Äußerst rege war das Interesse der Mitglieder des Wirtschaftsforums Süd am Gedankenaustausch mit der Geschäftsführung der Schmalz-Gruppe in Glatten. Foto: Wirtschaftsforum Süd 

Arbeitgeber auf dem Land müssen attraktiv sein, um Fachkräfte zu gewinnen. Das legte Kurt Schmalz Führungskräften ans Herz, die er durch sein Unternehmen führte.

Glatten - Die Schmalz-Gruppe beschäftigt rund 1800 Menschen an 29 internationalen Standorten. Wenn es um die Teamführung bei den Vakuum-Spezialisten geht, setzen die Führungskräfte vor allem auf gegenseitiges Vertrauen und hohe Eigenverantwortung, erfuhren die Mitglieder des Wirtschaftsforums Süd bei ihrem Rundgang.

Die große Teilnehmerzahl dieser von Carl Christian Hirsch, Mitglied der IHK-Geschäftsführung, organisierten Veranstaltung habe gezeigt, wie sehr die Unternehmer aus den Landkreisen Calw, Freudenstadt und Pforzheim den direkten Erfahrungsaustausch während der Pandemie vermisst hätten, heißt es im Bericht des Wirtschaftsforums.

Vom Rasierklingen-Hersteller zum Vakuum-Spezialist

Die Geschäftsführer Kurt Schmalz und Andreas Beutel ließen es sich nicht nehmen, ihre Gäste auf dem 800 Meter langen Fußmarsch über das Firmengelände zu begleiten. Selbst beim abschließenden Umtrunk im repräsentativen Empfangsgebäude entwickelten sich noch rege Diskussionen über Philosophie und Zukunftspläne des Unternehmens, das großen Wert auf Aus- und Weiterbildung legt, wobei bewusst auch Jugendliche mit Förderbedarf eine Chance erhalten.

Im Verlauf seiner 112-jährigen Geschichte entwickelte sich Schmalz vom Rasierklingen-Hersteller zum Vakuum-Spezialisten, der längst wieder neue Marktnischen für sich entdeckt hat. "Sehr optimistisch" gab sich Kurt Schmalz, dass auch die Produktion von Stacks für Großbatterien ein erfolgreiches Geschäftsmodell sein wird. "Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir unseren Beitrag zur Energiewende gestalten können", schilderte der Geschäftsführer den Weg zur neuen Produktlinie, "und schon sind wir mittendrin."

Mit Fantasie durch die Pandemie

Ein Energiespeicher aus dem Hause Schmalz ist nahe Karlsruhe in einer Pilotanlage im Einsatz. Zukunftschancen sieht Schmalz außerdem in der Automatisierung der Lebensmittelbranche. Auch der Online-Handel wächst rasant.

Während der Corona-Zeit war Fantasie gefragt, um die Nachfrage am Laufen zu halten. So entstand die firmeneigene Schmalz-Expo, nachdem Messen gleich reihenweise abgesagt werden mussten. Die Büroräume wurden zeitgemäß umgestaltet. Es gibt moderne Arbeitswelten mit flexiblen Arbeitsplätzen, die auch dem Trend zum Homeoffice Rechnung tragen. Wenngleich die Pläne anfangs eher skeptisch beäugt worden seien, so Schmalz, schätzten die Mitarbeiter mittlerweile die höhere Flexibilität und die Möglichkeiten zur Kommunikation im Team an ansprechend gestalteten Orten. Mit der modernen Arbeitsplatz-Lösung konnten rund 20 Prozent der Bürofläche eingespart werden.

Schmalz unterstütze seine Mitarbeiter in allen Lebenslagen, heißt es weiter im Bericht des Wirtschaftsforums. Neben Modellen zur individuellen Gestaltung von Arbeitszeit und -ort gibt es das Betreuungsangebot in der Schmalz-Kinderwelt. Für die Pflege von Angehörigen investierte das Unternehmen in die Tagespflege der Dornstetter Diakonie.

Schmalz will Familienunternehmen bleiben

Effizientes und ressourcenschonendes Wirtschaften gehören quasi seit der Gründung zu den Grundprinzipien des Unternehmens – dafür wurde Schmalz schon mehrfach mit verschiedenen Nachhaltigkeitspreisen ausgezeichnet. Das Erfolgsgeheimnis umriss Schmalz selbst ganz im Sinne der Philosophie des Wirtschaftsforums Süd: "Gut vernetzt sein, von Fehlern anderer lernen und lernfähig bleiben!" Selbst bei der Frage, ob den Eigentümern nicht schon längst lukrative Übernahmeangebote aus China vorlägen, blieb Kurt Schmalz verbindlich: "Wir sind ein Familienunternehmen und wollen das auch bleiben!"

Info: Wirtschaftsforum Süd

Die Hilfe zur Selbsthilfe ist das zentrale Hauptanliegen des Wirtschaftsforums Süd, dessen Mitglieder aus den Kreisen Freudenstadt, Calw und Pforzheim stammen.

Der Unternehmerverein wurde vor rund 40 Jahren im Nordschwarzwald gegründet, um Persönlichkeiten aus der Wirtschaft zusammenzuführen. Das Wirtschaftsforum Süd fördert nach eigenen Angaben den Gedankenaustausch zwischen den Generationen.

Seine Vortragsabende und Seminare geben vielen Geschäftsinhabern und Führungskräften aus der Wirtschaft Impulse für das jeweils eigene Unternehmen. Städtereisen und Besuche in den Mitgliedsbetrieben seien optimale Foren für einen lebendigen Erfahrungsaustausch und Dialog, so der Unternehmerverein.