Die US-Zölle und die Industrie der Region – wie hängen die beiden eigentlich voneinander ab und womit rechnen die Firmen hier jetzt? Diesen Fragen ging der Wirtschaftsverbund Industrieller Unternehmen in Baden jetzt nach.
Der Wirtschaftsverbund Industrieller Unternehmen in Baden, kurz: wvib, dem auch mehr als 70 Unternehmen im Schwarzwald-Baar-Kreis angehören, startete eine Umfrage zu den möglichen Auswirkungen von US-Zöllen.
Diese sorgen bis in den industriellen Mittelstand hinein für Unruhe und Besorgnis. Die wvib Schwarzwald AG wollte deshalb von ihren Mitgliedsunternehmen wissen, wie sie von neuen Exporthemmnissen betroffen sind und wie sie darauf reagieren.
So viele rechnen mit Umsatzeinbußen
Wvib-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer betont: „Mehr Zollbarrieren gab es zuletzt vor über 100 Jahren. Die Folgen dieses handelspolitischen Amoklaufs werden überall auf der Welt und erst recht im Schwarzwald zu spüren sein. Am stärksten wird der „Dealmaker“ Trump der eigenen Wirtschaft schaden. Die EU muss jetzt selbstbewusst reagieren und zugleich eine harte Eskalation verhindern. Brüssel muss verhandeln – sollte aber nicht ohne Drohpotenzial nach Washington fahren.“
Für die Industrie stehe viel auf dem Spiel. Die USA seien der wichtigste Exportmarkt der deutschen Industrie. Für 69 Prozent der Befragten im wvib-Cluster Globalisierung ist der US-Markt sehr wichtig, für 15 Prozent habe der Handel in den USA sogar eine existenzielle Bedeutung. Wie bei den großen Automobilherstellern mache es auch bei den mittelständischen Unternehmen einen Unterschied, wie sie in den USA präsent sind, wenn Zölle drohen.
Wer Vorteile und wer das Nachsehen hat
Im Vorteil ist, wer bereits vor Ort ist. Allerdings haben nur 23 Prozent der Unternehmen ein Werk in den USA. 42 Prozent haben eine eigene Vertriebsgesellschaft, während 35 Prozent den US-Vertrieb über lokale Partner abwickeln.
Immerhin 36 Prozent des baden-württembergischen Mittelstands erwarten Umsatzeinbußen als Folge der Ankündigungen von Donald Trump. Zugleich führt an Industriegütern aus Deutschland für US-Kunden vielerorts kein Weg vorbei: 23 Prozent rechnen damit, höhere Preise durchsetzen zu können. 15 Prozent geben an, nur indirekt von den Zöllen betroffen zu sein, da ihre Produkte erst über eine längere Zuliefererkette in die USA gelangen. 23 Prozent erwarten, dass sich im Exportgeschäft zunächst wenig ändern wird, sich aber langfristig die Lieferketten verschieben werden. 15 Prozent geben an, nur indirekt von den Zöllen betroffen zu sein, da ihre Produkte über eine komplexere Lieferkette in die USA gelangen.
Nur drei Prozent der Befragten geben an, durch ihre Produktionsstandorte in den USA überhaupt nicht von Trumps Drohungen betroffen zu sein. Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich.
Was die Unternehmen jetzt tun
Wie gehen Unternehmen langfristig mit Zöllen und Handelskonflikten um? Der Aufbau einer Produktion in den USA ist kostspielig und für kleinere Unternehmen kaum zu leisten. Nur 19 Prozent der Befragten geben an, langfristig die Produktion in den USA weiter ausbauen oder neu aufbauen zu wollen. Elf Prozent der Befragten erwägen den Kauf eines Unternehmens in den USA. 36 Prozent wollen sich darauf konzentrieren, Verluste durch den Ausbau von Kundenbeziehungen zu kompensieren.
Immerhin ein Viertel der Befragten plant derzeit keine weiteren Maßnahmen und möchte mögliche Einbußen aussitzen. Marcel Spiegelhalter, zuständig für das Cluster Globalisierung, betont: „Der Außenhandel wird immer unübersichtlicher. Mit dem wvib-Cluster Globalisierung bieten wir dem exportorientierten Mittelstand die Community für erfolgreiches Handeln in einem schwierigen Umfeld.“
Die Einordnung von wvib-Hauptgeschäftsführer Münzer: „Mit Trumps Zolldrohung sollte auch dem Letzten klar geworden sein: Die nächste Bundesregierung muss dringend an der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands arbeiten. Die Rahmenbedingungen für Unternehmen müssen insgesamt deutlich verbessert werden: Wir brauchen vor allem weniger Bürokratie, niedrigere Steuern und bezahlbare Energie. Dazu ist aus den Koalitionsverhandlungen bisher zu wenig zu hören.“