Heiko Zimmermann ist Geschäftsführer des Medical Valleys mit Sitz im Hechinger Gewerbegebiet Linsenäcker. Foto: Roth

Donald Trump als designierter US-Präsident und Regierungskrise in Deutschland: Herausfordernde Zeiten für die regionale Wirtschaft. Die Medizintechnik-Branche, die in Hechingen stark vertreten ist, hat aber mit einer anderen Hürde stärker zu kämpfen.

Die Konjunktur in Deutschland schwächelt. Wie Heiko Zimmermann, Geschäftsführer des Medizintechnik-Kompetenznetzwerks Medical Valley , betont, seien davon die Medizintechnik-Unternehmen in Hechingen nicht betroffen. „Produkte zum Thema Gesundheit sind immer akut. Wenn ein Patient eine neue Herzklappe benötigt, entscheidet diese über Leben und Tod.“

 

Trotzdem: Das derzeit turbulente politischen Weltgeschehen beschäftigt auch die Medizintechnik-Branche. Doch Zimmermann betont: „Dass Donald Trump neuer US-Präsident ist und Deutschland nach dem Ampel-Aus in einer Regierungskrise steckt, hat auf die Hechinger Medizintechnikunternehmen keinen großen Einfluss.“ Schließlich sei der US-Markt nicht der Hauptumsatztreiber der Hechinger Medizintechnikfirmen. Potenzielle Strafzölle der US-Regierung auf deutsche Importwaren würden zudem – so vermutet Zimmermann – wohl erst andere Branchen treffen, wie etwa die Automobilindustrie

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Trump handelt wie ein Manager einer großen Firma

„Wir müssen mit der Wahl Trumps leben.“ Er sagt über die Politik des designierten US-Präsidenten: „Trump macht mit den USA das, was ein Manager einer großen Firma machen würde, wenn diese in finanziellen Schwierigkeiten steckt.“ Trump lege den Fokus auf das sogenannte „Cost-Cutting“. Sprich darauf, wo sich Geld sparen lasse. Zimmermann, der ausdrücklich betont, kein Fan des künftigen US-Präsidenten zu sein, erklärt: „Trump stellt das geschickt an. Zur Wahl verholfen hat ihm sicherlich auch, dass er das ausspricht, was er denkt. Auch wenn das aus deutscher Sicht kein guter Stil ist.“

Einige Firmen in Hechingen wie Baxter oder Artivion seien zwar in amerikanischer Hand. Aber auch für diese erwartet der Geschäftsführer des Medical Valleys keine Auswirkungen infolge der Trump-Wahl.

Fachkräftemangel könnte sich nach Neuwahl verschärfen

Und welche Folgen hat das Ampel-Aus? Zimmermann sorgt sich dabei lediglich um den Ausgang der Neuwahl am 23. Februar. Er fürchtet das Erstarken von Parteien, die Zuwanderung kritisch sehen. „Wir sind – nicht nur in der Medizintechnik – auf einen gewissen Zuzug angewiesen. Fachkräftemangel dominiert schon heute unser Handeln.“

Die Hechinger Vorzeigebranche kämpfe indes – unabhängig von politischen Ereignissen – mit ganz anderen Problemen. Zimmermann spricht dabei die „Medical Device Regulation“ an. Diese verschärft für Unternehmen, die ihre Medizinprodukte in der EU vertreiben wollen, die Bedingungen für die Zulassung. „Um ein neues Medizintechnikprodukt zur Marktreife zu führen, muss deutlich mehr Zeit investiert werden. Und Zeit bedeutet, dass die Unternehmen Personal länger beschäftigen müssen, was wiederum Geld kostet.“

Medizintechnikfirmen in der EU leiden unter Skandal

Auslöser für die Zulassungsverschärfung war der Skandal um mangelhafte Brustimplantate der französischen Firma PIP. Die Folge: Habe man früher für die Entwicklung eines hochwertigen Medizintechnikproduktes zwei Jahre benötigt, seien es mittlerweile fünf oder sechs Jahre zur Marktreife. „Dadurch herrscht eine Ungewissheit.“ Das würde auch Investoren abschrecken und bedeute einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den USA. Heiko Zimmermann beklagt: „Es ist nicht richtig, dass alle Medizintechnikunternehmen nach dem Skandal in Frankreich über einen Kamm geschert werden.“

KI wird in Medizintechnik eine große Rolle spielen

Hinzu komme, dass zunehmend chinesische Konkurrenten in der Medizintechnik aufkommen. Die Qualität der Produkte aus China könne sich durchaus sehen lassen. Daher werde der Druck für Unternehmen, die Kosten zu senken und auf eine automatisierte Produktion umzustellen, weiter wachsen. Den Blick richtet Zimmermann auch auf die Künstliche Intelligenz, die in der Medizintechnik eine große Rolle spielen werde, beispielsweise bei der Auswertung von MRT-Bildern. „In Sachen KI sollten wir in Deutschland schauen, dass wir die Nase vorne haben.“ Damit die Medizintechnik in Hechingen weiter floriert.