Miriam Hiesch mit Vater Reinhold Burgbacher und Bruder Raphael Burgbacher (rechts) stehen an der Spindeltischfräse, die 1956 angeschafft wurde. Sie ist für Sonderanfertigungen immer noch im Einsatz. Foto: Wolfgang Krokauer

Familienunternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Dazu gehört die Schreinerei Burgbacher in Langenbrand. Das Unternehmen expandiert. Wie gelingt das in diesen Zeiten?

Die Schreinerei Burgbacher in Langenbrand gibt es seit 100 Jahren. Seit 2018 ist mit den Geschwistern Miriam Hiesch und Raphael Burgbacher die vierte Generation an der Spitze des Familienunternehmens.

 

Gottvertrauen In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelingt es dem Geschwisterpaar, sich auf dem Markt zu behaupten – ja sogar zu expandieren. Dabei erlebte die Schreinerei Burgbacher in den 100 Jahren ihres Bestehens auch schwere Zeiten. Es gab Auf und Abs, gibt Hiesch unumwunden zu. Da hat auch Gottvertrauen geholfen. Sie seien gläubige Menschen, sagt Reinhold Burgbacher, Vater von Miriam und Raphael.

Die Anfänge Angefangen hat die Firmengeschichte in einem Stall in Bieselsberg. Firmengründer Christian Burgbacher baute 1924 den Stall bei seinen Schwiegereltern in eine Werkstatt um. Ein Jahr später gründete er mit seiner Frau Emma die Schreinerei. 1929 verlagerte das Ehepaar das Unternehmen in die Talstraße in Schömberg.

Konsolidierung 1954 übernahmen Ilse und Erich Burgbacher die Schreinerei. Damit kam die zweite Generation ans Ruder. 1957 verlagerten sie die Firma nach Langenbrand. In den folgenden Jahren erweiterten sie Werkstatt und Lager. 1980 folgte der bis jetzt letzte große Anbau. Die Werkstatt wurde auf 700 und das Lager auf 300 Quadratmeter erweitert. Im gleichen Jahr legte Reinhold Burgbacher die Meisterprüfung ab und trat in die Firma ein.

Krise Eine Krise erlebte das Unternehmen zu Beginn des neuen Jahrtausends, weil Aufträge ausblieben. Räume wurden fremdvermietet. Andere Schreiner nutzten sie.

Expansion Doch die Burgbachers kamen wieder aus der Krise heraus. 2012 kam Raphael Burgbacher als Geselle in die Schreinerei. Zwischen 2013 und 2015 ließ die Familie das gesamte Werkstattgebäude generalsanieren. 2017 bekam Raphael Burgbacher seinen Meisterbrief. Ein Jahr später übernahm er mit seiner Schwester, Kauffrau Miriam Hiesch, die Leitung der Firma. Seitdem ist die vierte Generation am Ruder.

Aufträge aus Amerika

Die Geschwister modernisierten den Maschinenpark. Im Corona-Jahr 2022 erhielt das Unternehmen viele Amerika-Aufträge. Weil der Bedarf derart anwuchs, lösten Miriam Hiesch und Raphael Burgbacher 2024 sämtliche Fremdvermietungen auf.

Zweites Standbein 2025 investierten Miriam Hiesch und Raphael Burgbacher kräftig in das Unternehmen. So wurden die 300 Quadratmeter im Untergeschoss des Unternehmens generalsaniert. Badsanierungen wurden zum neuen Geschäftsmodell des Unternehmens.

Dabei kooperiert die Schreinerei Burgbacher mit der Schweizer Firma Viterma.

Bäder werden saniert

Miriam Hiesch und Raphael Burgbacher richteten dazu in diesem Jahr eigens einen Schauraum mit fünf Musterkojen ein. Bei den Badsanierungen geht es vor allem um altersgerechte Teil- und Vollsanierungen.

Miriam Hiesch und Raphael Burgbacher in einem Schauraum für Badsanierungen. Foto: Wolfgang Krokauer

Öffentliche Hand als Auftraggeber Darüber hinaus richtet die Schreinerei immer wieder öffentliche Gebäude mit maßgeschneiderten Möbeln ein, etwa viele Kitas und Schulen, wie zum Beispiel den Waldorfkindergarten in Vaihingen an der Enz. Auch das Polizeipräsidium Karlsruhe bekam sein Mobiliar von der Schreinerei Burgbacher.

Ein Vorzeigeprojekt ist in dieser Hinsicht das Amtsgericht Böblingen. Die Kinderbibliothek der Stadt Ludwigsburg stellt die Schreinerei gerade fertig. Derzeit ist das Unternehmen dabei das Studentenwohnheim in Rottenburg zu möblieren.

Etliche Vorzeigeprojekte

Mitarbeiterzahl angestiegen Angesichts der Auftragslage hat sich die Mitarbeiterzahl des Unternehmens in den vergangenen Jahren enorm erhöht – von vier im Jahre 2018 auf 13 in diesem Jahr, davon vier Azubis. Dabei ist Schreinermeister Roland Mairhofer seit mehr als 40 Jahren in der Firma. Er hat schon seine Lehre in der Schreinerei Burgbacher absolviert. Nach den Worten von Raphael Burgbacher ist Mairhofers Erfahrung unschätzbar.

Gelungene Unternehmensübergabe Darüber hinaus schätzen die beiden Geschwister an der Spitze des Unternehmens, dass die Übergabe auf die vierte Generation so gut funktionierte.

„Das Zutrauen in die Kinder ist außergewöhnlich und absolut ehrenhaft“, sagt Miriam Hiesch über ihren Vater Reinhold Burgbacher. Als es um die Anschaffung neuer Maschinen ging, habe dieser seinen beiden Kindern allein die Entscheidung überlassen. „Das stärkt einen ungemein“, so die Tochter.