Mit einer Lichtaktion wird das neue Konzept der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Oktober 2021 gelauncht. Foto: Wifög

Die Wirtschaftsförderung in den Landkreisen Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen stimmt einen Dreiklang an.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Im Interview erklärt Henriette Stanley, die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft in der Region, was es damit auf sich hat.

 

Dreiklang Schwarzwald Baar Heuberg – das klingt gut, Frau Stanley. Aber vielleicht könnten Sie unseren Lesern kurz verraten, warum Sie ausgerechnet unter diesem Slogan werben?

Klar, gern: Die Zahl Drei hat tatsächlich eine zentrale Rolle in unserer Markenbildung für die Region. Zum einen durch den Namen Schwarzwald-Baar-Heuberg selbst, aber auch durch die drei Landkreise Rottweil, Schwarzwald-Baar, Tuttlingen und die drei Landschaften, die SBH prägen. Unsere drei Kernkompetenzen umfassen das Leben, Wohnen und Arbeiten in SBH. Ein perfekter Dreiklang!

Was dürfen die Unternehmen in den drei Landkreisen denn von der neuen Kampagne erwarten?

Grundsätzlich liegt der Fokus der Kampagne auf der Ansprache von Fachkräften. Der Mangel hat sich hier in den letzten Monaten nochmal deutlich verschärft und über die Markenbildung wollen wir die Region SBH in der inneren und äußeren Wahrnehmung bekannter machen, ihre Vorzüge und Attraktivität kommunizieren. Unternehmen profitieren zum einen von einem steigenden Bekanntheitsgrad der Gesamtregion, zum anderen gibt es sehr zielgerichtete Angebote und Kommunikationsmittel wie regionale Willkommenstüten für neue Mitarbeitende, Beratungen für Unternehmen zur Rekrutierung und zur Integration internationaler Fachkräfte, Formate in den Sozialen Medien zur Unterstützung bei der Suche nach qualifizierten Kräften und das Einbinden von attraktiven Standortfaktoren auf der Firmenwebseite – um nur einige beispielhaft zu nennen. Den Großteil dieser Angebote können die Betriebe kostenfrei über uns beziehen.

Wieviele Kommunen und Unternehmen sitzen hier eigentlich mit im Boot?

Die Gesellschafter unserer GmbH sind neben den drei Landkreisen, dem Regionalverband und den Wirtschaftskammern aktuell 19 Städte und Gemeinden sowie einem Gemeindeverwaltungsverband unserer Region. Derzeit steht bei weiteren Kommunen der Gesellschafterbeitritt kurz bevor. Auf Unternehmensseite fühlen wir uns für alle Betriebe jedweder Art, Größe und Branche zuständig – repräsentiert werden die Betriebe bei uns im Gremium des Beirates.

Die beteiligten Landkreise sind sehr unterschiedlich. Welcher der drei Klänge – Rottweil, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar – tönt eigentlich am lautesten in Sachen Wirtschaft?

Jeder der drei Landkreise ist einzigartig und besonders, das soll der Dreiklang auch hervorheben – drei verschiedene Töne, die aber zusammen einen harmonischen Klang ergeben. Auch wirtschaftlich gibt es Unterschiede, zum Beispiel was die vorherrschenden Cluster angeht. Von lauter oder leiser würde ich hier nicht sprechen, alle Landkreise sind stark aufgestellt und dieses Privileg, diese starke Position müssen wir uns bewahren.

Wenn Sie alle drei Landkreise kurz und knapp charakterisieren müssten, wie sähe das aus?

Alle haben gerade mit immensen Schwierigkeiten zu kämpfen, die Zeiten sind herausfordernd.

Wo nehmen Sie gerade die größten Hürden für die Wirtschaft in der Region wahr?

Nach wie vor ist der Fachkräftemangel eines der beherrschenden Themen. Aber gerade die aktuellen Entwicklungen weltweit beeinflussen natürlich auch uns: sei es der aufs Schärfste zu verurteilende Angriffskrieg in der Ukraine, Lieferkettenproblematiken oder die Teuerungsraten in vielen Bereichen. Die Herausforderungen sind momentan tatsächlich vielschichtig für die Wirtschaft, aber wir müssen uns ihnen gemeinsam stellen und Lösungen, auch zusammen mit den politischen Ebenen, finden.

Und sehen Sie die Region gut aufgestellt für die Zukunft?

Ich denke wir verfügen in der Region über ein gutes Fundament. Allerdings muss vehement daran gearbeitet werden, sich zukunftsfähig aufzustellen. Die Schlagwörter kennen wir alle: Digitalisierung, Technologisierung, Automation, Transformation. Dass wir diese Entwicklungen mit einem Weiterführen des Status Quos bewältigen könnten, glaube ich nicht. Davon, dass Schwarzwald-Baar-Heuberg eine Region mit Zukunft ist, bin ich aber überzeugt.

Hinsichtlich Standortmarketing scheint die Region aber noch Nachholbedarf zu haben – gehen wir nicht unter zwischen den Ballungszentren Stuttgart, Zürich und Freiburg?

Meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall. Nachholbedarf kann man auch positiv als Potenzial sehen – für die Kommunikation, für das Marketing, für das Herausheben unserer attraktiven regionalen Standortfaktoren. Wir sind kein urbaner Ballungsraum, sondern ländlich geprägt – deshalb gehen wir nicht unter, wir unterscheiden uns einfach von den genannten Zentren, und zwar im positiven Sinne. Das müssen wir entschieden, mutig und selbstbewusst nach außen tragen.

Wie kann die Wifög dabei helfen?

Das Standortmarketing für die Region kommt von uns und wird von uns ausgespielt. Dabei agieren wir aber nicht als Alleinkämpfer. Wir stellen Maßnahmen und Mittel zur Verfügung, um uns zusammen mit Kommunen und Unternehmen attraktiv nach außen präsentieren zu können. Beispiele sind unser neuer Buddy-Anhänger, mit dem wir Messen in- und außerhalb der Region, aber auch kommunale Veranstaltungen wie verkaufsoffene Sonntage, Azubibörsen und so weiter bespielen; Unternehmen können über uns regionale Willkommenspakete für neue Mitarbeitende anfordern; Beherbergungsbetriebe können Infotüten für in der Region weilenden Touristen kostenfrei beziehen.

Bezüglich der Fachkräfte kommt ja auch Ihr Welcome-Center mit ins Spiel. Haben Sie dort schon die Fühler ausgestreckt bezüglich der ukrainischen Flüchtlinge, die derzeit zu uns kommen?

Das Thema ist in meinen Augen schwierig: Zuallererst handelt es sich um eine humanitäre Katastrophe, bei der nach Kräften unterstützt werden muss – und zwar ohne Geflüchtete ausschließlich als schnelle Lösung für unseren Fachkräftemangel zu sehen. Grundlegende Bedürfnisse sollten erstmal im Vordergrund stehen: wo kommen die Menschen unter, wie werden sie versorgt, gibt es Unterstützung zur Bewältigung von Traumata und so weiter. Aber natürlich beraten wir mit unserem Welcome Center mehrsprachig zu Arbeitsmarktstrukturen und allem, was damit einhergeht – und sind auch in enger Abstimmung innerhalb der Region, um gute Lösungen zu finden. Momentan sammeln und bündeln wir erstmal die Angebote für Geflüchtete in der Region, um diese dann mehrsprachig und aktuell zur Verfügung stellen zu können.

Über ihre Homepage findet man die verschiedenen Ansprechpartnerinnen für die verschiedenen Bereiche – auffallend ist: Alle sind weiblich. Wie kam es dazu, wurde noch nie der Ruf nach mehr männlichem Input laut?

Die Frage wurde mir noch nie gestellt! (lacht) Wir sind ein tolles Team, meine Kolleginnen sind kompetent, machen eine super Arbeit und wir können uns aufeinander verlassen. Das sind doch die relevanten Kriterien und nicht das Geschlecht.

Sie selbst sind nun schon zwei Jahre lang Geschäftsführerin der Wifög – ist’s Ihr Traumjob?

Ja. Ich könnte mir keinen traumhafteren vorstellen und hoffe sehr, ihn noch eine ganze Weile lang weitermachen zu dürfen.

Und was schwebt Ihnen für die Zukunft noch vor?

An Ideen mangelt es nicht. (lächelt vielsagend) Aber kurz zusammengefasst stelle ich mir vor, Schwarzwald-Baar-Heuberg als Top-Standort zum Leben, Wohnen und Arbeiten bekannt zu machen, die Region zukunftsfähig aufzustellen und die vielen Herausforderungen gemeinschaftlich im Dreiklang zu meistern.

Vielen Dank für das kurzweilige Gespräch, Frau Stanley!