Viele Unternehmen klagen über zu hohen Aufwand für Bürokratie – auch im Kreis Rottweil. (Symbolbild) Foto: Freepik

Im Wahlkampf zur Landtagswahl wurde oft Bürokratieabbau für Unternehmen versprochen. Lässt sich der Aufwand für Bürokratie bei den Unternehmen im Kreis Rottweil konkretisieren?

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall rechnet mit einem Verlust von 150 000 Arbeitsplätzen in der Metall- und Elektroindustrie. Zu hohe Kosten und besonders die Bürokratie belasteten die Unternehmen, berichtet Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander der Deutschen Presseagentur. Unsere Redaktion erkundigte sich bei den Unternehmen im Kreis Rottweil – wie hoch sind der Aufwand und die Kosten für Bürokratie konkret?

 

Bürokratie ist in der Firma Junghans auch ein großes Problem, wie der geschäftsführende Gesellschafter Hannes Steim sagt. „Es werden immer wieder neue Auflagen an uns herangetragen, die wenig Sinn machen. Um diesen gerecht zu werden, sind oft Sondergenehmigungen erforderlich, die viel Zeit und Arbeit beanspruchen.“

Genehmigungen lassen teils Wochen auf sich warten

In Geduld muss sich auch das Unternehmen Trumpf üben. Die Firma leide „stark“ unter den bürokratischen Hürden. „Auf Ausfuhrgenehmigungen warten wir teilweise mehrere Wochen, was unsere Lieferzeiten im Vergleich zum internationalen Wettbewerb erhöht und damit die Wettbewerbsfähigkeit verringert“, berichtet Björn Dymke, Geschäftsführender Direktor der Trumpf Laser SE in Schramberg.

Volker Patz, Geschäftsführer von MS-Schramberg, konnte unserer Redaktion einen kleinen Einblick in den Aufwand der Bürokratie im Unternehmen geben. Eine genaue Stundenanzahl lasse sich hierbei nicht benennen, aber die Bürokratie beinhalte zahlreiche Prüfungsvorschriften mit teuren Prüfungen – in vielen Fällen durch externe Dienstleister, verdeutlicht Patz. Und zur der Berichtspflicht an den Staat kämen auch noch Vorschriften der Sachversicherer hinzu.

Bürokratie kostet jährlich einen sechsstelligen Betrag

In Summe koste das ein Unternehmen ihrer Größe jedes Jahr einen sechsstelligen Betrag zuzüglich interner Personal- und Verwaltungskosten, schlüsselt der Geschäftsführer auf. „Keine der Maßnahmen verbessert unsere Produkte.“

Als kurioses Beispiel nannte er die UVV-Prüfung (Unfallverhütungsvorschrift), die als gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsüberprüfung von Arbeitsmitteln, Fahrzeugen und technischen Anlagen durchgeführt werden muss, um Arbeitsunfälle zu vermeiden. Und das aber zusätzlich zur Überprüfung durch den TÜV und Inspektionen.

Vorschriften lassen „Kleinbetriebe aussterben“

Auch im Bereich Immobilien erhöhe sich kontinuierlich der Verwaltungsaufwand, bestätigt Norman Sailer von Sailer & Sailer Immobilienmanagement. Einerseits steige die Bürokratie bei Neubauten, aber auch beim Betrieb der Bestandsimmobilien – also im Bereich Vermietung und Verpachtung.

Und auch im Handwerk bleiben die Unternehmen nicht verschont. Geschäftsführer Rainer Keller von Rainer Keller Holzbau aus Rottweil spricht von „endloser Bürokratie“ und „Vorschriften, was Kleinbetriebe langsam aussterben lässt“, weil diese es nicht mehr rechtssicher umsetzen könnten.

Daher blickten viele Unternehmen gespannt auf die knappe Landtagswahl am vergangen Sonntag. In vielen Wahlprogrammen versprachen die Parteien Bürokratie abzubauen und die Unternehmen zu unterstützen.