen Wirtschaft zu pflegen, sondern auch, um über Gegenwart und Zukunft der Stadt zu sprechen. Was die Wirtschaft angeht, so stehe Nagold derzeit ziemlich gut da. „Die Nagolder Unternehmen sind sehr gut unterwegs“, lobte und freute sich das Stadtoberhaupt.
Die in anderen Teilen des Landes zu beobachtenden Rezessions-Tendenzen gebe es in Nagold nicht: „Bei uns meldet sich die Rezession noch nicht“, konstatierte er in einer der riesigen Fertigungshallen. Auch bei den Gewerbesteuereinnahmen sei man gut unterwegs und mehrere Millionen Euro über Plan. Großmann kam nicht umhin, auch auf die Schulden einzugehen, die die Stadt aufnehmen wird – etwa für das 35-Millionen-Projekt Zellerschule. Da brauche man in der Stadt und bei der Wirtschaft „nicht nervös werden“, meinte Großmann in seiner Rede.
Was Industrie- und Gewerbegebiete angeht, seien die Kapazitäten auf dem Wolfsberg ausgeschöpft. „Da sind wir ausverkauft“, musste Großmann einräumen. Auf dem Eisberg, wo derzeit viel gebaut wird – auch Wagon errichtet dort ein weiteres Werk, das noch in diesem Jahr in Betrieb gehen soll – habe man die Weichen für eine Erweiterung gestellt. Auch in den Teilorten sei man in dieser Hinsicht aktiv – etwa im Gebiet „Lettenäcker II“ in Hochdorf, wo eher kleinere Betriebe ihren Platz finden könnten.
Keine städtischen Wohnbauflächen mehr
Nicht nur auf dem Wolfsberg stößt die Stadt an ihre Platzgrenzen. Es gebe keine städtischen Wohnbauflächen mehr, so Großmann. Auf dem Oberen Steinberg erschließe man das letzte Wohngebiet der Kernstadt. Darüber hinaus entstünden aber Wohngebiete in Hochdorf und Vollmaringen.
Trotzdem hatte Großmann eine Überraschung für die Kernstadt im Gepäck. Für das Traube-Areal arbeite man an einer Verbindung von oberem und unterem Traube-Platz. Dort soll eine Treppenanlage – ähnlich einem griechischen Theater – die beiden Plätze verbinden und so neue Möglichkeiten für die Innenstadt schaffen.
Großmann verkündete auch den Start für das größte Bauprojekt der näheren Zukunft in der Nagolder Kernstadt. Anfang Juli werde die letzte Party an der alten Zellerschule steigen. „Und dann rollen die Bagger“, kündigte er an.
Die „urbanste Kleinstadt im Süden“
Ehrgeizige Pläne hat eine Gruppe rund um die City-Managerin Saskia Fortenbacher. Gemeinsam mit Florian Alber stellte sie beim Wirtschaftsgespräch das Projekt „Nagoldfieber“ vor. Was die Attraktivität der Innenstadt angeht, müsse man im besten Fall allen Mitbewerbern immer einen Schritt voraus sein, so Fortenbacher, die als Ziel nichts anderes formulierte als Nagold zur „urbansten Kleinstadt im Süden“ zu machen.
Mit diesen kühnen Plänen im Hinterkopf machten sich dann mit Warnwesten und Headsets ausgestattete Gruppen auf den Weg, um sich von Wagon-Mitarbeitern durch die wunderbare Technikwelt des Wagon-Werks führen zu lassen.