Das Wirtschaftsjahr 2023 geht für viele Betriebe und ihre Mitarbeiter düster zu Ende: Kurzarbeit ist in der Region wieder ein großes Thema.
Die Lage ist ernst.
Wenn gegen Mitte des Monats die Arbeit ausgeht, die Auftragsbücher leer sind oder widrige Bedingungen die Maschinen zum Stillstand zwingen, dann wenden viele Unternehmer das letzte Mittel an, um ihre Belegschaft zu sichern und den Laden am Laufen zu halten: Sie melden Kurzarbeit an.
Was vor allem während der Corona-Pandemie und in den großen Wirtschaftskrisen – allen voran der großen Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 – ein großes Thema war und vielen Durchhaltevermögen abverlangte, kocht jetzt wieder hoch.
Zunahme seit dem Herbst
„Ja, die aktuellen Daten zur Kurzarbeit zeigen eine Zunahme der Anzeigen seit dem Herbst an“, sagt Elena Niggemann, die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit im Bezirk Rottweil-Villingen-Schwenningen, auf Anfrage unserer Redaktion.
Und ein erster Indikator zeigt, dass die Spitze des Eisbergs dieser Entwicklung noch nicht erreicht sein dürfte: Es gehen, sagt Niggemann, ganz aktuell auch wieder mehr Beratungsanfragen von Betrieben zum Thema Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur an. Während über die Sommermonate das Arbeitsklima ein milderes war und ein Rückgang im Vergleich zum Jahresbeginn zu verzeichnen gewesen ist, ächzen viele Betriebe derzeit unter den allgemein rauen Bedingungen.
Die blanken Zahlen
14 Betriebe im Schwarzwald-Baar-Kreis haben im Oktober für 336 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt.
Ganz besonders viele Personen waren im März 2023 von der Kurzarbeit betroffen – 900 Personen in 20 Betrieben waren es damals im kompletten Schwarzwald-Baar-Kreis. In den Sommermonaten sank diese Zahl, seither steigt sie jedoch laut Statistik der Arbeitsagentur wieder recht signifikant an.
Diese Branchen trifft es
Was Elena Niggemann auf Nachfrage erzählt, passt ins Bild: Vor allem die Automobilzulieferer tun sich offenbar schwer. Und auch die Baubranche kämpft – es herrscht vielfach eine starke Flaute, die Auftragsbücher bleiben leer.
Niggemann berichtet, dass die Kurzarbeit in Kürze offenbar vor allem Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe treffen dürfte – Betriebe in der Metall- und Kunststoffbearbeitung sind es nämlich hauptsächlich, die laut der Pressesprecherin derzeit Beratungsbedarf haben und sich mit dem Gedanken tragen, Kurzarbeit anzumelden.
Bereits hinter sich haben diesen Schritt viele Unternehmer anderer Branchen: „Bei den Anzeigen waren Beschäftigte aus den Bereichen Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen“, aus dem Maschinenbau, der Herstellung von Metallerzeugnissen sowie aus dem Baubereich betroffen – in letzterem schwerpunktmäßig aus der Bauinstallation und dem Ausbaugewerbe.
Das sind die Gründe
Schuld ist offenbar die konjunkturelle Lage. Personalmangel, hohe Energiepreise und steigende Materialkosten – seit Jahren werden Unternehmer in Deutschland herausgefordert. Beweisen kann sich in diesem harten Umfeld nur, wer über ausreichend Aufträge verfügt. Und genau da liegt offenbar der Hund begraben: Als Gründe werden laut Elena Niggemann der regionalen Arbeitsagentur hauptsächlich ein allgemeiner Auftragsmangel, die Reduzierung von einzelnen Aufträgen oder auch die Verschiebung bis hin zur Stornierung von Aufträgen vorgebracht. „Immer wieder ist zu hören, dass aufgrund des Rohstoffmangels Lagerkapazitäten hochgefahren wurden und Kunden somit aktuell keine Waren mehr abrufen.“ Zudem belasteten die hohe Teuerung und die gestiegenen Zinsen die wirtschaftliche Entwicklung – zum Beispiel in der Baubranche.