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Wie entwickelt sich die Lage im Raum Rottweil? Unternehmen setzen verstärkt auf Kurzarbeit – unsere Redaktion hat bei der Agentur für Arbeit nachgefragt.

Auch im Kreis Rottweil greifen Unternehmen weiterhin auf Kurzarbeit zurück, wenn Aufträge ausbleiben und die Auslastung sinkt.

 

Für alle Betriebe gibt es hohe Energiekosten, Zinsen und Inflation sowie ausufernde Bürokratie, die allen Betrieben zu schaffen machen und Investitionen bremsen oder ausfallen lassen. Seit Monaten meldeten Schramberger Unternehmen rückläufige Umsatz- oder Auftragszahlen und Auslastung ihrer Werke, wie wir bereits berichteten.

Verarbeitendes Gewerbe ist besonders betroffen

Laut Angaben der Agentur für Arbeit zeigt sich aktuell ein klarer Schwerpunkt beim verarbeitenden Gewerbe im Kreis, insbesondere in der Reparatur und Installation von Maschinen sowie in der Herstellung von Möbeln, Maschinenbau, elektrischen Ausrüstungen, Datenverarbeitungsgeräten und Metallerzeugnissen.

Vier Betriebe melden Kurzarbeit neu an

Nach Informationen der Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen wurden im September von vier Betrieben neue Anzeigen für insgesamt 169 Beschäftigte gestellt. Zum Vergleich: Im August waren es noch acht Betriebe und 276 betroffene Arbeitnehmer. Im April befanden sich 1705 Beschäftigte aus 62 Betrieben in konjunktureller Kurzarbeit, was 2,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis entsprach.

Warum gibt es Kurzarbeit?

Kurzarbeit ermöglicht es Unternehmen, auf wirtschaftliche Herausforderungen zu reagieren, ohne sofort Personal abbauen zu müssen, erklärt die Agentur für Arbeit. So könnten Betriebe qualifizierte Fachkräfte halten, auch wenn die Auftragslage zeitweise schlecht ist. Der Vorteil sei, dass bei einer steigenden Nachfrage eingearbeitetes Personal sofort zur Verfügung stehe, was Zeit und Kosten für Neueinstellungen spare.

Kurzarbeitergeld kann helfen

Für Arbeitnehmer bedeutet Kurzarbeit in der Regel einen Gehaltsverlust, der jedoch teilweise durch Kurzarbeitergeld ausgeglichen wird, so die Agentur weiter. Eine Einschränkung besteht darin, dass Auszubildende erst nach sechs Wochen oder 30 Arbeitstagen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben. Laut Elena Niggemann, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, muss der Ausbildungsbetrieb in solchen Fällen versuchen, die Ausbildung fortzuführen, etwa durch eine Umstellung des Ausbildungsplans oder den Einsatz der Auszubildenden in anderen Abteilungen.

Die Agentur für Arbeit erinnert daran, dass während der Corona-Pandemie die Kurzarbeit nie gekannte Ausmaße erreicht hatte. Im Mai 2020 waren im Kreis Rottweil 990 Betriebe und 14 270 Beschäftigte betroffen. Auch während der Finanzkrise 2008/09 hatte Kurzarbeit eine zentrale Rolle gespielt.

Nachfrage nach Fachkräften wächst trotzdem

Die gegenwärtige konjunkturelle Schwächephase hat laut der Agentur auch strukturelle Ursachen, wie den Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft. Besonders mittelständische Zulieferer in der Automobilbranche stünden aufgrund der Abkehr vom Verbrennungsmotor vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig wachse jedoch die Nachfrage nach Fachkräften in den Bereichen Energie, Umwelt und Verkehr.

Jobmotor stottert

Sylvia Scholz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, betont, dass der „Jobmotor in der Region ins Stottern geraten“ sei und derzeit keine kurzfristige Verbesserung der Situation zu erkennen sei. Sie empfiehlt allen Betroffenen, die Phase der Kurzarbeit zu nutzen, um sich für künftige Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt weiterzubilden. Der Arbeitgeber-Service der Agentur berate dabei über Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten.

Kein Grund zur Sorge

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Rottweil, so die Agentur weiter, gebe es keinen Grund zur Besorgnis. Kurzarbeit biete den Unternehmen die notwendige Flexibilität, um auf wirtschaftliche Veränderungen zu reagieren. Mit 2834 Arbeitslosen und einer Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent im September stehe der Kreis weiterhin solide da – deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 4,3 Prozent.