Bei Teubert Maschinenbau läuft es prächtig - bei den anderen befragten Blumberger Unternehmern ist die Stimmung jedoch schlecht. Foto: Firma Teubert

Nicht alle Unternehmen spüren die Krise gleichermaßen. Mancher Betrieb kämpft mit Auftragsrückgängen, andere profitieren von breiter Aufstellung und internationalen Märkten.

Die wirtschaftliche Lage ist bundesweit angespannt. Doch wie ist die Lage bei Blumberger Unternehmen? Von Krisenrhetorik wollen die meisten Gesprächspartner wenig wissen, doch sie berichten von Sorgen: sinkende Nachfrage, steigende Kosten, politische Unsicherheit und fehlende Planbarkeit. Während einige Betriebe erstaunlich gut durch die Turbulenzen kommen, kämpfen andere mit rückläufigen Märkten und einer schwierigen wirtschaftlichen Großwetterlage.

 

Bei der Zollhaussäge Vogt ist die Konjunkturabkühlung angekommen. Betriebsleiterin Andrea Vogt spricht von „Schwankungen, die immer da sind, so wie bei Ebbe und Flut, aber diesmal ist die Ebbe irgendwie gerade größer als sonst“. Nach den außergewöhnlich starken Corona-Jahren sei die Nachfrage deutlich zurückgegangen. „Dass weniger Arbeit da ist, ist Fakt. Das lässt sich nicht leugnen“, sagt sie. Sowohl die Bauwirtschaft als auch Industriekunden würden derzeit weniger Aufträge vergeben.

Die erweiterte Geschäftsführung des Blumberger Familienbetriebs besteht aus Patrick Teubert (von links), Tamara Teubert-Braun, Wolfgang Teubert und Philipp Teubert. Foto: Johannes Feederle

Dennoch sieht sie keinen Anlass für Alarmismus. Kurzarbeit sei kein Thema. „Wir haben ohnehin immer Personalmangel“, erklärt Vogt. Fachkräfte zu finden, bleibe eine Daueraufgabe. Sorgen bereiten ihr vor allem steigende Kosten für Transporte, Schmierstoffe und Energie. „Wenn die Auftragslage eher negativ bleibt und die Kosten noch weiter davonlaufen, wird das natürlich zum Thema.“

Verunsicherte Kunden

Deutlich kritischer fällt die Einschätzung bei Lena Fischer von Knöpfle und Fischer Fensterbau aus. Die kaufmännische Leiterin spricht von einer doppelten Belastung: „Wir merken das insbesondere in Preiserhöhungen unserer Lieferanten.“ Und zugleich seien die Kunden „insgesamt verunsichert“. Höhere Kosten treffen auf eine schwächere Nachfrage.

Kurzarbeit gebe es zwar derzeit nicht, doch sie sieht strukturelle Probleme. „Deutschland hat enorm hohe Sozialabgaben, enorm hohe Steuern, enorm viel Bürokratie und bietet wenig Anreize für Investitionen.“ Besonders nachdenklich stimmt sie die Frage der Unternehmensnachfolge. „Wenn man als junger Mensch über die Fortführung eines Unternehmens nachdenkt, ist die Lust natürlich dementsprechend“, sagt Fischer.

Noch pessimistischer blickt Harald Reble auf die Lage. Der Inhaber eines Handelsunternehmens für gebrauchte CNC-Werkzeugmaschinen aus Riedböhringen erwirtschaftet nach eigenen Angaben rund 80 Prozent seines Geschäfts im Ausland. Besonders die politischen Entwicklungen im Nahen Osten und weitere Exportbeschränkungen hätten direkte Auswirkungen.

Düstere Aussichten

Kurzarbeit müsse er zwar nicht einführen, doch viele Branchenkollegen seien betroffen. Seine größte Herausforderung sei die politische Unsicherheit. Auf die Frage nach der Zukunft antwortet Reble knapp: „Dunkel. Wenn es so weitergeht, sehe ich schwarz.“

Überraschend positiv fällt der Blick bei der Maschinenbaufirma Teubert aus. Tamara Teubert-Braun, Prokuristin und Vertreterin der dritten Familiengeneration, beschreibt das Jahr 2025 als „ein schlechtes Jahr“. Viele Aufträge aus der Automobilindustrie seien verschoben worden. „Erst Ende 2024 hat sich herausgestellt: 2025 wird grässlich“, sagt sie. Dennoch sei die Entwicklung inzwischen positiv. Für das laufende Jahr rechne das Unternehmen sogar mit einem Rekordergebnis.

„Eine Branche läuft immer gut“

Trotz voller Auftragsbücher bleibt die Unsicherheit groß. Zwar liegen bereits Aufträge bis ins Jahr 2027 vor, doch geopolitische Entwicklungen und politische Entscheidungen erschweren jede langfristige Prognose. „Man kann einfach nicht mehr mit gutem Gewissen sagen: Nächstes Jahr sieht auch wieder gut aus.“ Als Stabilitätsfaktor nennt sie die breite Aufstellung des Unternehmens. „Wir haben drei Standbeine und viele Branchen, in denen wir tätig sind. Eine Branche läuft immer gut.“

Gleichzeitig beobachte sie deutliche Unterschiede zwischen den Märkten. Während das Deutschlandgeschäft eingebrochen sei, zeigten sich die USA weiterhin investitionsfreudig. „Die Amerikaner lassen sich von Unsicherheiten weniger bremsen. Die Deutschen machen gleich zu.“

Die Unternehmen spüren die wirtschaftliche Abkühlung, doch existenzielle Krisenstimmung herrscht (noch) nicht. Während einzelne Betriebe von vollen Auftragsbüchern profitieren, kämpfen andere mit Investitionszurückhaltung und steigenden Kosten. Aber wie formulierte es Tamara Teubert-Braun? „Aus jeder Krise muss man eigentlich gestärkt hervorgehen.“

Hintergrundinformation

Stagnierende Wirtschaft
Der Nahostkrieg belastet die ohnehin schwache deutsche Wirtschaft stark: Für 2026 erwartet das Institut der Deutschen Wirtschaft nur noch rund 0,4 Prozent Wachstum. Exporte sinken erneut und verlieren weiter an Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen bleiben schwach, und der private Konsum stagniert wegen hoher Inflation. Auch der Arbeitsmarkt leidet mit steigender Arbeitslosigkeit.