Mit der Senkung der Arbeitszeit und Zurückhaltung bei Neueinstellungen und Nachbesetzungen steuert Trumpf Laser durch die anhaltende Konjunkturschwäche, die auch vor dem Maschinenbau nicht halt macht.
Bei der Vorlage der endgültigen Jahresbilanz im Oktober 2024 hatte Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende des Vorstands von Trumpf, erklärt: „Beim Ausblick gehen wir davon aus, dass die anhaltend schwache Nachfrage auch die kommenden Monate des laufenden Geschäftsjahrs prägen wird.“
Die Erwartung hat sich bestätigt. „Die Gründe für die Konjunkturkrise haben sich seit Oktober nicht verändert. Eine so lange anhaltende, globale wirtschaftliche Schwächephase gab es Jahrzehnte nicht mehr“, antwortete Björn Dymke, Geschäftsführender Direktor von Trumpf Laser am Standort Schramberg, am Donnerstag auf die Anfrage unserer Redaktion. Auf diese Entwicklung hatte Trumpf Laser bisher mit Arbeitszeitkonten und einem seit mehr als einem Jahr geltenden strikten Sparkurs bei den Sachkosten reagiert, wozu unter anderem der restriktive Umgang mit Dienstreisen, der Beschäftigung externer Berater oder Neuanschaffungen von Möbeln und Geräten gehörte.
Beschäftigung abgesichert
Neu zu den Maßnahmen hinzu kam in jüngster Zeit der „Tarifvertrag Beschäftigungssicherung“, der schon vor längerer Zeit von den Tarifparteien der Metallbranche für wirtschaftlich schwierige Lagen entwickelt wurden, um Arbeitsplätze zu sichern und die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen zu erhalten. „Der Tarifvertrag beinhaltet, dass die Arbeitszeit um zehn Prozent gesenkt und gleichzeitig das Bruttogehalt um zehn Prozent gekürzt werden. Im Gegenzug erhalten die Mitarbeitenden eine Beschäftigungssicherung. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von einem Jahr. Bei Trumpf Laser in Schramberg trat diese am 1. Februar 2025 in Kraft“, berichtete Dymke. Trumpf mache bei der Umsetzung jedoch einen Unterschied: Bevor das Bruttogehalt gekürzt werde, würden die Stunden aus Arbeitszeitkonten bis zu einem Stand von minus 100 genutzt, das heißt Trumpf gehe hier in Vorleistung. Mitarbeiter könnten zudem persönliche Zeitkonten einbringen. Der Vorteil für viele Mitarbeiter sei: „Der Zeitpunkt, ab dem ihr Bruttogehalt gekürzt wird, kann hinausgezögert werden oder kommt im besten Fall gar nicht zum Tragen. Für Kurzarbeit hätte Trumpf tiefere Einschnitte machen müssen.“
Durch den Einsatz flexibler Instrumente zum Kapazitätsabbau und dem Tarifvertrag Beschäftigungssicherung habe sich die Mitarbeiterzahl bei Trumpf Laser in Schramberg bisher nur geringfügig nach unten verändert: „Wir sprechen hier von weniger als einem Prozent.“ Zurzeit würde die Nachbesetzung von durch Fluktuation frei werdenden Stellen genau geprüft und nur Schlüsselpositionen nachbesetzt.
Verschärfter Wettbewerb
Auf die Frage, wie sich der verschärfte Wettbewerb mit chinesischen Herstellern entwickelt habe und wie Trumpf Laser darauf reagiere , antwortete Dymke: „Der Wettbewerb ist nach wie vor stark. Wir reagieren darauf mit neuen innovativen Laserlösungen, mit denen wir uns im Markt differenzieren können.“
Ein großes Thema für die gesamte Trumpf-Gruppe ist die Zollpolitik der USA. „Bisher können wir das noch nicht bewerten, weil noch nicht klar ist, welche Zollbestimmungen in welcher Form in Kraft treten“, erklärte Dymke dazu. Und zur Frage, als Konsequenz möglicherweise Produktion in die USA zu verlagern, antwortete Dymke: „Trumpf verfolgt schon immer das Produktionsprinzip ‚local for local’ und hat bereits seit Jahrzehnten eine starke Produktion in den USA, vor allem im Bereich der Werkzeugmaschinen. Für den Standort Schramberg und damit die Produktion der Laser gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Überlegungen für Verlagerungen in die USA.“
Bei sinkenden Umsätzen und Erträgen gerät für viele Unternehmen die Wehrtechnik in den Blick. Unsere Redaktion hat deshalb nachgefragt, wie weit es in der Trumpf-Gruppe Überlegungen gibt, in die Wehrtechnik einzusteigen. „Für unser Haus bleibt es bei dem bereits vor Monaten Kommunizierten, dass sich Gesellschafter, zu denen auch die dritte Generation der Unternehmerfamilie gehört, und Vorstand derzeit intensiv mit einer verteidigungspolitischen Verantwortung von Trumpf vor dem Hintergrund der veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Für uns war und ist maßgeblich, dass Trumpf-Produkte nicht als Waffe gegen Menschen eingesetzt werden“, bekräftigte Dymke.
Info
Die Trumpf-Gruppe
in Ditzingen, zu der Trumpf Laser in Sulgen gehört, hatte zum Abschluss des Geschäftsjahrs am 30. Juni 2024 einen Umsatzrückgang von 3,6 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro verzeichnet.
Der Auftragseingang
sank zum zweiten Mal in Folge auf 4,6 Milliarden Euro, 10,4 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr.