Die Zweiradmechatroniker des Berufsförderungswerk kümmern sich um die kommunalen Räder. Was sind die Vorteile für beide Seiten?
Das Berufsförderungswerk (BFW) Schömberg gibt es bereits seit 60 Jahren. Es hilft Menschen nach Krankheit, Unfall oder mit gesundheitlichen Einschränkungen wieder einen beruflichen Einstieg zu ermöglichen.
Dabei bietet das BFW auch eine berufliche Neuorientierung an. Die Betroffenen können in Schömberg unter anderem Ausbildungen absolvieren, seit Mitte 2024 zum Beispiel die zum Zweiradmechatroniker.
„Unser Ausbildungskonzept ist handlungsorientiert“, sagt Andrea Zajac. Sie leitet den Bereich Produkte und Qualifizierung beim BFW. Wichtig sei, dass die Azubis Praxiserfahrung sammeln können und so für potenzielle Arbeitgeber attraktiv sind. Das BFW setzt das mit einer komplett ausgestatteten Übungswerkstatt um. Hier schrauben die Azubis an Mountainbikes oder Pedelecs. Auch eine Übungsfirma habe das BFW gegründet, erzählt Zajac. „Pedal Profis“ heiße die. Diese Firma biete Dienstleistungen an. „Unsere Ausbildung ist auf einem hohen Niveau“, so Zajac.
Im Ort sichtbar
Die Azubis checkten zum Beispiel an Schulen Fahrräder. Auch die BFW-Mitarbeiter dürften in der Werkstatt ihre Räder warten lassen. Und nun komme eine weitere Kooperation dazu. Die „Pedal Profis“ kümmern sich ab sofort auch um die kommunalen Räder der Gemeinde Schömberg. Durch solche Kooperationen lernten die Azubis, Verantwortung zu übernehmen und sie würden im Ort sichtbar, findet Zajac.
„Wir waren über das Angebot erfreut“, sagt Ulrich Döbereiner, Leiter der Touristik und Kur in Schömberg. Erstmals sei die Idee beim runden Tisch der Kliniken vorgestellt worden und habe ihn gleich überzeugt. „Das wird eine gute Kooperation“, so Döbereiner. Die Verwaltung habe drei Räder, die regelmäßig überprüft werden müssen. Eines davon nutze zum Beispiel Ulrike Kühfuß vom Ordnungsamt. Genau solche „Echt-Aufträge“ seien für die Azubis wichtig, sagt Zajac. Die Gemeinde wolle das BFW mit der Kooperation stärken, erklärt Döbereiner.
Kurze Wege
14 Azubis absolvieren aktuell die Ausbildung zum Zweiradmechatroniker. Über die wacht Ausbilder Siegfried Klaußner. Klassischerweise gehe es beim Rad-Check um eine Inspektion. Bremsen, Bremsbeläge, Ketten, Ritzel, kaputte Reifen - alle Verschleißteile eines Rades würden überprüft und falls nötig getauscht. Die Gemeinde profitierte von den kurzen Wegen, findet Klaußner. Gehe an den kommunalen Rädern etwas kaputt, sei die Werkstatt schnell erreichbar.
Zweiradmechatroniker seien auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. Denn viele Radgeschäfte bildeten selbst nicht aus. „Es ist ein Beruf mit Perspektive“, sagt Klaußner. Eineinhalb Jahre dauere die Ausbildung in Schömberg, die mit einer Prüfung bei der IHK endet. Dazu komme noch ein halbjähriges Praktikum. Dass die Ausbildung in Schömberg qualitativ gut ist, macht Klaußner an einer Erfahrung fest: „Meistens haben unsere Azubis nach dem Praktikum direkt ein Job-Angebot“. Und den Azubis gefalle die Übungswerkstatt in Schömberg. Er bekomme viele positive Rückmeldungen.