Der Autobauer befindet sich in der Krise und verschärft den Sparkurs. Die Tochter Cellforce, einst Hoffnungsträger für E-Autos, verschwindet. Auch Festo kürzt massiv am Personal.
Der Stuttgarter Autobauer Porsche verschärft seinen Sparkurs weiter und will durch die Schließung dreier Tochtergesellschaften 500 Arbeitsplätze abbauen. Betroffen ist auch der einstige Hoffnungsträger Cellfcorce, der für Porsche Hochleistungsbatterien für elektrische Sportfahrzeuge entwickeln und bauen sollte.
Cellforce war ein wichtiger Baustein der Strategie von Ex-Porsche-Chef Oliver Blume, der schon 2030 vier von fünf Porsches als reine E-Fahrzeuge verkaufen wollte. Die von Blume bereits eingeleitete Abkehr von dieser Strategie, die bei den Kunden nicht verfing, wird von seinem Nachfolger Michael Leiters nun massiv beschleunigt.
Für Cellforce gebe es „im Rahmen der strategischen Neuausrichtung mit einer technologieoffenen Antriebsstrategie keine ausreichend tragfähige Perspektive mehr“, erklärt Porsche. Von der geplanten Schließung sind die noch verbliebenen 50 Mitarbeiter betroffen, nachdem Porsche bereits im vergangenen Jahr die Entlassung von rund 200 Cellforce-Beschäftigten angekündigt hatte.
Ebenfalls geschlossen wird die Tochter Cetitec in Pforzheim, die auf das hoffnungsvolle Feld von Software für das vernetzte Fahren gesetzt hatte. Hier haben Porsche und der VW-Konzern längst andere globale Partnerschaften geschlossen. Auch die Porsche E-Bike Performance, die leistungsstarke Antriebssysteme für elektrische Fahrräder entwickelt, wird dichtgemacht.
Porsche will sich aufs Kerngeschäft konzentrieren
Porsche müsse sich „wieder auf sein Kerngeschäft fokussieren“, erklärt Leiters. Dies zwinge „uns zu schmerzhaften Einschnitten – auch bei unseren Tochtergesellschaften“.
Die Sparmaßnahmen betreffen auch den Vorstand – an diesen Donnerstag hatte das Unternehmen bekannt gegeben, das komplette Vorstandsressort Car-IT des einst gefeierten Topmanagers Sajjad Khan aufzulösen und ins Entwicklungsressort zu integrieren.
Einen massiven Stellenabbau plant auch Festo; Vorstandschef Thomas Böck kündigte im Interview mit unserer Zeitung die Streichung von 1300 Stellen in Deutschland an und schloss auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Diese seien „eine Option, aber wir versuchen dies größtmöglich zu vermeiden“. Gleichzeitig kündigt er an, an anderen Standorten auch Stellen aufzubauen, um Produkte näher an den Kunden in China oder Indien entwickeln zu können.
Wie schwach sich die Entwicklung darstellt, zeigt auch die weiter gekürzte Produktionsplanung bei Porsche in Zuffenhausen. Dort wurden für Mai mehrere Schließtage für Teile der Produktion beschlossen – neben zwei einzelnen Tagen auch die Woche nach Pfingsten.
Neue S-Klasse bessert Lage bei Mercedes
Von Mercedes in Sindelfingen kam dagegen zuletzt eine positive Nachricht. Nachdem die Factory 56, in der die Luxusfahrzeuge des Konzerns gefertigt werden wurden, fast drei Jahre lang mit nur einer Schicht pro Tag gefahren wurde, soll bald der Zweischichtbetrieb wieder aufgenommen werden. Grund dafür ist die gute Nachfrage nach der neuen S-Klasse, die vor einigen Wochen auf den Markt kam.