Kommt der Lückenschluss? Viele Anwohner der geplanten Trasse, hier das Wohngebiet Haslach/Wöschhalde in Villingen, gehen dagegen vor. Foto: Marc Eich

Der geplante Bau des zweiten Abschnitts der B 523, auch als Nordzubringer II oder Lückenschluss bezeichnet, soll wirtschaftlich nicht vertretbar sein.

Zu diesem Ergebnis komme der Verband „Transport and Environment“ (T&E) nach einer Auswertung der Daten im Bundesverkehrswegeplan. Dies teilt die Bürgerinitiative (BI) „Nordzubringer nein danke“ mit und sieht sich durch die Studie in ihrer Forderung bestätigt, wonach das Regierungspräsidium Freiburg die Vorplanung für das Straßenbauprojekt sofort einstellen müsse.

 

„Transport and Environment“ ist den Angaben der BI zufolge ein europäischer Verband, in dem sich seit 1989 mehr als 50 nichtstaatliche Umweltorganisationen zusammengeschlossen haben. In der aktuellen Studie habe T&E die Straßenbauprojekte des Bundesverkehrswegeplans 2030 auf den Prüfstand gestellt.

Höherer CO2-Ausstoß

Der Verband komme zu dem Schluss, dass bei den geplanten Straßenbauvorhaben die Umweltschäden durch den CO2-Ausstoß zu niedrig angesetzt sind. So gehe das Umweltbundesamt für das Jahr 2030 von 700 Euro Folgeschäden pro Tonne CO2 aus, die durch den Individualverkehr freigesetzt wird, während im Bundesverkehrswegeplan nur mit 145 Euro gerechnet wird. Dadurch würden zwei Drittel aller Straßenbauprojekte unrentabel, heißt es.

Auch die wissenschaftliche Erkenntnis, dass jeder neu gebaute Kilometer Straße zu mehr Verkehr und somit zu mehr CO2-Emissionen führt, werde nicht ausreichend berücksichtigt. Was konkret den zweiten Bauabschnitt der B 523 zwischen Querspange und B 33 angeht, komme die T&E-Studie zu dem Ergebnis, dass der Nordzubringer II nicht – wie derzeit angenommen – nur 2,25 Millionen zusätzliche PKW-Kilometer pro Jahr erzeugen wird, sondern zusätzlich 7,9 Millionen PKW-Kilometer, schreibt die BI in ihrer Pressemitteilung.

Viel mehr Kilometer

Auch die Betriebsleistung im Güterverkehr – der Begriff bezeichnet die Zahl der LKW multipliziert mit der Zahl der gefahrenen Kilometer pro Jahr – beziffere T&E fünfmal so hoch wie im Bundesverkehrswegeplan ausgewiesen. „Die Kohlendioxid-Emissionen für das Straßenstück würden demnach pro Jahr bei 1563 Tonnen liegen, und nicht nur bei 308 Tonnen, wie angenommen“, teilt die BI mit.

Die deutlich höheren Umweltkosten führen laut T&E dazu, dass sich das Nutzen-Kosten-Verhältnis für den Bau des Nordzubringers praktisch ins Gegenteil verkehrt. Es liege nicht mehr bei 3,1 (Bundesverkehrswegeplan), sondern nur noch bei 0,1. Damit sei der Bau wirtschaftlich nicht vertretbar, so die Schlussfolgerung der BI.

Höhere Baukosten

Dabei sei in der T&E-Studie noch gar nicht berücksichtigt, dass die Baukosten deutlich höher sein werden als die im Bundesverkehrswegeplan 2030 veranschlagten 25,9 Millionen Euro, sagt Thomas Schumacher, einer der beiden Sprecher der Bürgerinitiative „Nordzubringer nein danke“. Allein die Brückenkonstruktion am Mönchsee werde vom Regierungspräsidium auf 46 Millionen Euro geschätzt. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis verschlechtere sich dadurch noch weiter.

„Für uns bedeutet das“, so Schumacher, „dass die Vorplanung des Regierungspräsidiums Freiburg für die B 523 sofort eingestellt werden muss, um nicht weiter unnötig Steuergelder zu verschwenden.“.

Weitere Infos

Zusammenfassung der Studie und Excel-Tabelle zu den Straßenbauprojekten: https://www.transportenvironment.org/discover/mehr-kosten-als-nutzen-strasenbau-schadet-klima-wesentlich-starker-als-vom-verkehrsministerium-angenommen/

Zur Website der Bürgerinitiative: www.nordzubringer-nein-danke.de