Eine Ära geht zu Ende: Seit 2003 war Christel Feitsch die Wirtin von der „Alten Brauerei“. Am 1. März hört die 63-Jährige auf. Für die Gäste ist das ein harter Schlag.
23 Jahre ist Christel Feitsch Pächterin der „Alten Brauerei“ in Ettenheim, zuvor war sie fünf Jahre Bedienung. Und davor stand sie in Freiburg im „Deutschen Kaiser“ hinter dem Tresen. Macht summa summarum 47 Jahre Gastronomie für die mittlerweile 63-Jährige.
Wer selbst schon mal in der Gastro gearbeitet hat, kann das einordnen: „Das ist ein Knochenjob.“ 60 bis 70 Stunden die Woche seien keine Ausnahme gewesen, sondern eher die Regel. Und trotzdem sagt Feitsch: Die Tage, an denen sie nicht gern arbeiten gegangen ist, könne sie an einer Hand abzählen.
„Es reicht jetzt, glaube ich.“ Feitsch zieht zum 1. März den Schlussstrich unter ihre Gastro-Karriere. Was danach kommt, will die Redaktion beim Ortstermin wissen. „Erstmal zu sich selber finden. Ein bisschen reisen. Ich hab mir einen Garten zugelegt. Und ich hab vier Kinder und vier Enkel. Langweilig wird mir nicht werden.“
Ob ihr etwas fehlen wird, wenn sie keine „Alte Brauerei“ mehr hat? Das könne sie noch nicht sagen. „Keine Zeit zum Nachdenken.“ Wehmut ist nicht ihre Sache. Sie steht zu der Entscheidung, aufzuhören – getroffen hat sie sie bereits vor genau einem Jahr.
Konsequent und mit klarem Blick
Feitsch ist bodenständig und konsequent, mit einem klarem Blick auf die Dinge. Eigenschaften, ohne die man eine Gastwirtschaft dieser Größe kaum führen kann. Sie hat den Beruf von der Pike auf gelernt – und gelernt, Verantwortung zu tragen. Wie eine Kapitänin auf einem großen Schiff, die nun von Bord geht.
Jetzt noch einmal die Fasent mitnehmen, dann ist gut. Dass ausgerechnet die Fasent den Schlusspunkt setzt, war nicht geplant, passt aber trotzdem. Der Trubel, das volle Haus – genau das hat die „Alte Brauerei“ während Feitschs Zeit als Chefin ausgezeichnet. Auch Eigentümerin Heike Kollofrath sagt: „Da geht eine Ära zu Ende.“
Sultan Singh von der Ringsheimer „Heckenrose“ übernimmt
Ersatz gibt es schon. Der Ettenheimer Sultan Singh, der bisher die „Heckenrose“ in Ringsheim hat, wird übernehmen. „Spannend“ wird das für Kollofrath, die den Neuen als „super netten Menschen“ kennengelernt hat. Das Konzept der „Alten Brauerei“ mit traditioneller badischer Küche wolle Singh auch beibehalten, weiß Feitsch zu berichten.
Trotzdem: Für viele Stammgäste ist es ein hartes Ende. Das zeigen nicht zuletzt die zahlreichen Reaktionen auf die Ankündigung in den sozialen Medien. „Ein Stück Ettenheim geht zu Ende“, steht da. Die „Alte Brauerei“ bedeutet zahlreichen Menschen sehr viel – das wird beim Lesen der Nachrichten schnell klar.
Und sie ist untrennbar mit der Wirtin verbunden. Was Christel Feitsch ausmacht? Darüber spricht sie selbst nur ungern. Eigenlob ist ihr eher unangenehm. Da springt Tochter Katharina Fleig, die gerade den Mittagstisch vorbereitet, in die Bresche: „Es ging ihr immer nur um die Gäste, nie um sich selbst.“ Und Feitsch weiß: „Die ‚Alte Brauerei‘, das bin ich. So sehen es die Leute.“ Das hätten ihr auch die Eigentümer, von denen sie das Haus 2003 übernommen hatte, so gesagt: Es sei zwar deren Baby gewesen, aber großgezogen habe sie es. Und das ist Feitsch wichtig: Alles ging immer gemeinsam, mit dem Team und mit den vielen Gästen, die teils seit Jahrzehnten dazugehören. Die vielen „Kondolenzen“ haben sie sehr berührt. „Ich hab so viele tolle Gäste und bin dafür unendlich dankbar.“
Ihre Abschiedsworte im Netz seien deshalb auch von tiefstem Herzen gekommen. Darin blickt sie dankbar auf Höhen und Tiefen, auf glückliche wie schwere Zeiten und auf viele gemeinsame Momente zurück. „Alles, was die Gastronomie zu bieten hat, durfte ich mit euch erleben“, schreibt sie. Für jemanden wie Christel Feitsch, die unnötige Worte nicht mag, sagt das alles.
Vieles soll beim Alten bleiben
Sultan Singh betreibt momentan noch die „Heckenrose“ in Ringsheim und weiß noch nicht genau, wann die „Alte Brauerei“ unter seiner Führung eröffnen wird – „Ende März oder Anfang April“, glaubt er. Etwas Umbau sei nötig, prinzipiell bliebe vieles beim Alten.