Das Rottenburger Gewerbegebiet Siebenlinden soll weiterentwickelt werden. Foto: Nowotny

Der Arbeitskräftemangel setzt sich fort, die Nachfrage nach Produktions-, Lager- und Werkstattflächen ist hoch und die Energiesicherheit gewinnt an Bedeutung. Der aktuelle Bericht der Wirtschaftsförderung beschäftig sich mit fünf Grundbausteinen

„Unser übergeordnetes Ziel ist es, den Wirtschaftsstandort Rottenburg zu stärken und Unternehmen gute Rahmenbedingungen für ihre Entwicklung zu ermöglichen“, erklärt Andreas Lanio, Wirtschaftsförderer, bei einem Pressegespräch zum aktuellen Wirtschaftsbericht.

 

Insgesamt seien die Trends sehr positiv, sagt Finanzbürgermeister Hendrik Bednarz. So auch die Entwicklung der Gewerbesteuer, „Letztes Jahr hatten wir Rekordeinnahmen von 22,6 Millionen Euro“, berichtet Bednarz. Für dieses Jahr seien 18 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt. Da die Wirtschaftslage im Land von Unsicherheiten geprägt sei, gebe es zurzeit kein eindeutiges Bild über die genaue Entwicklung. Zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes wurden nun fünf Bausteine entwickelt.

Gründung und Innovation fördern

2023 fand zum ersten Mal der Gründungswettbewerb statt. Aufgrund der Vielzahl an Bewerbern solle der Wettbewerb erneut stattfinden. In einer Neuauflage liege der Schwerpunkt des Gründungs- und Innovationspreis 2025 im gewerblichen Bereich. Zudem solle ein Gründungsnetzwerk aufgebaut werde. Beginn ist hierzu am 13. Mai.

Arbeits-und Fachkräfte unterstützen

In den letzten Jahren stieg die Zahl der sozialversicherten Arbeitsplätze stetig an. „Betriebe melden jedoch weiterhin den Bedarf an Arbeits- und Fachkräften“, verdeutlicht Lanio. Man habe Gruppen definiert, die man besser unterstützen möchte. Zum einen sollen Jugendliche angesprochen werden. Dazu gehört die Mitorganisation der Ausbildungsmesse „#tecsquad“. Neu sind in diesem Jahr die Praktikumswochen, hier können Jugendliche in einer Woche verschiedene Unternehmen und deren Betriebsalltag kennenlernen.

Auch Menschen mit Migrationshintergrund sollen mehr in den Blick genommen werden. Die Arbeitgebersprechstunde bietet hier eine Kooperation zwischen Ausländeramt und Wirtschaftsförderung. Sie begleiteten Unternehmen bei Fragen rund um die Beschäftigung ausländischer Staatsangehöriger. Um die 20 Fälle wurden 2023 bereits begleitet.

Klima und Energie beachten

„Energiepolitik ist auch Wirtschaftspolitik“, erklärt Lanio. Ein zentraler Akteur der Energiethematik seien die Stadtwerke. „Der Strombedarf wird in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren deutlich steigen“, stellt Martin Beer, Geschäftsführer der Stadtwerke, dar. Deswegen sei es wichtig, auf den Netzausbau vor Ort zu schauen. „Wir beraten Unternehmen bei der Netzverstärkung oder auch in der Wasserversorgung“, so Beer. Ein weiteres Thema sei die Umstellung auf Elektrofahrzeuge. Hierzu gibt es eine Beratung zu verschiedenen Ladesystemen und den Ausbau der Ladesäulen und Trafostationen.

Die Stadtwerke selbst stelle seine PKWs auf E-Mobilität um. Auch die Stadt setzt darauf, „die Hälfte bis zwei Drittel der städtischen PKWs dürfen schon umgestellt sein“, fügt Bednarz hinzu.

Zur Wasserstoffenergie erklärt Beer: „Unser Gasnetz ist heute schon zu 99 Prozent Wasserstoff ready.“ Zudem mache sich die Stadt in der Forschung auf den Weg. So soll auf dem DHL-Gelände ein Elektrolyseur (Technologie, bei der Strom in verschiedene Gase oder Formen von Energien, umgewandelt und gespeichert wird) Ende des Jahres installiert werden.

Auch der Klimaschutz findet sich im aktuellen Bericht mit zwei Projekten wieder. Zum einen die Energiekarawane. Diese bietet die Beratung zu Möglichkeiten der Energieeinsparung. Daran anschließend solle das Projekt „KlimaFit“ starten. Im Vergleich zur „Energiekarawane“ sei das Projekt detaillierter.

Es bietet durch Energieberater die Erstellung einer Treibhausgasbilanz sowie eines Maßnahmenplans zur Reduktion, sagt Klimaschutzmanager Jörg Weber. Das Projekt beginnt mit einer Veranstaltung am 3. Juni.

Gewerbeflächen erneuern und ausbauen

Bei den Gewerbeflächen sei das Ziel die Innenentwicklung, Nachverdichtung und Aufwertung der Gebiete voranzubringen. In Siebenlinden ist die Stadt im Landes-Förderprogramm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ gelandet. Dieses bietet allen Grundstückseigentümern eine kostenfreie Beratung durch unabhängige Planungsbüros zu Themen wie energetische Maßnahmen, Nachverdichtungs-, Rückbau- oder Erweiterungsmöglichkeiten an.

Aktuell habe es bereits zwölf Beratungen gegeben, weitere seien in Planung. Am Montag, 22. April, findet das nächste Treffen zum Stand des Programmes statt. Ziel ist es, aus den Beratungsterminen strukturelle Lösungen für das gesamte Gebiet zu finden. In den vergangenen Monaten und wenigen Jahren sei bereits einiges an Aufstockungen, Neubauten und Umnutzung geschehen.

Diese gesamten Prozess sollten dann auf die Weiterentwicklung der Gewerbestandorte in den Ortschaften angelegt werden. Neu dazukommen die Erweiterungen der Gewerbestandorte Höllsteig und Ergenzingen-Ost.

Dialog und Kommunikation stärken

Um Trends zu erkennen, sei ein enger Austausch mit den Betrieben wichtig. Deshalb wolle man zukünftig drei „Unternehmensvesper“ veranstalten, in der Kernstadt, in Ergenzingen und in einer weiteren Ortschaft. Bisher waren es zwei jährlich.