Bei Schweizer liegen die neuesten Zahlen vor. Foto: Wegner

Bei einem sogenannten "Earnings Call" mit Analysten nahm der Vorstand der Schweizer Electronic AG Stellung zum am 5. August veröffentlichten Finanzbericht über das erste Halbjahr 2022.

Schramberg-Sulgen - Organisiert wurde der Earnings Call im Internet wie auch die bisherigen von der Hamburger Montega AG. Zum Start beschrieb der Vorstandsvorsitzende Nicolas Schweizer die alle Unternehmen betreffenden schwierigen Rahmenbedingung und Risiken: Die Energiekrise mit ihrem Preisschock, die Unterbrechung globaler Lieferketten durch die Eskalation von Konflikten (Ukraine-Krieg), mögliche sprunghafte Zinsschritte der Europäischen Zentralbank wegen der Inflation und eventuell weitere mögliche restriktive Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie.

Der Vorstandsvorsitzende zählte danach drei Szenarien für die Wirtschaft auf, die sich daraus ergeben könnten: Ein "Stressszenario", eine Dauerkrise, zweitens ein "Basisszenario", das Kontinuität bedeutet, bei dem Nachfrage und Export stabil bleiben, aber die Zinswende die Finanzierung verteuert und die Gefahr von Investitionsstaus besteht – und drittens ein "Aufschwungszenario", bei dem die Inlandsnachfrage ansteigt und der Export zum Konjunkturmotor wird.

Höherer Anteil an Industriekunden

Das wahrscheinlichste von den dreien ist für ihn das Basisszenario. "Auch 2022 wird ein herausforderndes Jahr, aber dem stellen wir uns", sagte Schweizer. Dabei verwies er auch auf die Chancen: Beim Megatrend E-Mobilität sei Schweizer mit der Leistungselektronik und der 48 Volt-Technologe auf der richtigen Seite: "Da sind wir führendes und innovativstes Unternehmen".

Schweizer konnte weiter über zwei Großaufträge berichten, die in den nächsten Jahren abgearbeitet werden und für die das Werk in China nötig ist: Das eine Projekt hat ein Volumen von 121 Millionen Euro, das andere von 100 Millionen Euro. "Der hohe Auftragseingang ist ein positives Signal für die gute Gesamtentwicklung", erklärte Finanzvorstand Marc Bunz, der aus China zugeschaltet war. Dazu komme, dass sich auch der Anteil der Industriekunden erhöhe.

Positive Effekte verzögern sich

Dann stellte Bunz die wichtigsten Kennzahlen des ersten Halbjahrs vor, die Schweizer schon Ende Juli als vorläufiges Ergebnis veröffentlicht hatte. Danach erzielte die Gruppe im ersten Halbjahr einen Umsatz von 64,6 Millionen Euro, was einem Umsatzwachstum von 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der Auftragsbestand erhöhte sich auf 242,4 Millionen Euro. Das vorläufige EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) betrug minus 7,1 Millionen Euro Die EBITDA Quote betrug somit minus 11 Prozent. Das EBIT lag bei minus 13,2 Millionen Euro.

Als wesentliche Ursache für das Minus gibt Bunz eine Verzögerung der positiven Effekte aus den eingeleiteten Ergebnisverbesserungsmaßnahmen im chinesischen Tochterunternehmen an. Bunz bestätigte auch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Da erwartet der Vorstand ein Umsatzwachstum in der Bandbreite von 5 bis 15 Prozent und eine EBITDA-Quote minus vier bis minus acht Prozent.

Mehr Automatisierung und Personalabbau

Die meisten Fragen der zugeschalteten Analysten bezogen sich auf das Werk in China. Auf die Frage nach den Restrukturierungen berichtete Schweizer, dass diese aus mehr Automatisierung und entsprechendem Personalabbau bestanden haben, schon im Mai umgesetzt wurden und sich die Effekte

zeitversetzt jetzt einstellen. Auf eine weitere Frage verriet Schweizer, dass der "Reifegrad" der Verhandlungen für weitere Aufträge groß sei. Bunz erwähnte noch, dass weiter mit Investoren Gespräche laufen, um die Eigenkapitalbasis zu verbessern.