Wie geht es den Maschinenbauunternehmen in der Region? Wir haben nachgefragt – und teils beunruhigende Antworten bekommen.
Bundesweit sieht sich der Maschinenbau mit sinkenden Auftragseingängen, Investitionszurückhaltung und weiterer Kurzarbeit konfrontiert. Auch in der industriestarken Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist die Unsicherheit spürbar.
Einschätzungen von Südwestmetall, der Agentur für Arbeit und der IG Metall liefern Einblicke in die aktuelle Entwicklung.
Lisa-Maria Allramseder erläutert auf Nachfrage: „Die wirtschaftliche Lage vieler Maschinenbauunternehmen in der Region stellt sich derzeit weiterhin angespannt dar.“
Die Geschäftsführerin der Südwestmetall-Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau berichtet, woran das unter anderem liegt: „Die anhaltende Investitionszurückhaltung auf Kundenseite wirkt sich in diesem Industriezweig besonders deutlich aus. Viele Abnehmer zögern mit Neuanschaffungen, verlängern stattdessen gezielt die Laufzeiten vorhandener Anlagen oder investieren in die Überholung von Bestandsmaschinen. Diese Entwicklung belastet die Auftragseingänge und führt zu einer insgesamt schwachen Auslastung bei zahlreichen Unternehmen der Branche.“
Trübe Aussichten bis ins nächste Jahr
Nach Einschätzung vieler der Mitgliedsunternehmen des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg, so fasst es die Geschäftsführerin der Bezirksgruppe weiter zusammen, „dürfte diese Situation leider auch in den kommenden Monaten – teilweise sogar weit ins Jahr 2026 hinein – anhalten.“
Infolge der rückläufigen Auftragslage greifen ihren Angaben zufolge „weiterhin etliche Unternehmen auf das Instrument der Kurzarbeit zurück.“ Hinzu kommt, dass die Phase der reinen Überbrückungsmaßnahmen in manchen Betrieben vorbei scheint – nun steht vielmehr in einigen Betrieben offenbar auch die Belegschaft selbst zur Disposition. Parallel zur Kurzarbeit, so berichtet Lisa-Maria Allramseder nämlich weiter, „beschäftigen sich viele Betriebe intensiv mit Fragen des Personalabbaus.“
Von Kündigungen bis Verzicht auf Nachbesetzungen
Dies äußere sich „sowohl in geplanten betriebsbedingten Kündigungen als auch in strategischen Maßnahmen wie dem Verzicht auf Nachbesetzungen frei werdender Stellen zum Beispiel durch Ruhestand oder Eigenkündigungen, um Personalkosten auf natürliche Weise zu reduzieren.“
Zu den Gründen für die derzeit angespannte Lage zählt sie neben der Investitionszurückhaltung der Kunden aufgrund konjunktureller Unsicherheiten die „erratische Zollpolitik der US-Regierung als zusätzliche Belastung, die für weitere Verunsicherung und Zurückhaltung der Kunden sorgt und die Exporte in die USA verteuert“. Hinzu komme die Eintrübung des Konsum- und Geschäftsklimas auf nationaler und internationaler Ebene und zunehmender Wettbewerbsdruck, insbesondere durch stärker werdende ausländische Anbieter mit oft günstigeren Preisen und kürzeren Lieferzeiten. Und auch „Kostenbelastungen durch Inflation, Energiepreise und neue regulatorische Anforderungen“ nennt sie als weitere Gründe.
Vorsichtiger Optimismus ab nächstem Jahr
Die Aussichten, die aus den Unternehmen widergespiegelt werden, sind aber nicht nur düster: „Die kurzfristigen Perspektiven bleiben nach wie vor verhalten. Dennoch gibt es bei einzelnen Mitgliedsunternehmen vorsichtigen Optimismus hinsichtlich einer leichten Erholung ab dem Jahr 2026.“ Besonders diejenigen Unternehmen, die sich durch technologische Innovationskraft oder eine starke internationale Marktposition auszeichneten, erwarteten sich Chancen im Zusammenhang mit möglichen Nachholeffekten sowie künftigen Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung.
Daten bis November 2024
Seitens der regionalen Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen geht Pressessesprecherin Elena Niggemann namens des Arbeitgeber-Services auf Nachfrage der Redaktion derweil konkret auf das Instrument der Kurzarbeit ein. Es zeige sich aktuell, dass Unternehmen, die stark im Bereich Automobilindustrie tätig seien, „unverändert Schwierigkeiten haben. Derzeit befinden sich viele in Kurzarbeit, da die Lage in der Automobilbranche nicht günstig ist.“
Die Sprecherin betont indes: „Das Kurzarbeitergeld hilft Unternehmen, ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch bei Auftragsausfällen weiter zu beschäftigen und Fachkräfte zu halten. Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme nach Branchen stehen bis November 2024 zur Verfügung. In diesem Monat waren 1950 Beschäftigte aus dem Maschinenbau in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg in Kurzarbeit. Insgesamt waren in diesem Monat 8100 Beschäftigte aus dem Agenturbezirk in Kurzarbeit.
17 Prozent mehr Arbeitslose
Die Probleme seien weiterhin auf die wirtschaftliche Lage und die Auftragslage zurückzuführen. Einzelne Unternehmen sähen nun aber positiv in die Zukunft; sie konnten die Kurzarbeit demnach beenden. „Sie möchten sich nun, wenn möglich, breiter aufstellen, um nicht ausschließlich von der Automobilindustrie abhängig zu sein. Allerdings können sie derzeit noch keine konkrete Einschätzung darüber abgeben, wie es weitergehen wird“, erläutert die Vertreterin der Arbeitsagentur diesen Aspekt.
Die Arbeitslosigkeit sei allgemein seit 2022 wieder angestiegen. Doch es gebe nicht nur Zugänge in die Arbeitslosigkeit, sondern auch Arbeitsaufnahmen. Die Zahlen für den Agenturbezirk für den Bereich Maschinenbau- und Betriebstechnik sehen so aus: Im Jahresdurchschnitt 2023 gab es hier 659 Arbeitslose, im Jahresdurchschnitt 2024 waren es 768 Arbeitslose, das waren rund 17 Prozent mehr. In den letzten zwölf Monaten haben sich konkret 1017 Personen aus dem Berufsfeld Maschinenbau- und Betriebstechnik arbeitslos gemeldet, im gleichen Zeitraum konnten dagegen 765 Personen aus dem Bereich ihre Arbeitslosigkeit beenden. Über alle Branchen hinweg stieg die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk im Vergleich um zwölf Prozent.
Gewerkschaft setzt auf Tarifvereinbarung
Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Villingen-Schwenningen, berichtet ebenfalls: „Es machen noch viele Betriebe Kurzarbeit“ – bei manchen sei das schon lange der Fall und da werde es jetzt „auf Dauer schwierig.“ Er verweist in diesem Zusammenhang auf den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung. Dabei handelt es sich nicht um einen einheitlichen Vertrag, sondern um ein tarifpolitisches Instrument, das je nach Branche, Region und betrieblicher Situation unterschiedlich ausgestaltet sein kann. Dieses anzuwenden, „das prüfen einige Betriebe jetzt“, erläutert Bleile. Der Nachteil all dieser Maßnahmen sei natürlich, „dass die Beschäftigten deutlich weniger in der Tasche haben. Der Vorteil ist, dass dahinter eine Beschäftigungssicherung steht.“ Was konkreten Personalabbau angeht, habe er den Eindruck, dass hier viele Unternehmen eher zurückhaltend seien, zumal ja auch der Fachkräftemangel „nicht aus der Welt“ sei. Definitiv gebe es aber Einstellungsstopps und zwar vor allem bei Unternehmen, die sich in Konzernstrukturen befinden.
Vorsichtiger Optimismus
Und dennoch könne man vorsichtig sagen, dass ein leichtes Licht am Horizont scheine, wonach die Lage zumindest nicht schlechter werde, gibt sich der Gewerkschaftsvertreter sehr vorsichtig optimistisch. Gespannt seien auch viele, was die neue Bundesregierung mache. Hier nehme er relativ große Hoffnungen wahr, vor allem im Hinblick auf Steuererleichterungen für die Unternehmen. „Ob das auch für die Beschäftigten etwas bringt, wird man sehen“, meint Bleile.
Signale aus dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau
Sorge wegen Konjunktur
Aus dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau kommen weiter Alarmsignale. Die Entscheidungsträger der Branche blicken mit Sorge auf die konjunkturelle Entwicklung, wie aus dem aktuellen Maschinenbau-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC) hervorgeht. Lediglich jeder Zehnte glaubt demnach an eine Erholung der Konjunktur. Die Folge: Erstmals seit der Corona-Pandemie erwarten die Entscheider einen Rückgang des eigenen Unternehmensumsatzes.
Auslastung und Auftragslage
Auch die aktuelle Auslastung befindet sich laut Barometer auf einem Tiefststand. Und kürzlich meldete auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), dass sich die Auftragslage im deutschen Maschinenbau im Mai deutlich verschlechtert hat. Laut VDMA gingen die Bestellungen real um 27 Prozent zurück – ein herber Dämpfer nach einem noch relativ stabilen Frühjahr. Besonders das Auslandsgeschäft schwächelt demnach weiter, getrieben durch den andauernden Zollstreit und globale Unsicherheiten.