Die Produktion von MS Schramberg befindet sich derzeit in Kurzarbeit. Foto: Jambrek

Die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingung und insbesondere die Entwicklung in der Autoindustrie wirken sich zunehmend auf große Unternehmen in Schramberg aus und zwingen immer mehr zur Einführung von Kurzarbeit.

Es ist ja nicht nur die Absatzkrise der deutschen Autohersteller, die auf deren Zulieferer durchschlägt, in der Folge auch auf die Maschinenbauer. Dazu kommen für alle Betriebe hohe Energiekosten, Zinsen und Inflation sowie ausufernde Bürokratie, die allen Betrieben zu schaffen machen und Investitionen bremsen oder ausfallen lassen. Seit Monaten meldeten Schramberger Unternehmen rückläufige Umsatz- oder Auftragszahlen und Auslastung ihrer Werke. Besserung ist nicht in Sicht, ergab eine Anfrage unserer Zeitung zur wirtschaftlichen Lage bei einigen großen Unternehmen der Region.

 

„Die konjunkturellen wirtschaftlichen und speziell branchenbezogenen (Automotive) Rahmenbedingungen sind nach wie vor sehr herausfordernd; zum Teil erwarten wir negative Verstärkungen durch die Situation, die bei den OEMs (Autoherstellern) und Tier-1-Zuflieferern gegenwärtig diskutiert werden“, erklärte Geschäftsführer Heimo Hübner von der MS-Schramberg. Seit September habe sein Betrieb Kurzarbeit in den Bereichen der Produktion und produktionsnahen technischen Serviceeinheiten eingeführt, um den niedrigeren Kundenbedarfen Rechnung zu tragen. Zur weiteren Entwicklung wegen der Bedingungen am Standort Schramberg sagte Hübner: „Unsere Aktivitäten hinsichtlich der Marktbearbeitung Amerika über eine eigene Gesellschaft mit Produktion vor Ort laufen nach Plan, ebenso die Aktivitäten in Ost- und Südosteuropa für einen Produktionsstandort für kleine und mittelgroße Serienbedarfe, bei denen eine automatisierte Fertigung nicht wirtschaftlich darstellbar und an eine manuelle Fertigung aus Kostengründen in Deutschland nicht zu denken ist“.

Lage bei Schweizer Electronic

Die Schweizer Electronic AG, die auch Bauteile für die Autoindustrie liefert, darunter auch für E-Autos, hatte im Juli Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit in Rottweil beantragt. Die Kurzarbeit sei mittlerweile genehmigt und die Planung der Einführung habe begonnen, teilte Schweizer mit. Am Mittwoch seien die Mitarbeiter informiert worden, dass die Kurzarbeit im Oktober starten wird: „Die Kurzarbeit wird im gesamten Unternehmen und für alle Mitarbeitenden eingeführt.

Kern-Liebers folgt jetzt dem Schritt von Schweizer und bereitet sich auf mögliche Kurzarbeit vor. “Wir bauen Gleitzeitstunden ab“, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Kern-Liebers Erek Speckert. Das sei die Voraussetzung, um Kurzarbeit anmelden zu können.Wegen der Ferienzeit seien in einigen Bereichen bei Kern-Liebers Überstunden aufgebaut worden. Im Textilbereich habe man drei Wochen Werksferien gemacht.

Auftragseingang entscheidend

Gegenwärtig sei der Auftragseingang aus der Automobilindustrie schwach, denn der Absatz nicht nur bei E-Autos, sondern auch bei Verbrennern stocke. „Davon bleibt Kern-Liebers als Automobilzulieferer nicht unberührt“, erklärte Speckert. „Im ersten Kalenderhalbjahr lief das Geschäft mit dem Verbrennermotor im Gegensatz zur Elektromobilität überraschend positiv, auch in Schramberg. Leider hat sich auch dieses Geschäft mittlerweile stark abgekühlt“, erläuterte Speckert. Wenn sich der Auftragseingang in den nächsten vier Wochen nicht ändere, werde das Unternehmen voraussichtlich Kurzarbeit beantragen müssen, sollte sie sich aber wieder bessern, könne man auch darauf verzichten.

Wie die Auftragsentwicklung bei der Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH (SW) in Waldmössingen aussieht und ob es Kurzarbeit gibt, war nicht zu erfahren. Die Anfrage unserer Redaktion dazu blieb unbeantwortet.

Flexible Strategien

Trumpf Laser, hGears AG und in Aichhalden die Simon Group kommen noch ohne Kurzarbeit aus und reagieren mit flexiblen Arbeitszeitmodellen auf die Lage.

Glatthaar Keller in Waldmössingen erweitert seine bautechnischen Dienstleistungen und sein Produktportfolio. „Da die Ampel-Regierung bisher zu keinem Zeitpunkt in der Lage war, der Wirtschaft Planungssicherheit, vor allem in der von Wohnungsnot geplagten Wohnungswirtschaft, zu geben, werden wir alles daransetzen, in unseren neuen Geschäftsfeldern erfolgreich zu sein, damit wir auch das nächste Jahr von Kurzarbeit absehen können“, versprach Reiner Heinzelmann, kaufmännischer Geschäftsführer.

Auswirkungen auf Gewerbesteuer

Auftragsrückgang bedeutet weniger Auslastung der Maschinen, weniger oder kein Ertrag bis hin zu Verlusten und in der Folge weniger Gewerbesteuer für den Stadthaushalt, weil diese ertragsabhängig ist. Wann der Rückgang der Gewerbesteuer für die Stadt Schramberg kommt, lässt sich nicht genau sagen. Es kann auch schnell gehen: „Wenn der Ertrag wegbricht, können die Unternehmen ihre Gewerbesteuervorauszahlungen mindern“, erläuterte der Kämmerer einer Gemeinde der Region Schramberg. Kurz oder mittelfristig werden also im Stadthaushalt weniger Mittel zur Verfügung stehen für die laufenden Großprojekte. Die kommenden Haushaltsberatungen dürften also schwierig werden.