Über 3500 Wirte feiern auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart die angekündigte Mehrwertsteuersenkung der Bundesregierung. Dehoga-Kreischefin Beate Gaiser erklärt, warum jeder Wirt im Landkreis Freudenstadt das braucht.
Beate Gaiser, Chefin des Branchenverbands Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) im Landkreis Freudenstadt, sitzt mit über 3500 Wirten im Benz-Festzelt.
Gaiser freut sich, dass auch alle Fraktionschefs (Grüne, CDU, SPD, AfD, FDP) im Landtag zugesagt haben, die Initiative der Bundesregierung zur Senkung der Gastro-Mehrwertsteuer zu unterstützen. Sie sagt: „Besonders wichtig war die Zusage des Grünen-Fraktionschefs Andreas Schwarz. Beim Aus im November 2023 hatte sich das Land im Bundesrat enthalten – wegen der Grünen.“
So ist die Lage der Wirte im Landkreis Freudenstadt
Deshalb sitzt sie im Festzelt neben dem Grünen-Fraktionschef. Gaiser: „Sicherlich kann unsere Branche im Landkreis von den wirtschaftlichen Impulsen durch die Gartenschau im ,Tal X‘ profitieren. Das darf aber nicht über die schwierige Lage der Branche im Landkreis hinwegtäuschen. Wenn die Mehrwertsteuersenkung für die Gastro nicht kommt, dann werden Hotels und Gastros schließen. Das sagen mir Wirte im persönlichen Gespräch.“
Die Gastronomin weiter: „Zudem schwebt ja auch das Damoklesschwert weiter steigender Personalkosten über unseren Köpfen. Eine kurzfristige Anhebung des Mindestlohns auf 15 Euro hätte Auswirkungen auf die gesamte Lohnskala.“
Gaiser: Ohne Senkung werfen viele Wirte hin
Die Umsätze sind im Jahr 2024 in der Hotellerie im Ländle preisbereinigt bei Hotels um knapp 2,2 Prozent gesunken. In der Gastronomie um 5,6 Prozent. Im Januar und Februar 2025 ging es im Gastgewerbe des Landes noch mal um 5,3 Prozent zurück.
Gaiser: „Die Erträge sind für den Wirt weiter zurückgegangen. Das lag einmal an der Wetterlage, aber auch an der Psychologie bei den Kunden. Keiner wusste, ob die Bundestagsneuwahlen eine Besserung bringen. Seitdem fragen mich viele Wirte, ob die Mehrwertsteuersenkung nicht zum Sommer kommt – daran sieht man, in welch schwieriger Lage die Kolleginnen und Kollegen sind.“
Effekt der Gartenschau für Wirte im Landkreis
Auch die Gartenschau im „Tal X“ sorgt für mehr Zuversicht und hoffentlich gute Geschäfte. Viele Hotels sind inzwischen sehr gut gebucht, berichtet die Dehoga-Kreischefin. Gaiser: „Trotzdem darf man die Vorgeschichte nicht vergessen. Als im November 2023 die Sieben-Prozent-Mehrwertsteuer in der Gastro gekippt wurde, hatten wir und viele Kollegen die Preise mit den Reiseveranstaltern für 2024 ausgehandelt.“
Blick auf Südtirol und Österreich
Die Dehoga-Kreischefin weiter: „Dazu hatten viele Gastronomen ihren Mitarbeitern Lohnerhöhungen zugesagt. Solche Zusagen nimmt man nicht zurück. Wer als Gastronom die Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwölf Prozent gleich auf die Endpreise komplett umgelegt hat, hatte auch verloren. Das haben viele Kunden nicht akzeptiert. Das brach wohl vielen Betrieben, die 2024 aufgehört haben, das Genick.“
Deshalb könne die gemeinsame Gartenschau von Freudenstadt und Baiersbronn allenfalls einen Teil der Ertragsverluste kurzfristig ausgleichen. „Wir schauen immer nach Österreich und Südtirol, was dort in der Gastro und Hotellerie geht. Was und wie dort investiert wird, welche Trends dort gesetzt werden“, so Gaiser. „In Österreich und Südtirol ist die Gastro-Mehrwertsteuer viel geringer als derzeit in Deutschland. Je geringer die Erträge dauerhaft hier bleiben, umso weniger können wir da mithalten.“