Die Tailfinger Marke Mayer & Cie soll unter Führung eines chinesischen Unternehmens weiterbestehen. Foto: Roth

Die Zahl chinesischer Unternehmensbeteiligungen ist seit dem Jahr 2018 stark gestiegen. Für die Region birgt das Chancen – und strategische Risiken.

Seit etwas mehr als zwei Wochen steht fest, dass die Tailfinger Traditionsmarke Mayer & Cie. unter der Führung des chinesischen Unternehmens Huixing auch in Zukunft weiter bestehen soll. Noch stehen behördliche Genehmigungen aus, die für den Vollzug des Kaufvertrags Voraussetzung sind. Dennoch: Geht es nach Investor Xu Hongjie, soll die Produktion im Rundstrickbereich von Mayer & Cie. bald schon wieder anlaufen. Die Betriebsstilllegung der insolventen Firma konnte auf den letzten Metern abgewendet werden.

 

Möglich gemacht wurde diese „gute Nachricht“, wie Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer betonte, aber eben durch einen chinesischen Investor. In der Vergangenheit gab es immer wieder Unkenrufe, die einen Ausverkauf mittelständischer Firmen in das Reich der Mitte prognostizierten.

Und tatsächlich: Ein Blick auf die IHK-Daten in der Region Neckar-Alb zeigt, dass seit 2018 ein deutlicher Anstieg ausländischer Unternehmensbeteiligungen zu verzeichnen ist – auch aus Asien und insbesondere aus China. Die Zahl der Unternehmen mit chinesischer Beteiligung habe sich seither verdoppelt, von sechs auf zwölf, heißt es von der Industrie- und Handelskammer Reutlingen auf Anfrage unserer Redaktion. Heißt: Insgesamt haben asiatische Beteiligungen in der Region spürbar zugenommen.

Der Zollernalbkreis ist dabei keine Ausnahme: Es sei eine starke Dynamik zu verzeichnen, wie die IHK Reutlingen weiter mitteilt. In Zahlen: Im Vergleich zum Jahr 2018 sei die Zahl der Betriebe mit ausländischem Kapital um mehr als 60 Prozent auf rund 60 Unternehmen gestiegen. Zwar dominieren nach IHK-Angaben weiterhin Beteiligungen aus der Schweiz und den USA, doch China zähle zu den Ländern, deren Engagement in der Region kontinuierlich wachse. „Diese Entwicklung spiegelt einen breiteren Trend wider: Deutschland bleibt ein attraktiver Standort für ausländisches Kapital. Chinesische Investoren zählen zu den wachsenden Akteuren – sowohl im nationalen als auch im regionalen Kontext“, wird Martin Fahling, Bereichsleiter International & Internationale Fachkräfte bei der IHK Reutlingen, zitiert.

Doch welche Folgen hat die Übernahme heimischer Unternehmen von Investoren aus Fernost? Beschäftigungssicherung auf der einen, das Risiko von Abfluss von technischem Know-how auf der anderen Seite? „Ausländische Investitionen sind grundsätzlich eine Chance für den Wirtschaftsstandort Neckar-Alb. Sie stärken die Export- und Innovationskraft und erhöhen die Sichtbarkeit im globalen Wettbewerb“, erläutert Martin Fahling.

Mehr als 17 000 Mitarbeiter in diesen Betrieben tätig

Denn: Ohne Unternehmen mit ausländischem Kapital gäbe es in der Region Neckar-Alb weitaus weniger Arbeitsplätze. Mehr als 17 000 Mitarbeiter seien in Betrieben mit ausländischer Beteiligung tätig. So werde ein direkter Beitrag zur regionalen Beschäftigungsentwicklung getätigt. Viele dieser Betriebe seien im verarbeitenden Gewerbe tätig, das traditionell das Rückgrat der regionalen Wirtschaft bildet. Sie verteilen sich auf mehrere Schlüsselindustrien – darunter Maschinenbau, Elektrotechnik, Textil- und Bekleidungsindustrie, Metallverarbeitung sowie Medizintechnik. Das fördere die wirtschaftliche Diversifikation und Stabilität der Region.

Zudem werde das internationale Netzwerk der Firmen durch ausländische Beteiligungen gestärkt. Martin Fahling betont: „Durch Beteiligungen entstehen weltweite Kontakte, die regionale Unternehmen enger mit internationalen Märkten verzahnen. Das kann den Zugang zu globalen Lieferketten erleichtern.“

Weiter käme dazu, dass ausländische Investoren häufig spezifisches Wissen und neue Technologien einbringen, die zur Innovationskraft der regionalen Wirtschaft beitragen. Nicht ausgeschlossen sei jedoch, dass dieser Wissensfluss auch in die entgegengesetzte Richtung läuft. Möglich sei, dass technologisches Know-how in die Konzernzentrale des ausländischen Eigentümers zurückfließe und dadurch Forschung und Entwicklung vor Ort geschwächt werden. Chance und Risiko zugleich sei auch der Kapitalzufluss: „Beteiligungen stärken die Eigenkapitalbasis regionaler Unternehmen. Gleichzeitig können Betriebe bei hohen Beteiligungsquoten stärker von Entscheidungen außerhalb Deutschlands abhängig werden“, so der IHK-Experte. Das betreffe insbesondere strategische Investitionsentscheidungen oder globale Verlagerungen.